← Zurück zu Ausgabeformate
RAW bezeichnet herstellerspezifische Rohdatenformate digitaler Kameras (CR2, NEF, ARW etc.) mit maximalem Informationsgehalt; DNG (Digital Negative) ist Adobes offener, herstellerunabhängiger Standard für denselben Zweck – beide ermöglichen verlustfreie Nachbearbeitung mit maximalem Spielraum.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Bild-Dateiformate · Niveau: Einsteiger Dateiendung: .cr2, .cr3, .nef, .arw, .orf, .rw2 (RAW); .dng (DNG) · Entwickler: Kamerahersteller (RAW); Adobe Systems (DNG) · Eingeführt: 1990er (RAW); 2004 (DNG)

Was ist RAW?

Wenn eine Kamera ein Foto aufnimmt, erzeugt der Bildsensor rohe Daten: Helligkeitswerte für jeden einzelnen Pixel, aufgezeichnet durch Farbfilter (Bayer-Matrix). Eine RAW-Datei speichert genau diese Rohdaten, bevor die kamerainterne Bildverarbeitung (Weißabgleich, Schärfung, Rauschreduzierung, JPEG-Kompression) eingreift.

Das Ergebnis ist das „digitale Negativ" – die vollständige, unverarbeitete Aufzeichnung des Sensorausgangs mit maximalem Dynamikumfang und Bearbeitungsspielraum.

Erklärung

Proprietäre RAW-Formate: Jeder Kamerahersteller definiert sein eigenes RAW-Format:

  • Canon: .cr2 (ältere Modelle), .cr3 (ab EOS R-Serie, HEIF-basiert)
  • Nikon: .nef
  • Sony: .arw
  • Fujifilm: .raf
  • Olympus/OM System: .orf
  • Panasonic: .rw2
  • Leica: .dng (Leica nutzt DNG direkt) oder .raw

Diese Formate sind technisch unterschiedlich und erfordern unterschiedliche Decoder. Software wie Adobe Lightroom, Capture One oder RawTherapee aktualisiert regelmäßig die Unterstützung für neue Kameramodelle.

Farbtiefe: RAW-Dateien speichern typischerweise 12 oder 14 Bit pro Kanal (Farbtiefe Bit-Tiefe). Dies entspricht 4.096 bzw. 16.384 Helligkeitsstufen pro Kanal – gegenüber 256 Stufen bei 8-Bit-JPEG. Dieser zusätzliche Spielraum ermöglicht erhebliche Anpassungen bei Belichtung, Highlights und Schatten in der Nachbearbeitung.

Dateigröße: RAW-Dateien sind deutlich größer als JPEG: Typischerweise 20–50 MB pro Bild (je nach Auflösung und Hersteller), während JPEG 3–10 MB erreicht. Manche Hersteller bieten verlustfreie oder verlustbehaftete RAW-Kompression an.

Kein fertiges Bild: Eine RAW-Datei ist kein fertiges Bild – sie enthält die Rohdaten und muss durch Software (Lightroom, Capture One, darktable etc.) zu einem sichtbaren Bild „entwickelt" werden. Dieser Prozess nennt sich RAW-Entwicklung oder Demosaicing.

Metadaten in RAW: Neben Bilddaten speichern RAW-Dateien umfangreiche EXIF-Metadaten (Belichtungszeit, Blende, ISO, Objektivdaten, GPS) sowie ein eingebettetes JPEG-Vorschaubild für die schnelle Anzeige.

DNG – Digital Negative: Adobe entwickelte 2004 DNG als offenen Standard für RAW-Daten:

  • Standardisierung: DNG ist eine Erweiterung von TIFF und öffentlich dokumentiert
  • Herstellerunabhängigkeit: Alle proprietären RAW-Formate können in DNG konvertiert werden
  • Metadaten-Einbettung: DNG kann die originale RAW-Datei sowie Entwicklungsanpassungen (Lightroom-Einstellungen) in einer Datei zusammenfassen
  • Validierung: Adobe DNG Validator prüft Dateikorrektheit
  • Langzeitarchivierung: Da die Spezifikation öffentlich ist, können DNG-Dateien auch in Jahrzehnten noch geöffnet werden – bei proprietären Formaten droht das Auslaufen der Software-Unterstützung

DNG-Varianten:

  • Standard DNG: Konvertiertes RAW
  • Linear DNG: Bereits demosaictes (debayertes) Bild, verlustfrei aber weniger flexibel
  • Lossy DNG: JPEG-komprimiertes DNG (kleinere Dateigröße, weniger Spielraum)

Wann RAW zu DNG konvertieren:

  • Für Langzeitarchivierung (zukünftige Kompatibilität)
  • Wenn einheitliche Dateistruktur im Archiv gewünscht
  • Für Kameras, die nativ DNG ausgeben (z. B. Leica, einige Ricoh-Modelle)
  • Nachteil: Konvertierung dauert Zeit; originale proprietäre RAW-Datei geht verloren (sofern nicht separat aufbewahrt)

Beispiele

  1. Profifotografie: Ein Reportagefotograf schießt in RAW und entwickelt die Aufnahmen später in Lightroom, um Belichtung und Weißabgleich zu korrigieren – ohne Qualitätsverlust.
  2. Archivierung für Agenturen: Eine Nachrichtenagentur konvertiert alle Eingangsbilder in DNG, um herstellerunabhängige Langzeitarchivierung zu gewährleisten.
  3. Hochzeitsfotografie: RAW+JPEG-Aufnahme ermöglicht schnelle Vorauswahl via JPEG und spätere Qualitätsentwicklung der finalen Bilder aus RAW.
  4. Astrophotografie: Mehrere RAW-Aufnahmen werden in Spezial-Software gestackt, um Rauschen zu reduzieren – bei JPEG wären die 8 Bit für diese Berechnung zu grob.
  5. Produktfotografie im Studio: Feinjustierungen von Farbtemperatur und Belichtung werden nicht-destruktiv in RAW vorgenommen; erst für die endgültige Ausgabe wird zu TIFF oder JPEG exportiert.

In der Praxis

RAW oder JPEG oder beides?

  • Professioneller Einsatz: RAW (oder RAW+JPEG)
  • Schnappschüsse, Social Media, wenn kein Nachbearbeitungsaufwand gewünscht: JPEG
  • Sportfotografie mit hohen Bildfrequenzen: JPEG (schnellerer Buffer) oder komprimiertes RAW

Empfohlener Workflow mit RAW:

  1. Aufnahme als RAW (oder RAW+JPEG)
  2. Selektion und Entwicklung in Lightroom, Capture One oder darktable
  3. Export als TIFF (für weitere Bearbeitung) oder JPEG/WebP (für Ausgabe)
  4. RAW-Original archivieren (nie löschen!)

Empfohlene Software: Adobe Lightroom Classic, Capture One, darktable (kostenlos, open source), RawTherapee (kostenlos), Apple Fotos, Affinity Photo.

Vergleich & Abgrenzung

RAW vs. JPEG: RAW enthält 12–14 Bit Bildinformation, JPEG nur 8 Bit. RAW ermöglicht drastische Korrekturen ohne sichtbare Qualitätsverluste; JPEG ist fertig und sofort nutzbar, aber kaum nachbearbeitbar ohne Qualitätseinbußen.

RAW vs. DNG: Proprietäres RAW behält alle hersteller-spezifischen Informationen; DNG ist offener und standardisierter, aber eine Konvertierung (kein Original mehr). Für Archivierung empfiehlt sich DNG; für aktiven Workflow ist das native RAW-Format mit aktueller Software meist praktischer.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann sollte ich RAW statt JPEG verwenden? RAW ist sinnvoll, wenn maximale Bildqualität und Nachbearbeitungsfreiheit wichtig sind – für professionelle Porträt-, Produkt-, Landschafts- oder Reportagefotografie. JPEG reicht für Alltagsfotos, schnelle Social-Media-Inhalte oder wenn kein Nachbearbeitungs-Workflow geplant ist.

Welche Qualitätseinstellungen sind bei DNG optimal? Bei der DNG-Konvertierung empfiehlt sich „Unkomprimiert" oder „Verlustfreie Kompression" für Archivierungszwecke. „Lossy DNG" spart Speicherplatz, reduziert aber den Bearbeitungsspielraum ähnlich wie JPEG. Die Option „Original RAW-Datei einbetten" ermöglicht spätere Wiederherstellung des proprietären Formats, verdoppelt aber die Dateigröße.

Weiterführend

  • Adobe DNG Specification 1.7 – helpx.adobe.com/photoshop/using/adobe-dng.html (2023)
  • dng-converter.com: Übersicht aktueller DNG-Unterstützung
  • Luminous Landscape: „RAW vs. JPEG: Which Should You Shoot?" (2022)
  • darktable.org: Open-Source-RAW-Entwickler-Dokumentation
← Zurück zu Ausgabeformate
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
RAW vs. DNG — Wiki | Lazi Akademie Esslingen