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Sound Guidelines sind das dokumentierte Regelwerk der akustischen Markenidentität: Sie legen fest, wie, wo und in welcher Form die Klangelemente einer Marke einzusetzen sind — vergleichbar dem Corporate Design-Handbuch im Visuellen.

Rubrik: Audio & Podcast · Unterrubrik: Sound Branding · Niveau: Einsteiger


Was sind Sound Guidelines?

Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen hat ein wunderbares Audio-Logo (Sonic Logo): Entwicklung & Beispiele entwickelt, eine kohärente Sonic Identity: Strategie & Umsetzung definiert und aufwendige Kompositionen produziert — aber keine internen Regeln, wie diese Elemente zu verwenden sind. Die Werbeagentur wählt ein anderes Tempo, die App-Entwickler ignorieren den Notification-Sound, die Messeabteilung spielt Zufallsmusik. Das Ergebnis: akustisches Chaos, das die Markenwahrnehmung untergräbt.

Sound Guidelines verhindern genau das. Sie sind das akustische Pendant zum Corporate Design-Handbuch (auch: Brand Manual oder CI-Handbuch), das für visuelle Elemente wie Logo, Farben und Schriftarten gilt.


Erklärung

Inhalt typischer Sound Guidelines

Ein professionelles Akustisches Markenhandbuch umfasst in der Regel folgende Kapitel:

1. Markenwerte und Klangprinzipien Eine schriftliche Beschreibung der Klangidentität: Welche Emotionen und Werte sollen akustisch transportiert werden? Was ist der „Klangcharakter" der Marke? Häufig werden hier drei bis fünf prägnante Begriffe definiert (z. B. „warm, präzise, innovativ").

2. Das Sonic Logo / Audio-Logo

  • Audiodatei(en) in verschiedenen Formaten (.wav, .mp3, .aac)
  • Notendarstellung (falls vorhanden)
  • Einsatzregeln: Wo, wann und in welcher Version soll das Logo gespielt werden?
  • Verbotene Verwendungen (z. B. keine Verlangsamung, keine Tonhöhenveränderung)

3. Brand Theme und Musik-Assets

  • Vollständige Musikstücke und ihre Varianten
  • Verwendungskontext (z. B. „nur für Imagefilme über 60 Sekunden")
  • Derivate und erlaubte Bearbeitungen

4. Funktionale Sound-Elemente

5. Musik-Beschaffungsrahmen Welches Genre, welches Tempo, welche Instrumentation sind erlaubt oder verboten? Was sind die Kriterien für Fremdmusik (z. B. in Social Media-Videos)? Hier können auch Empfehlungen für Production Music: Libraries & Licensing-Libraries gegeben werden.

6. Sprachliche Klangrichtlinien (Voice Guidelines) Tonfall, Sprechstil, bevorzugte Sprechertypen für Voice-Over und Werbespots. Dies ist ein Schnittpunkt zwischen Sound Branding und Brand Voice.

7. Verbotsliste / Don'ts Konkrete Anweisungen, was nicht erlaubt ist: bestimmte Genres, Instrumente oder Klangstile, die nicht zur Marke passen.

Formats und Distribution

Sound Guidelines werden heute selten nur als gedrucktes Handbuch herausgegeben. Übliche Formate:

  • PDF-Dokument mit eingebetteten oder verlinkten Audiodateien
  • Online-Markenbibliothek (Brand Portal) mit direkten Download-Links
  • Asset Management System (DAM), in dem alle Audiodateien versioniert und freigegeben werden

Entscheidend ist, dass die Guidelines zugänglich, aktuell und verbindlich sind — für interne Teams wie für externe Agenturen, Ton-Studios und Medienpartner.

Wer erstellt Sound Guidelines?

In der Regel werden Sound Guidelines gemeinsam von der Marken-Abteilung, einer spezialisierten Audio-Branding-Agentur und dem Kreativdirektor erstellt. Der Prozess dauert meist zwei bis vier Monate und ist eng mit der Entwicklung des Brand Sound: Ganzheitliche Akustische Identität verknüpft.


Beispiele

Deutsche Telekom unterhält ein umfassendes Markenportal, in dem sowohl visuelle als auch akustische Standards dokumentiert sind. Die Klangwelt der Telekom — geprägt durch die charakteristische Fünf-Ton-Melodie in Magenta-Farbe — wird weltweit einheitlich angewendet.

Mercedes-Benz veröffentlichte 2022 umfassende Sonic Brand Guidelines, die nicht nur Musik, sondern auch Fahrzeugklangestaltung, digitale Interfaces und Luxus-Sounddesign-Prinzipien beschreiben.


In der Praxis

Häufige Fehler bei Sound Guidelines

Zu komplex: Wenn Guidelines Hunderte Seiten umfassen, werden sie nicht gelesen. Praxis-taugliche Guidelines sind schlank, klar und mit Beispielen illustriert.

Fehlende Audio-Samples: Text allein kann Klang nicht beschreiben. Jede Regel braucht ein Hörbeispiel — ein „Richtig" und ein „Falsch".

Kein Update-Prozess: Marken entwickeln sich. Sound Guidelines müssen regelmäßig überprüft und aktualisiert werden.

Keine Verantwortlichkeit: Es muss klar definiert sein, wer die Guidelines pflegt und wer bei Fragen ansprechbar ist.

Integration in den Unternehmensalltag

Sound Guidelines sind nur wirksam, wenn sie bekannt sind. Best Practices:

  • Pflicht-Einführung für alle kreativen Teams (Onboarding)
  • Regelmäßige Schulungen für Agenturpartner
  • Check vor jedem Release von Kommunikationsmaterial

Vergleich & Abgrenzung

Sound Guidelines vs. Corporate Design Manual: Das Corporate Design Manual regelt visuelle Identität (Logo, Farben, Typografie). Sound Guidelines sind das akustische Pendant — in vielen Unternehmen inzwischen integrierter Teil des Gesamt-Brand-Manuals.

Sound Guidelines vs. Briefing: Ein Briefing ist einmalig und projektbezogen. Sound Guidelines sind dauerhaft, verbindlich und gelten für alle Projekte.


Häufige Fragen (FAQ)

Braucht auch ein kleines Unternehmen Sound Guidelines? Ja, aber kompakter. Auch für KMU lohnt sich ein einseitiges Dokument, das den Klangeinsatz regelt — besonders wenn Agenturen beauftragt werden.

Wie verbindlich sind Sound Guidelines? Das hängt von der internen Durchsetzung ab. Technisch sind sie keine Rechtsvorschrift, sollten aber vertraglich in Agenturvereinbarungen verankert sein.

Was passiert, wenn jemand die Guidelines ignoriert? Zunächst ein internes Qualitätsproblem. Im schlimmsten Fall entstehen rechtliche Probleme, wenn Klangelemente genutzt werden, für die keine Lizenzen vorliegen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Bronner, Kai / Hirt, Rainer (Hrsg.): Audio Branding. Brands, Music and Communication. Nomos Verlag, 2009.
  • Minsky, Laurence / Fahey, Colleen: Audio Branding: Using Sound to Build Your Brand. Kogan Page, 2017.
  • Zander, Mark F.: „Musical Influences in Advertising: How Music Modifies First Impressions of Product Endorsers and Brands." In: Psychology of Music, 34(4), 2006, S. 465–480.
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