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MIDI (Musical Instrument Digital Interface) ist ein digitales Kommunikationsprotokoll, das Steuerinformationen zwischen Musikinstrumenten, Computern und Software überträgt – es überträgt keine Töne, sondern Spielanweisungen.

Rubrik: Audio & Podcast · Unterrubrik: Musiktheorie · Niveau: Einsteiger

Was ist MIDI?

MIDI ist kein Audioformat – das ist der häufigste Irrtum. MIDI enthält keine Töne, sondern Befehle: „Note C4 an, Velocity 80, Dauer 500 ms". Was aus diesen Befehlen klingt, hängt davon ab, welches Instrument oder welcher Synthesizer sie empfängt und umsetzt. MIDI wurde 1983 eingeführt und hat bis heute die Grundlage der computergestützten Musikproduktion nicht verändert. Fast jede Musik, die Sie heute in Medienproduktionen hören – Filmscores, Stock-Musik, Jingles – wurde zumindest teilweise mit MIDI produziert.

Erklärung

Was MIDI überträgt: Ein MIDI-Signal besteht aus Befehlen, die mehrere Parameter beschreiben:

MIDI-ParameterBedeutung
Note On / Note OffTon beginnt / endet
Note Number (0–127)Tonhöhe (60 = C4 = mittleres C)
Velocity (0–127)Anschlagstärke, wirkt auf Lautstärke und Timbre
Channel (1–16)Auf welchem Kanal (Instrument) wird gespielt
Program ChangeWechsel des Instruments/Presets
Control Change (CC)Modulationsrad, Sustain-Pedal, Pitchbend, Pan, Volume
Tempo (BPM)In MIDI-Dateien enthaltene Tempoangabe

MIDI-Dateien (.mid): Eine MIDI-Datei speichert Spielanweisungen, kein Audio. Sie ist winzig (oft unter 50 KB), kann aber stundenlange Musik beschreiben. Der Klang hängt vom Wiedergabe-Synthesizer ab. Das gleiche MIDI-File kann aus einem alten Soundkarten-Klang oder aus einer professionellen Orchestersampling-Library klingen.

MIDI in der DAW: In einer DAW (Logic, Ableton, Cubase, etc.) werden MIDI-Noten im Piano-Roll-Editor grafisch dargestellt:

  • X-Achse: Zeit
  • Y-Achse: Tonhöhe (als Klaviatur dargestellt)
  • Farbe/Höhe der Balken: Velocity

Diese Darstellung macht MIDI ohne Notenkenntnisse zugänglich – man kann Noten direkt im Piano-Roll einzeichnen, verschieben und bearbeiten.

MIDI-Controller: Physische MIDI-Controller sind Tastaturen, Drumcomputer oder Pads ohne eigene Klangerzeugung. Sie senden MIDI-Signale an Software-Synthesizer (VST-Plugins). Ein günstiges MIDI-Keyboard (ab ca. 50 €) reicht, um professionelle Sounds zu spielen und aufzunehmen.

MIDI vs. Audio:

EigenschaftMIDIAudio
InhaltSpielbefehleAufgenommene Töne
DateigrößeKlein (KB)Groß (MB)
EditierbarkeitVollständig (Note, Velocity, Timing)Begrenzt (EQ, Schnitt, Effekte)
KlangabhängigkeitVom Synthesizer/SampleDirekt im File
LatenzsensitivitätHoch (Timing muss exakt sein)Niedrig

MIDI 2.0: 2020 wurde MIDI 2.0 verabschiedet – die erste wesentliche Erweiterung seit 1983. MIDI 2.0 bietet deutlich höhere Auflösung für Velocity und Controller (14-Bit statt 7-Bit), bidirektionale Kommunikation und bessere Polyphonie-Unterstützung. Die Adoption in der Praxis schreitet schrittweise voran.

Beispiele

Filmmusik-Produktion: Hans Zimmer und sein Remote Control Productions-Team komponieren zunächst komplett in MIDI. Orchester-Samples (z.B. Hans Zimmer Strings von Spitfire Audio) klingen durch hochwertige Sampling-Technik nahezu wie echte Orchesteraufnahmen. Erst das Final-Recording ersetzt ausgewählte MIDI-Spuren durch echte Musiker.

Stock-Musik: Der Großteil kommerziell lizenzierter Stock-Musik (Epidemic Sound, Artlist) ist vollständig MIDI-produziert. Manche Plattformen bieten auch MIDI-Dateien von Tracks an – diese können dann in eigene Produktionen integriert oder umgeschrieben werden.

Podcast-Jingles: Ein einfaches Podcast-Jingle lässt sich mit einer MIDI-Tastatur, einem kostenlosen Synthesizer-Plugin und einer Basisversion von GarageBand oder LMMS (kostenlos) in wenigen Stunden selbst erstellen.

In der Praxis

MIDI für Nicht-Musiker: Auch ohne Spielkenntnisse ist MIDI nutzbar:

  1. Vorgefertigte MIDI-Patterns aus Bibliotheken laden (viele DAWs enthalten Hunderte)
  2. Loops per Drag-and-Drop in MIDI-Spuren ziehen
  3. MIDI-Noten im Piano-Roll visuell bearbeiten (verschieben, transponieren, quantisieren)
  4. Quantisierung nutzen: Timing-Ungenauigkeiten werden automatisch auf das Raster korrigiert

Stimmungen per MIDI transponieren: Eine wichtige Eigenschaft von MIDI: Der gesamte Track lässt sich per Transpositionsbefehl in eine andere Tonart verschieben – ohne Klangverlust, ohne Algorithmus. Das ermöglicht schnelle emotionale Anpassungen.

MIDI-Automation: Über Control-Change-Nachrichten kann in der DAW jeder Parameter eines Instruments automatisiert werden: Lautstärke, Pan, Filterfrequenz, Hall-Anteil. Das ermöglicht dynamische, lebendige Arrangements ohne manuelle Performance.

Vergleich & Abgrenzung

MIDI ≠ MP3/WAV: MIDI ist Steuerprotokoll, MP3/WAV sind Audioformate.

MIDI ≠ VST-Plugin: Ein VST-Plugin ist der Synthesizer, der MIDI-Signale in Klang umwandelt. MIDI ist das Eingangssignal.

Quantisierung ≠ Humanisierung: Quantisierung macht Timing exakt; Humanisierung (leichte Timing-Abweichungen, variierende Velocity) macht MIDI menschlicher.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich ein MIDI-Keyboard, um MIDI nutzen zu können? Nein. Sie können Noten direkt im Piano-Roll mit der Maus einzeichnen, oder vorgefertigte MIDI-Loops verwenden. Ein Keyboard macht die Eingabe schneller und intuitiver, ist aber nicht zwingend.

Kann ich MIDI-Spuren als MP3 exportieren? Nicht direkt. Sie müssen die MIDI-Spur zuerst durch einen Synthesizer abspielen und das Ergebnis als Audio exportieren (in der DAW „Bounce" oder „Mixdown" genannt).

Was ist der Unterschied zwischen General MIDI (GM) und anderen Standards? General MIDI ist ein Mindeststandard, der 128 Instrumente und 47 Perkussionssounds definiert. Er stellt sicher, dass eine MIDI-Datei auf jedem kompatiblen Gerät ähnlich klingt. Professionelle Produktionen nutzen meist eigene Sample-Libraries weit über den GM-Standard hinaus.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Selfridge-Field, Eleanor (Hrsg.) (1997): Beyond MIDI: The Handbook of Musical Codes. MIT Press.
  • Holmes, Thom (2016): Electronic and Experimental Music (5. Aufl.). Routledge.
  • MMA (MIDI Manufacturers Association) (2020): MIDI 2.0 Specification Overview. www.midi.org.
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