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BRAW (Blackmagic RAW) ist das 2018 von Blackmagic Design eingeführte proprietäre RAW-Videoformat für alle Blackmagic-Cinema-Kameras, das unkomprimierte Sensordaten in skalierbarer Kompression speichert und durch tiefe Integration in DaVinci Resolve einen optimierten RAW-Post-Workflow bietet.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Video-Codecs · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: BRAW, Blackmagic RAW, .braw (Dateiendung), BRaw


Was ist BRAW?

Blackmagic RAW wurde 2018 mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K (BMPCC 4K) eingeführt und erseitdem schrittweise auf alle Blackmagic-Kameramodelle ausgerollt. Das Format speichert die unverarbeiteten, teilweise debayerten Bildsensordaten in einem komprimierten Container. Im Unterschied zu vollständig unkomprimiertem ARRIRAW verwendet BRAW ein kombiniertes Ansatz aus On-Sensor-ISP-Verarbeitung und dateibasierter Kompression, was deutlich kleinere Dateien bei beibehaltener hoher Qualität ermöglicht. Die Dekodierung findet in DaVinci Resolve – nativ und GPU-beschleunigt – statt, was Echtzeit-RAW-Wiedergabe ohne Proxy-Generierung ermöglicht.


Technische Eigenschaften

BRAW bietet eine besondere Eigenschaft: Sensor-Metadaten, darunter Weißabgleich, ISO, Belichtungszeit und Farbton, werden als separate, editierbare Parameter in der .braw-Datei gespeichert. In DaVinci Resolve können diese Parameter nach der Aufnahme beliebig verändert werden, als ob man die Kamera-Einstellungen im Nachhinein korrigieren würde.

Kompressionsqualitäten (auswählbar in der Kamera):

VarianteKompressionQualitätDateigrößen (relativ)
BRAW 12:1StärksteGutKleinste
BRAW 8:1ModeratSehr gutMittel
BRAW 5:1GeringAusgezeichnetGroß
BRAW 3:1Sehr geringNahezu verlustfreiSehr groß
BRAW Q0VerlustfreiVerlustfreiGrößte
BRAW Q5Verlustfrei+VerlustfreiGroß
  • Bittiefe: 12 Bit (Sensor-RAW-Daten); Blackmagic Generation 5 Color Science
  • Dynamikumfang: 12,5–13+ Blendenstufen je nach Kameramodell
  • Farbraum: Blackmagic Wide Gamut, Blackmagic Film (Log-Kurve)
  • Unterstützte Kameras: BMPCC 4K/6K/6K Pro/G2, URSA Mini Pro 4.6K/12K, Studio Camera 4K, Pyxis 6K
  • Container: .braw (proprietäres Format)
  • Dekodierungs-API: Kostenloser BRAW SDK für Drittentwickler
  • Typische Bitraten: 100–600 Mbit/s (kamera- und qualitätsabhängig)

Vorteile:

  • Deutlich kleinere Dateien als unkomprimiertes ARRIRAW bei hoher Qualität
  • Echte RAW-Flexibilität: Weißabgleich und ISO in Post korrigierbar
  • Optimale und kostenlose Integration in DaVinci Resolve
  • Wählbare Kompressionsrate direkt in der Kamera – Flexibilität zwischen Qualität und Dateigrößen
  • BRAW SDK ermöglicht Drittanbieter-Support (Premiere Pro über Plugin, Assimilate Scratch)
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Arri-Equipment

Nachteile:

  • Proprietäres Format – kein nativer Support ohne BRAW SDK oder Plugin
  • Ältere Versionen von Premiere Pro und After Effects benötigen kostenloses Plugin von Blackmagic
  • Geringerer Dynamikumfang als Arri Alexa-Sensoren
  • Kein Support in Final Cut Pro (Apple ProRes RAW ist dort der Equivalent)
  • Blackmagic-Kameras für Consumer-Markt weniger verbreitet als Sony oder Canon

Einsatzgebiete

  1. Indie- und Mid-Budget-Filmproduktion: Die Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K/6K bietet bei einem Bruchteil der Kosten einer Arri Alexa professionellen RAW-Workflow. Für unabhängige Filmemacher und kleinere Produktionsfirmen ist BRAW der Einstieg in Cinema-RAW-Qualität.
  2. DaVinci-Resolve-zentrierte Post-Pipelines: Teams, die komplett in DaVinci Resolve arbeiten, profitieren von der nativen BRAW-Integration besonders. RAW-Parameter werden direkt in der Color-Seite von Resolve eingestellt, ohne eigenes Dekodier-Schritt.
  3. Musikvideo-Produktion: BRAW-Kameras (insbesondere BMPCC 6K Pro und URSA Mini 12K) werden für hochwertige Musikvideos genutzt, bei denen intense Farbkorrektur und VFX-Integration geplant sind.
  4. Werbung und Corporate Film: In der kommerziellen Produktion bietet BRAW eine effiziente Möglichkeit, RAW-Qualität ohne das Budget und die Logistik eines Arri-Sets zu erzielen.
  5. Dokumentarfilm und Reportage: Für dokumentarische Arbeiten, bei denen schnell wechselnde Lichtsituationen vorkommen, bietet BRAW genug Dynamikumfang für Nachbelichtungsrettung – zu wesentlich handlicheren Dateigrößen als ARRIRAW.

In der Praxis

Kamera-Einstellungen (Pocket Cinema Camera 6K): Aufnahmemenü > Aufnahmeformat > Blackmagic RAW. Qualität wählen: 3:1 für maximale Qualität im Studio; 8:1 oder 12:1 bei Speicherproblemen oder langen Aufnahmen.

DaVinci Resolve (nativer BRAW-Workflow): BRAW-Dateien direkt importieren. In der Camera RAW-Seite: Weißabgleich, Tint, ISO und Farbton anpassen. Decode using: Clip für individuelle Einstellungen pro Clip; Decode using: Project für einheitliche Projekteinstellungen. Color Science: Blackmagic Design Gen 5 für neueste Kameramodelle.

Adobe Premiere Pro (Plugin): Kostenloses BRAW Plugin von Blackmagic installieren → .braw-Dateien werden dann in Premiere Pro als editierbare RAW-Medien importiert. Im Source Monitor > Settings können RAW-Parameter ähnlich wie in Resolve angepasst werden.

Avid Media Composer: BRAW-Dekodierung über das offizielle Blackmagic-Plugin für Media Composer. Empfehlung: Transcode nach DNxHR HQ für flüssigen Schnitt.

Backup-Strategie auf Set: BRAW-Dateien mit DaVinci Resolve Clone Tool auf Set täglich auf zwei separate SSDs oder RAID-Systeme sichern. Checksums mit der BRAW-Verify-Funktion validieren.


Vergleich & Abgrenzung

BRAW vs. ARRIRAW: ARRIRAW bietet höheren Dynamikumfang (17 vs. 13 EV), gilt als Goldstandard für Kinoproduktion und hat bei Skin Tones besondere Stärken. BRAW ist deutlich günstiger im Kamera- und Speicher-Investment und für indie-Produktionen das überlegene Preis-Leistungs-Format.

BRAW vs. ProRes RAW: ProRes RAW ist für Apple-Ökosystem und Final-Cut-Pro-Workflow optimiert. BRAW ist für DaVinci-Resolve-Workflows optimiert. Beide bieten echten RAW-Workflow; ProRes RAW unterstützt mehr Kamerahersteller, BRAW ist exklusiv für Blackmagic-Kameras.

BRAW vs. H.265 (intern): Blackmagic-Kameras bieten auch H.265-Aufnahme als Compressed Option. BRAW bietet gegenüber H.265 volle RAW-Flexibilität in der Post, ist aber auch bei gleicher Kompressionsrate qualitativ überlegen.


Häufige Fragen (FAQ)

Welche BRAW-Qualitätsstufe soll ich nutzen? Für Studio- und kontrollierte Bedingungen mit genug Speicher: BRAW 3:1 für nahezu verlustfreie Qualität. Auf Reisen oder bei langen Aufnahmen: BRAW 8:1 bietet noch sehr gute Qualität bei deutlich kleineren Dateien. BRAW 12:1 nur wenn Speicher wirklich knapp ist.

Kann ich BRAW-Dateien in Premiere Pro öffnen ohne Plugin? Nein. Premiere Pro benötigt das kostenlose BRAW Plugin, das auf der Blackmagic-Design-Website heruntergeladen werden kann. Nach der Installation werden .braw-Dateien als native Medien erkannt.

Was ist der Unterschied zwischen BRAW Q0 und BRAW 3:1? Q0 und Q5 sind verlustfreie Kompressionsoptionen mit variablen Datenraten (VBR). 3:1 bis 12:1 sind verhältnisbasierte Qualitätsstufen mit konstanter Rate (CBR). Für die meisten Produktionen bietet BRAW 3:1 die beste Balance; Q0 ist nur für höchste Ansprüche oder Archivmaterial sinnvoll.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Blackmagic Design (2024): Blackmagic RAW – Technical Overview. blackmagicdesign.com
  • Online: BRAW SDK Dokumentation – developer.blackmagicdesign.com/rawsdk
  • Online: DaVinci Resolve BRAW Workflow – documents.blackmagicdesign.com/UserManuals
  • Online: Pocket Cinema Camera 6K Pro Bedienungsanleitung – blackmagicdesign.com/de/products/blackmagicpocketcinemacamera
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