Das Shure SM7B ist ein dynamisches Broadcast-Mikrofon, das durch seinen natürlichen Klang für die menschliche Stimme, seine Unempfindlichkeit gegenüber Raumakustik und seine Popularität in der Podcast-Szene zum De-facto-Standard für Sprachaufnahmen wurde.

Rubrik: Audio & Podcast · Unterrubrik: Equipment · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: SM7B, „das Podcast-Mikrofon"


Was ist das Shure SM7B?

Das Shure SM7B ist ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik, das seit 1973 in verschiedenen Generationen produziert wird. Die Version „SM7B" (mit Buchstabe B) erschien in der jetzigen Form um das Jahr 2000 und hat sich seitdem als bevorzugtes Mikrofon in Tonstudios, Rundfunkanstalten und der Podcast-Welt etabliert.

Was das SM7B besonders macht: Es bietet einen ausgewogenen, warmen Klang für Sprache ohne die Empfindlichkeit eines Kondensatormikrofons. In einem nicht optimierten Homerecording-Raum ist das SM7B damit oft die bessere Wahl als ein teures Studio-Kondensatormikrofon.


Erklärung

Technische Spezifikationen

MerkmalWert
WandlerprinzipDynamisch (Moving Coil)
RichtcharakteristikNiere (Cardioid)
AnschlussXLR (3-polig, symmetrisch)
Frequenzgang50 Hz – 20.000 Hz
Empfindlichkeit-59,0 dBV/Pa
EigenrauschenNicht relevant (dynamisch)
PhantomspeisungNicht erforderlich
Gewichtca. 766 g
Preisca. 380–420 € (UVP)

Frequenzgang und Klangcharakter

Der Frequenzgang des SM7B ist flach im Mittenbereich, mit einem sanften Abfall unter 100 Hz und einer leichten Anhebung im Bereich 5–10 kHz (Presence Boost). Dieses Klangbild ist für menschliche Stimme optimiert:

  • Wärme: Der leichte Tiefbass-Rolloff beseitigt störendes Raumrumpeln automatisch
  • Klarheit: Die Präsenz-Anhebung um 5 kHz sorgt für Sprachverständlichkeit
  • Natürlichkeit: Der Klang ist nicht übermäßig „aufgehellt" wie viele Kondensatormikrofone

Das SM7B hat zwei Schalter:

  • HPF-Schalter: Hochpassfilter bei ca. 100 Hz (-18 dB/Okt) – für weitere Bassreduktion
  • Presence-Schalter: Hebt den Bereich um 5 kHz leicht an – für mehr Sprach-Präsenz

Geschichte: Von Michael Jackson zu Joe Rogan

1982: Thriller Michael Jacksons „Thriller"-Album (1982) wurde wesentlich mit dem SM7-Vorläufer aufgenommen. Toningenieur Bruce Swedien nutzte das Mikrofon für den Gesang – ein historisch bedeutsamer Moment, der das SM7-Modell in der Musikgeschichte verankerte.

Rundfunk-Geschichte Das SM7B wurde über Jahrzehnte in US-amerikanischen Radiosendern als Broadcast-Mikrofon eingesetzt. Seine Robustheit, der natürliche Klang und die gute Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen machten es zur bevorzugten Wahl für Radio-Hosts.

Joe Rogan und die Podcast-Revolution Als Joe Rogans „The Joe Rogan Experience" (JRE) zu einem der meistgehörten Podcasts der Welt wurde, verwendete Rogan das SM7B sichtbar in seinem Studio. Zahlreiche Fotos und Videos zeigten das charakteristische schwarze Mikrofon – und der SM7B-Effekt setzte ein: Millionen Podcaster sahen darin das „authentische Podcast-Mikrofon" und kauften es.


Benötigte Vorverstärkung

Das SM7B ist bekannt für seinen sehr niedrigen Output-Pegel von -59 dBV/Pa – deutlich leiser als die meisten Kondensatormikrofone. Das hat Konsequenzen:

Problem: Viele günstige Audio-Interfaces haben nicht genug Gain, um das SM7B auf einen sauberen, rauschfreien Pegel zu bringen. Wenn das Interface auf Maximum gedreht ist, um ausreichend laut zu klingen, rauscht der eigene Preamp.

Lösung: Cloud Lifter Der Cloud Lifter CL-1 (und ähnliche Produkte) ist ein passiver Inline-Preamp: Er nutzt die Phantomspeisung des Interfaces und gibt sie als zusätzlichen Gain für das Mikrofon weiter – ohne eigene Stromquelle. Der Cloud Lifter liefert +25 dB Gain.

Alternativen:

  • Fethead (Triton Audio): Ähnliches Gerät wie Cloud Lifter, etwas günstiger
  • Interface mit sehr starkem Preamp: Focusrite Clarett, Universal Audio Apollo, Audient ID14 – diese Interfaces haben genug Gain für das SM7B ohne externe Lösung

Empfehlung: SM7B + Focusrite Scarlett 2i2 (3. oder 4. Generation) + Cloud Lifter ist eine bewährte Kombination für unter 700 €.


Vergleich mit anderen Broadcast-Mikrofonen

Rode PodMic

  • Ebenfalls dynamisch, Niere, XLR
  • Preis: ca. 105 € – deutlich günstiger
  • Klang: Wärmer und bassreicher als SM7B, etwas weniger Detailreichtum
  • Eingebauter Pop-Filter
  • Empfehlung: Gutes Budget-Einstiegsmikrofon für Podcast

Electro-Voice RE20

  • Dynamisch, variabler Richtcharakter
  • Preis: ca. 440 €
  • Kein Nähe-Effekt (Variable-D-Technologie) – klingt bei jedem Abstand gleich
  • Sehr verbreitet im US-Radiobereich
  • Empfehlung: Professionelle Alternative für intensive Broadcast-Nutzung

Rode NT1 (Kondensator)

  • Sehr niedriges Eigenrauschen (4,5 dB SPL)
  • Preis: ca. 250 €
  • Sensitiver: nimmt mehr Raumcharakter auf
  • Nur in behandeltem Raum empfehlenswert
  • Empfehlung: Für akustisch behandelte Studios, wenn maximaler Detail-Klang gewünscht

Beispiele

  1. Podcast-Setup: Content Creator kauft SM7B + Focusrite Scarlett Solo + Galgenarm. Nach der Installation und HPF-Aktivierung: warmer, professioneller Sprachklang ohne störende Hintergrundgeräusche.
  2. Heimstudio-Vorteil: Podcast-Aufnahme in einem kleinen, nicht optimierten Zimmer. Das SM7B blendet Reflexionen besser aus als ein Kondensatormikrofon – das Ergebnis klingt trockener und definierter.
  3. Interview-Podcast: Zwei SM7B auf Galgenarmen, je eines für jeden Gesprächspartner. Symmetrische Aufnahmequalität, gleicher Klangcharakter.
  4. Radio-Anmutung: Ein Radiojournalist möchte seinen Online-Content professionell klingen lassen. Das SM7B gibt exakt den warmen „Radio-Sound" der traditionellen amerikanischen Broadcast-Ästhetik.
  5. Mit Cloud Lifter: Dasselbe SM7B am Focusrite Scarlett Solo ohne und mit Cloud Lifter verglichen. Ohne: Interface auf 100 % Gain, hörbar rauschend. Mit Cloud Lifter: Interface auf 50 % Gain, sauberes, rauschfreies Signal.

In der Praxis

Ist das SM7B sein Preis wert? Für ernsthafte Podcaster und Content Creator: Ja. Für Gelegenheits-Aufnahmen oder bei begrenztem Budget: Das Rode PodMic oder das Shure MV7 (USB/XLR-Version mit ähnlichem Charakter für ca. 250 €) sind bessere Kompromisse.

Wichtig beim Kauf:

  • Galgenarm oder stabiles Stativ ist unverzichtbar – das SM7B ist schwer (766 g)
  • Kein Pop-Filter enthalten – eines kaufen oder integriert nutzbar (Blue Compass-Arm hat keinen, Rode PSA1 ebenfalls nicht)
  • Der mitgelieferte A7WS Windschutz reicht für normalen Einsatz

Vergleich & Abgrenzung

MikrofonPreisTypBesonderheit
Shure SM7B~400 €DynamischPodcast-Standard, warmer Klang
Rode PodMic~105 €DynamischBudget-Alternative, eingebauter Pop-Filter
Electro-Voice RE20~440 €DynamischKein Nähe-Effekt, US-Broadcast-Standard
Shure MV7~250 €Dynamisch (USB/XLR)SM7B-ähnlich, USB-Option
Rode NT1~250 €KondensatorLeises Eigenrauschen, mehr Raumempfindlichkeit

Häufige Fragen (FAQ)

Klingt das SM7B ohne Cloud Lifter? Ja, aber nur wenn das Interface genug Gain hat. Mit einem Focusrite Scarlett (ab 3. Generation) ist oft noch ausreichend Gain vorhanden, auch ohne Cloud Lifter – aber an der Grenze. Andere, ältere oder günstigere Interfaces haben zu wenig Gain.

Warum ist das SM7B so beliebt bei Podcasts statt bei Musik? Sein Frequenzgang ist für Sprache optimiert – wärmer Mittenbereich, gute Sibilanz-Kontrolle. Für Musik (z. B. Gitarren-Verstärker, Schlagzeug, Gesang) gibt es oft bessere spezialisiertere Mikrofone. Für Sprache ist es jedoch kaum zu übertreffen im dynamischen Segment.


Verwandte Einträge

  • Mikrofon-Typen – Alle Mikrofon-Typen und Richtcharakteristiken im Überblick
  • Audio-Interface – Welches Interface mit SM7B kompatibel ist
  • Pop-Schutz – Warum ein Pop-Filter beim SM7B sinnvoll ist

Weiterführend

  • Shure Inc. (2024): SM7B User Guide. https://pubs.shure.com/guide/SM7B
  • Huber, David Miles & Runstein, Robert E. (2017): Modern Recording Techniques. 9. Aufl., Focal Press.
  • Robjohns, Hugh (2015): „The SM7 at 40 – A History of Shure's Broadcast Microphone". In: Sound On Sound, Dezember 2015.
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