Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du?
Ich bin Philipp Knauss. Ich bin Filmproduzent, arbeite jetzt aber mehr und mehr als Autor und Berater. Ich unterrichte Dramaturgie, genauer Filmdramaturgie, und das auch schon seit ein paar Jahren. Ich glaube, ich bin im fünften Jahr, ich bin hier also schon alteingesessen.
Wie bist du an die Lazi Akademie gekommen?
Ich kannte einen Dozenten hier, Wolfgang Rieger. Er war mein Anwalt und ist es auch immer noch: Wenn ich Bedarf hätte, würde ich mich an ihn wenden. Ich war tatsächlich aber noch nie hier gewesen. Dann hatte ich ein Buch über Dramaturgie geschrieben, über Filmdramaturgie, und das wollte ich an der Front ausprobieren: ob das ankommt, was ich da geschrieben habe. Es geht um die elf Erzählkonzepte, also tatsächlich um Narration im Film, und das wende ich hier auch in einem der Kurse an. Der Kurs ist zweigeteilt, und im A-Teil geht es unter anderem um Genre, um Erzählkonzepte und um Masterplots.
Warum unterrichtest du?
Zum einen bin ich als Lehrer, als Dozent, ein bisschen ein Spätberufener. Ich habe, wie gesagt, zuerst als Produzent gearbeitet. Mich reizte es, zu überprüfen, ob das, was ich mir ausgedacht habe, am Markt Bestand hat und ob es bei den Studierenden ankommt. Das wollte ich unbedingt wissen. Zum anderen: Manche unterrichten gern, für andere ist es eher eine schwierige Prüfung. Ich mache es gern. Ich gebe gern an die junge Generation weiter, was ich glaube zu wissen und zu können.
Was macht die Lazi zu einem „Biotop“ für junge Kreative?
Die Lazi Akademie ist, glaube ich, ein ganz besonderes und besonders gelungenes Biotop für junge Menschen, die sich für Medien und Kreativität interessieren. Es gibt diese schöne, familiäre Atmosphäre, aber gleichzeitig werden die Studierenden hier, glaube ich, auch gefordert. Also gefördert, aber auch gefordert, weil sie neben der ganzen Theorie auch konkrete Projekte machen müssen. Dadurch ist, glaube ich, im positiven Sinne ein gewisser Erwartungsdruck da. Dadurch entstehen sehr viele gute Inhalte und gute Projekte, aber eben auch das, was man Persönlichkeitsentwicklung bei jungen Menschen nennt. Das zu beobachten, ist immer wieder eine schöne Erfahrung.
Es ist sehr schön hier, ein schöner Ort mit einem schönen Außengelände und schönen Gebäuden. Deshalb ist es etwas Besonderes. Familiär nennt man das gern. Es gibt alle Facilities, die man braucht, um diese komplizierten Dinge herzustellen, also Medienprojekte, und eine gute kreative Atmosphäre, die notwendig ist, um aus den Studierenden das herauszuholen, was man herausholen will.
Worum geht es in Filmdramaturgie?
In der Filmdramaturgie geht es natürlich darum, wie man eine Handlung strukturiert. Dramaturgie ist im strengen Sinne wirklich: Was geschieht wann? Ab einer bestimmten Größe einer Geschichte wird das zu etwas, wofür man bestimmte Techniken und Konzepte erlernen kann und auch erlernen muss, manchmal ein bisschen mühsam. Bei mir im Kurs geht es zum einen um die Theorie, aber wir arbeiten natürlich an ganz konkreten Filmbeispielen: an Filmen, die sehr bekannt sind, oder auch an Beispielen aus den Projekten der Studierenden selbst. Sie entwickeln bei mir ja auch Stoffe. Ich glaube, dass diese Mischung aus Theorie und Praxis gut funktioniert, dass einiges hängen bleibt und dass sie nach so einem Kurs die Filme, die sie sehen, anders sehen, besser verstehen und besser analysieren können und auch die eigenen Projekte sehr viel bewusster machen.
Es ist Theorie, eine Menge Technik, die man annehmen kann, aber nicht annehmen muss. Nicht jede Regel ist eine Regel im Sinne von „Du musst“. Aber wenn man eine Regel kennt und nicht anwendet, ist das etwas ganz anderes, als eine Regel nicht zu kennen.
Wie läuft der Kurs ab?
Das ist das dritte und vierte Semester, wenn mich nicht alles täuscht. Der Kurs ist aus zwei Semestern zusammengewürfelt. Es sind also immer auch welche dabei, die schon ein bisschen mehr aus meinem vorherigen Kurs kennen. Diese Mischung aus zwei unterschiedlichen Jahrgängen macht manchmal auch den Reiz aus, weil die einen mit ihrem Vorwissen den anderen ein bisschen auf die Sprünge helfen können.
Wir haben in der Regel alle 14 Tage ein Seminar, das praktisch den ganzen Tag geht. Am Ende des Kurses schreiben wir auch eine Klausur. Auch das muss sein, irgendwie muss ein Leistungsnachweis erbracht werden. Über das ganze Semester verteilt gibt es bei mir in der Regel eine Semesteraufgabe: das Entwickeln einer eigenen Idee, einer Stoffskizze. Das ist die Grundstruktur des Kurses.
Lernst du auch von den Studierenden?
Je älter man als Dozent wird, umso mehr hat man davon, Menschen zu unterrichten, die eine ganze Generation jünger sind. Manchmal habe ich den Eindruck, ich lerne mehr von den Studierenden hier als sie von mir. Wer weiß, das lässt sich auch nicht messen. Aber es sind eben Menschen, die oft noch Orientierung suchen, und es ist ja auch durchaus richtig für so eine Ausbildung, dass sie Orientierung gibt und, als Nebeneffekt, persönlichkeitsformend ist. Man lernt ganz konkrete Dinge, zum Beispiel Handwerkszeug zur Dramaturgie, zum Schreiben und zur Dialoggestaltung, was auch Teil meines Kurses ist, aber dabei entwickelt sich die Persönlichkeit. Das zu sehen, ist für einen Dozenten interessant und befriedigend.
Wer kommt an die Lazi?
Es ist eine bunte Mischung von jungen Menschen, die hierherkommen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich für das Herstellen von Filmprojekten interessieren und mehr davon verstehen wollen, was einen Film ausmacht. Manche trauen sich, bei ihren eigenen Projekten hier erzählerisch die Latte wirklich sehr hoch zu legen, für die Zwischenprüfung, aber auch für den Abschlussfilm. Das sind wirklich einige Projekte, nicht alle. Das Spektrum der Möglichkeiten ist zum Glück auch groß, man kann auch etwas machen, das narrativ nicht so viel hergibt. Aber es gibt immer wieder Projekte von Studierenden, in denen etwas angewendet wird, das sie, glaube ich, in meinem Kurs gelernt haben, zur Dramaturgie oder vor allem zum Thema Dialoggestaltung. Das zu sehen, ist für einen Dozenten natürlich ganz wunderbar und ganz befriedigend. Und wenn die Studierenden einem dann sogar sagen: „Hier an der Stelle habe ich etwas umgesetzt, das ich bei dir gelernt habe“, dann ist das unbezahlbar.
Für wen ist die Lazi richtig?
Es ist eben ein Biotop, in dem man große Freiheit genießt, und gleichzeitig gibt es den Anspruch, mit den eigenen Projekten performen zu müssen. Wer seine eigene Kreativität entdecken, erforschen und entwickeln will, ist deshalb bei der Lazi, glaube ich, sehr gut aufgehoben, für alle möglichen Richtungen, die mit Medienproduktion zu tun haben. Es ist ja auch eine sehr gute Orientierungsphase im Leben. Man weiß danach, glaube ich, sehr viel besser, was man beruflich will.
Ich bekomme das ja mit, wenn ich Praktikant/innen hier habe, die sich wahrscheinlich nach dem Infotag genauer anschauen wollen, was hier passiert. Die sitzen dann manchmal bei mir, und es ist interessanter, frischer Input, wenn jemand ganz ohne Vorwissen mitten im Seminar plötzlich von mir drangenommen wird. Das mache ich durchaus.
Warum ist die Werkschau ein Höhepunkt?
Die Werkschau ist natürlich ein Höhepunkt im Jahr und im Semester der Studierenden, auf den alle hinfiebern, nicht nur die Studierenden, sondern, glaube ich, auch die Dozent/innen, um zu sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ausbildung und Lehre sind immer eine gute Mischung aus Theorie und Praxis. Die Werke zu sehen, die nach langer Zeit entstehen, nachdem man durch ein Tal aus Blut, Schweiß und Tränen gegangen ist und dann einen fertigen Film oder ein fertiges Projekt präsentieren kann: Das ist später im echten Berufsleben genauso. Wir arbeiten in der Regel in Projekten, und Projekte haben verschiedene Phasen, aber irgendwann sind sie fertig und werden dem Kunden oder dem Publikum gezeigt. So etwas ist hier die Werkschau.
Die Lazi in drei Worten? Und hast du Buchtipps?
Familiär, frei und kreativ.
Mein Buch über die elf Erzählkonzepte ist natürlich eine Empfehlung für alle, die nicht an der Lazi Akademie sind und trotzdem ganz viel über Narration wissen wollen. Außerdem habe ich noch einen Roman geschrieben, der natürlich auch super ist und in dem es ebenfalls um Narration geht. Auch in diesem Roman geht es darum, was eine gute Geschichte ausmacht. Der Roman heißt „Feedback“.
