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Medienzeit (auch Bildschirmzeit) ist die Zeit, die ein Kind in seiner Freizeit mit Bildschirmgeräten wie Fernseher, Tablet, Smartphone, Konsole oder Computer verbringt; Fachstellen empfehlen dafür altersabhängige Höchstwerte von „möglichst gar nicht“ unter drei Jahren bis zu ein bis zwei Stunden täglich für 12- bis 16-Jährige.

Rubrik: Medienpsychologie & Wirkungsforschung · Unterrubrik: Familie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Bildschirmzeit, Screen Time, Mediennutzungszeit

Was ist Medienzeit?

Mit Medienzeit meinen Fachstellen die gesamte freie Zeit vor Bildschirmen, also Fernsehen, Streaming, Videos, Spiele und Social Media zusammen. Die Empfehlungen für die Medienzeit von Kindern sind Richtwerte, keine Grenzwerte. Sie sollen Eltern helfen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bildschirm, Bewegung, Schlaf, Spiel und Freundschaften zu finden.

Erklärung

In Deutschland veröffentlichen mehrere öffentliche Stellen Empfehlungen zur Medienzeit für Kinder: das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA) auf kindergesundheit-info.de, die EU-Initiative klicksafe und der Medienratgeber SCHAU HIN! des Bundesfamilienministeriums. Die Werte liegen nah beieinander, unterscheiden sich aber in den Altersstufen.

Die Empfehlungen im Überblick

AlterBIÖG (Stand: Mai 2025)klicksafe (Stand: 2026)SCHAU HIN! (Stand: August 2026)
0-3 Jahremöglichst keine BildschirmmedienBildschirmmedien möglichst vermeidenam besten gar keine, sonst sehr dosiert und nicht täglich
3-6 Jahrehöchstens 30 Minuten täglichhöchstens 30 Minuten, nicht täglich, immer begleitet4 und 5 Jahre: bis zu einer halben Stunde täglich
6-9 Jahre7-11 Jahre: höchstens 1 Stunde täglichhöchstens 30-45 Minuten täglich, nicht unbedingt jeden Tagbis zu einer Stunde täglich
9-12 Jahre7-11 Jahre: höchstens 1 Stunde täglichhöchstens 45-60 Minuten täglich, Wochenkonto möglichab 10 Jahren Wochenkontingent
12-16 Jahrekeine Angabehöchstens 1-2 Stunden freie Bildschirmzeit, bis spätestens 21 UhrFaustregel: 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche

Die Faustregel von SCHAU HIN! ergibt zum Beispiel für ein elfjähriges Kind 110 Minuten am Tag oder elf Stunden in der Woche. Das liegt über den Tageswerten von klicksafe. Beide Stellen betonen, dass solche Zahlen nur Orientierung bieten und die Entwicklung des einzelnen Kindes wichtiger ist.

Was zählt zur Medienzeit?

SCHAU HIN! rechnet die Nutzung digitaler Medien für die Schule ausdrücklich nicht mit. klicksafe bezieht die Empfehlungen auf alle Bildschirme zusammen: Smartphone, Fernseher, Tablet, Konsole, Laptop und Computer. Videoanrufe mit Großeltern sieht klicksafe auch bei kleinen Kindern als sinnvollen Teil des Medienalltags.

Wie viel nutzen Kinder und Jugendliche wirklich?

Die KIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) zeigt: Knapp die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen (46 Prozent) besitzt ein eigenes Smartphone. In drei Vierteln der Familien gibt es Absprachen zur Dauer von Fernsehen und Streaming, zur Smartphone-Nutzung nur in 52 Prozent.

Bei Jugendlichen liegen die Werte deutlich höher. Laut JIM-Studie 2025 beträgt die tägliche Bildschirmzeit am Smartphone im Schnitt 231 Minuten, gemessen an der Bildschirmzeit-Anzeige der eigenen Geräte. 12- bis 13-Jährige kommen auf 166 Minuten, 18- bis 19-Jährige auf 278 Minuten. 68 Prozent der Jugendlichen geben an, häufig mehr Zeit am Handy zu verbringen als geplant, 29 Prozent sind morgens oft müde, weil sie nachts zu lange am Handy waren.

Beispiele

  • Vierjährige mit Tablet: Ein Kind schaut mit einem Elternteil eine Folge einer Kindersendung von etwa 20 Minuten. Danach wird das Gerät weggelegt und über die Geschichte gesprochen. Das entspricht den Empfehlungen für 3- bis 6-Jährige.
  • Achtjähriger nach der Schule: Eine Stunde am Tag ist für SCHAU HIN! die Obergrenze, klicksafe empfiehlt 30-45 Minuten. Viele Familien teilen die Zeit auf, zum Beispiel eine Folge am Nachmittag und ein kurzes Spiel am Wochenende.
  • Zehnjährige mit Wochenkonto: Die Familie vereinbart nach der Faustregel zehn Stunden pro Woche. Verbraucht das Kind sie am Wochenende, bleiben die Bildschirme unter der Woche aus. SCHAU HIN! sieht darin eine Übung, sich Zeit selbst einzuteilen.
  • 13-Jähriger mit Smartphone: Die Familie vereinbart höchstens eineinhalb Stunden freie Zeit am Tag, Hausaufgaben am Computer zählen nicht. Ab 21 Uhr bleibt das Handy außerhalb des Kinderzimmers.
  • 15-Jährige mit Social Media: Die Eltern geben kein festes Limit mehr vor, sprechen aber regelmäßig darüber, wie es ihr mit der Nutzung geht und ob Schlaf, Schule und Hobbys darunter leiden.

In der Praxis

Feste Zeiten und Orte: Das BIÖG empfiehlt, beim Essen und eine Stunde vor dem Schlafen eine Bildschirmpause einzulegen und Fernseher, Computer und Konsole nicht ins Kinderzimmer zu stellen. SCHAU HIN! rät, das Smartphone ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen auszuschalten.

Absprachen sichtbar machen: Ein Mediennutzungsvertrag, wie ihn klicksafe über mediennutzungsvertrag.de empfiehlt, hält Regeln schriftlich fest. Für jüngere Kinder eignen sich Mediengutscheine, die sie selbst einlösen. Eine Eieruhr neben dem Bildschirm hilft Kindern, ein Gefühl für vergangene Zeit zu entwickeln.

Technik als Stütze: Zeitlimits lassen sich in Android, iOS, auf Konsolen und in Jugendschutzprogrammen einstellen. Anleitungen bietet medien-kindersicher.de. SCHAU HIN! empfiehlt, solche Sperren vor allem am Anfang zu nutzen und dann schrittweise auf Vereinbarungen umzusteigen. Laut KIM-Studie 2024 haben 71 Prozent der Eltern an keinem Gerät ihres Kindes Sicherheitseinstellungen vorgenommen.

Inhalt zählt mit: Eine halbe Stunde gemeinsam ausgesuchter Kinderfilm ist anders zu bewerten als dieselbe Zeit mit automatisch abspielenden Kurzvideos. Fachstellen raten, neue Apps und Spiele gemeinsam auszuprobieren.

Vorbild sein: Kinder lernen viel durch Beobachtung. Ein medienfreier Familienabend oder ein Handyplatz im Flur gelten für alle, auch für Eltern.

Wann wird es zu viel? SCHAU HIN! nennt als Warnsignale, wenn Schule, Freundschaften und andere Interessen über Monate vernachlässigt werden, das Kind trotz negativer Folgen nicht aufhören kann oder stark gereizt reagiert. Dann helfen Erziehungs- oder Suchtberatungsstellen vor Ort weiter.

Wer möchte, dass Medien auch im Unterricht reflektiert werden, kann die Schule auf externe Angebote ansprechen. Die Lazi Akademie, eine Berufsfachschule für Gestaltung in Esslingen am Neckar, bietet Schulen einen Medienkompetenz-Workshop für die Klassenstufen 7 bis 13 an. Ein Baustein dort ist, wie Feeds und Algorithmen funktionieren und wie man Social Media bewusst nutzt. Die Schüler/innen erhalten außerdem ein Merkblatt mit einfachen Prüf-Fragen für den Alltag.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalTageslimitWochenkontingent
Geeignet fürKinder bis etwa 9 JahreKinder ab etwa 10 Jahren
Vorteilklar, leicht zu kontrollierenKind lernt, sich Zeit einzuteilen
Nachteilwenig Spielraum für AusnahmenGefahr, alles an einem Tag zu verbrauchen
FachquelleBIÖG, klicksafe, SCHAU HIN!SCHAU HIN!, klicksafe

Medienzeit ist nicht dasselbe wie Mediensucht. Eine hohe Nutzungszeit allein ist noch keine Störung. Entscheidend ist, ob die Nutzung andere Lebensbereiche verdrängt und ob das Kind sie noch steuern kann.

Häufige Fragen

Wie viel Medienzeit ist mit 9 Jahren in Ordnung? klicksafe empfiehlt für 9- bis 12-Jährige höchstens 45-60 Minuten am Tag, SCHAU HIN! für 6- bis 9-Jährige bis zu einer Stunde. Ab etwa zehn Jahren kann ein Wochenkontingent sinnvoller sein als ein festes Tageslimit.

Wie viel Bildschirmzeit ist mit 12 Jahren normal? klicksafe nennt für 12- bis 16-Jährige höchstens ein bis zwei Stunden freie Bildschirmzeit am Tag, möglichst bis spätestens 21 Uhr. Laut JIM-Studie 2025 liegen 12- bis 13-Jährige mit durchschnittlich 166 Minuten Smartphone-Zeit deutlich darüber.

Zählen Hausaufgaben am Tablet zur Medienzeit? Nach SCHAU HIN! wird die Nutzung digitaler Medien für die Schule nicht angerechnet. Es lohnt sich trotzdem, auf Pausen und ausreichend Bewegung zu achten.

Sollten Kleinkinder gar keine Bildschirme nutzen? Für unter Dreijährige empfehlen BIÖG, klicksafe und SCHAU HIN! möglichst keine Bildschirmmedien. Videoanrufe mit der Familie sieht klicksafe als Ausnahme, wenn sie den Tagesablauf nicht belasten.

Was tun, wenn sich mein Kind nicht an die Regeln hält? Hilfreich sind klare, vorher besprochene Konsequenzen und ein ruhiges Gespräch über die Gründe. Hält das Problem über Monate an und leiden Schule und Freundschaften, können Erziehungs- oder Suchtberatungsstellen weiterhelfen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (2025): Bildschirmmedien im Familienleben. 6 Empfehlungen. kindergesundheit-info.de, Stand Mai 2025.
  • klicksafe (2026): Bildschirmzeit: Kinder von 0-6, 6-12 und 12-16 Jahren. Medienanstalt Rheinland-Pfalz.
  • SCHAU HIN! (2026): Bildschirmzeit für Kinder: Empfehlungen und Tipps für die Medienzeit.
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2025): KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Stuttgart.
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2025): JIM-Studie 2025. Jugend, Information, Medien. Stuttgart.
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