PSD (Photoshop Document) und PSB (Photoshop Large Document) sind Adobes native Dateiformate für verlustfreie Arbeitsdateien mit vollständiger Ebenenstruktur, Masken, Smartobjekten und Einstellungsebenen – das Standard-Arbeitsformat für professionelle Bildbearbeitung in Photoshop.
Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Bild-Dateiformate · Niveau: Einsteiger Dateiendung: .psd, .psb · Entwickler: Adobe Systems · Eingeführt: 1990 (PSD), 2002 (PSB)
Was ist PSD / PSB?
PSD ist das native Speicherformat von Adobe Photoshop. Anders als Ausgabeformate wie JPEG oder PNG ist PSD nicht für die Endausgabe, sondern für die Weiterarbeit konzipiert: Alle Ebeneneigenschaften, Masken, Effekte und Anpassungen bleiben vollständig erhalten und editierbar. PSD ist das Format, in dem Bildbearbeiterinnen und Designer ihre laufende Arbeit speichern.
PSB (auch „Large Document Format" genannt) ist die Erweiterung für Dateien, die die PSD-Größenbeschränkung von 2 GB oder 30.000 × 30.000 Pixel überschreiten. PSB unterstützt bis zu 300.000 × 300.000 Pixel und Dateien mit mehreren Gigabyte.
Erklärung
Ebenenstruktur: Das zentrale Feature von PSD ist die vollständige Erhaltung aller Photoshop-Ebenen:
- Pixelebenen (normale Bildebenen)
- Einstellungsebenen (Helligkeit/Kontrast, Kurven, Farbton/Sättigung etc. – nicht-destruktiv)
- Formebenen (Vektorformen)
- Textebenen (editierbarer Text)
- Smartobjekte (eingebettete oder verknüpfte Inhalte)
- Ebenengruppen
- Füllmethoden (Multiplizieren, Bildschirm etc.)
- Deckkraft
- Ebenenstile (Schatten, Glühen, Abschrägungen)
Ebenenmasken: Ebenenmasken und Vektormasken bleiben in PSD vollständig erhalten und editierbar – im Gegensatz zu Ausgabeformaten, die das Bild auf eine Ebene zusammenführen.
Farbtiefe: PSD und PSB unterstützen 8, 16 und 32 Bit pro Kanal. 32-Bit-PSD ermöglicht HDR-Bildbearbeitung. Dies entspricht dem Spektrum professioneller Ausgabeformate wie TIFF und OpenEXR.
Farbräume: RGB, CMYK, Lab, Graustufen, Duotone, Bitmap – alle Photoshop-Farbmodi werden in PSD unterstützt. Das eingebettete ICC-Farbprofil wird bewahrt.
Kompression: PSD-Dateien werden mit RLE (Run-Length Encoding) komprimiert – verlustfrei, aber weniger effizient als ZIP oder LZW. Große Dateien mit vielen Ebenen können sehr groß werden.
Photoshop-spezifische Features: Smartobjekte, 3D-Ebenen (veraltet), Timeline-Animationen, Video-Ebenen (für kurze Videobearbeitung) und Camera Raw-Smartobjekte sind ausschließlich in PSD/PSB vollständig erhalten.
Kompatibilität außerhalb Photoshop: Andere Adobe-Anwendungen (InDesign, Illustrator, After Effects, Premiere) können PSD-Dateien direkt importieren und dabei die Ebenenstruktur nutzen. Nicht-Adobe-Software (GIMP, Affinity Photo) öffnet PSD, mit eingeschränkter Unterstützung für komplexe Features (manche Blendmodi, Smartobjekte können nicht vollständig erhalten werden).
Dateigrößen: PSD-Dateien können enorm werden. Eine hochauflösende Retusche-Datei mit 30 Ebenen und mehreren Smart-Filtern kann 500 MB bis mehrere GB groß sein. PSB hebt die 2-GB-Grenze auf.
Maximale Dateigröße:
- PSD: 2 GB, max. 30.000 × 30.000 Pixel
- PSB: 4 PB (theoretisch), max. 300.000 × 300.000 Pixel
Beispiele
- Werbeflyer-Produktion: Eine Designerin erstellt einen Werbeflyer in Photoshop mit Textebenen, Einstellungsebenen für Farbanpassung und Maskierungen – alles gespeichert als PSD für spätere Revisionen.
- Fotoretusche: Ein Portraitfotograf retouchiert ein Bild nicht-destruktiv mit Einstellungsebenen und Masken, speichert als PSD und exportiert bei Ablieferung als JPEG.
- Compositing für Werbung: Eine Bildbearbeiterin kombiniert mehrere Fotos, Vektoren und Textelemente in einer PSD-Arbeitsdatei mit hundert Ebenen; zur Übergabe an die Druckerei wird als TIFF oder PDF/X exportiert.
- App-Design-Assets: UI-Designer exportieren einzelne Ebenen aus einer großen PSD als PNG für die Entwicklung (heute meist in Figma, früher häufig Photoshop).
- Filmposter-Produktion: Filmplakate werden als mehrstufige PSB-Dateien angelegt, da hochauflösende Composites schnell die PSD-Größengrenze überschreiten.
In der Praxis
PSD als Arbeitsformat:
- Immer als PSD/PSB speichern, solange das Projekt in Bearbeitung ist
- Regelmäßige Versionssicherung (numerische Dateinamen: V01, V02 ...)
- Vor Ausgabe: Sicherheitskopie des PSD behalten; separaten Export für Ausgabe erstellen
Export-Empfehlungen:
- Print: TIFF (16-Bit, CMYK) oder PDF/X
- Web: JPEG, PNG oder WebP
- Weiterbearbeitung (z. B. After Effects): PSD beibehalten oder TIFF
- Übergabe an Druckerei: Ebenen zusammenführen und als TIFF exportieren oder PDF/X erstellen
Software-Kompatibilität: Photoshop (vollständig), InDesign (Import), Illustrator (Import), After Effects (Import), GIMP (eingeschränkt), Affinity Photo (gut, mit Einschränkungen).
Vergleich & Abgrenzung
Gegenüber TIFF: Beide sind verlustfreie Profi-Formate. TIFF ist applikationsunabhängiger – fast jede professionelle Software öffnet TIFF vollständig. PSD bewahrt alle Photoshop-spezifischen Features (Smartobjekte, Einstellungsebenen), ist aber nur in Adobe-Software und wenigen anderen Programmen vollständig nutzbar. TIFF kann auch Ebeneninformationen speichern (Photoshop-TIFF), aber mit eingeschränkter Kompatibilität.
Gegenüber OpenEXR: OpenEXR ist für HDR-Compositing in VFX-Pipelines optimiert; PSD für Photoshop-Bildbearbeitung. Beide unterstützen 32-Bit-Farbtiefe, aber EXR ist der Standard für Rendering- und Compositing-Workflows, PSD für fotografische und Design-Workflows.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann sollte ich PSD statt TIFF als Arbeitsformat verwenden? PSD ist die bessere Wahl, wenn ausschließlich in Photoshop gearbeitet wird und alle Adobe-spezifischen Features (Smartobjekte, Camera Raw, Einstellungsebenen) vollständig erhalten bleiben sollen. TIFF bietet breitere Kompatibilität für den Austausch mit anderen Programmen. Für rein intern genutzte Arbeitsdateien ist PSD ideal; für die Weitergabe an andere Systeme oder Personen ist TIFF sicherer.
Welche Qualitätseinstellungen sind bei PSD/PSB optimal? PSD und PSB sind immer verlustfrei – es gibt keine Qualitätsstufen. Die relevanten Entscheidungen betreffen Farbtiefe (8, 16 oder 32 Bit je nach Anforderung) und Farbmodus (RGB für Bildschirm/Web, CMYK für Druck). Für professionelle Retusche empfiehlt sich 16-Bit für maximalen Bearbeitungsspielraum. Wichtig: Immer ICC-Farbprofil einbetten und vor dem Speichern auf Kompatibilitätsoption prüfen, damit Vorschaubilder in anderen Programmen korrekt angezeigt werden.
Weiterführend
- Adobe: „Photoshop File Formats" – helpx.adobe.com/photoshop/using/file-formats.html (2024)
- Adobe: „Large Document Format (PSB)" – Adobe Help Center
- PSD File Format Specification – adobe.com/devnet-apps/photoshop/fileformatastn
