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CinemaDNG ist ein offenes digitales RAW-Videoformat, basierend auf Adobes Digital Negative (DNG) Standbildstandard, veröffentlicht von Adobe Systems im Jahr 2009, standardmäßig eingesetzt für digitale Filmkameras (Blackmagic, Ikonoskop, Digital Bolex) und als herstellerneutrales Archivformat für RAW-Videodaten.

Typ: RAW (lossless oder verlustbehaftet, DNG-basiert) · Intraframe/Interframe: Intraframe (Einzelbild-Sequenzen) · Container: .dng (Einzelbilder-Sequenz oder .cdng-Wrapper) · Lizenz: Offen (Adobe DNG-Spezifikation, kostenlos)


Was ist CinemaDNG?

CinemaDNG entstand 2009 als Adobes Initiative, den bewährten DNG-Standard (Digital Negative, 2004 als offenes Standbild-RAW-Format von Adobe veröffentlicht) auf Videoanwendungen zu erweitern. Die Idee: Ein herstellerunabhängiges, offenes RAW-Videoformat, das die Interoperabilität zwischen Kameras und Postproduktions-Software fördert.

Im Kern ist CinemaDNG eine Sequenz von DNG-Einzelbilddateien – jede Videosekunde entspricht einer Folge von .dng-Dateien (z.B. 24 Dateien für 24fps). Diese Struktur ermöglicht den Zugriff auf jedes Einzelbild unabhängig und ist damit vollständig random-access-fähig. Alle gängigen RAW-Konverter (Camera RAW in Adobe, RawTherapee, DaVinci Resolve) können DNG-Dateien lesen.

Blackmagic Design hat CinemaDNG in seinen Kameras (BMPCC, URSA, Cinema Camera) eingesetzt und war einer der prominentesten Adopters. Seit 2018 hat Blackmagic CinemaDNG jedoch durch das eigene BRAW-Format ersetzt, da BRAW kleinere Dateien bei ähnlicher Qualität und tieferer Resolve-Integration bietet. CinemaDNG bleibt dennoch relevant als Archivformat und für Workflows außerhalb des Blackmagic-Ökosystems (Adobe 2009; ISO 12234).


Technische Funktionsweise

DNG-Grundlage und TIFF-Kompatibilität CinemaDNG basiert vollständig auf dem TIFF/EP-Standard (ISO 12234-2) und dem Adobe DNG-Profil. DNG ist technisch eine Erweiterung des TIFF-Formats mit spezifischen Tags für Kamera-Rohdaten, Farbraum-Transformationsmatrizen, Weißabgleich und Belichtungsparameter.

Bayer-Muster und Demosaicing Wie alle RAW-Formate speichert CinemaDNG die Bayer-Pattern-Rohdaten des Bildsensors. Das Demosaicing (Interpolation der fehlenden Farbkanäle) erfolgt in der Postproduktions-Software. Adobe Camera RAW und DaVinci Resolve verwenden unterschiedlich hochwertige Demosaicing-Algorithmen; DaVinci Resolve gilt hier als besonders leistungsfähig.

Kompressionsmodi CinemaDNG unterstützt verschiedene Kompressionsstufen innerhalb des DNG-Standards:

  • Unkomprimiert (lossless) – größte Dateien, maximale Qualität
  • Lossless JPEG (lossless, ZIP-ähnlich) – ca. 40–60 % Kompression ohne Qualitätsverlust
  • Lossy JPEG – verlustbehaftete Kompression, kleinere Dateien (seltener eingesetzt)

Bittiefe CinemaDNG unterstützt 8-Bit, 12-Bit und 16-Bit lineare Bayer-Rohdaten. Praktisch gängig sind 12-Bit (Blackmagic Cinema Camera) und 16-Bit (höhere wissenschaftliche oder archivische Anforderungen).

Metadaten DNG-Dateien enthalten umfangreiche EXIF/XMP-Metadaten: Kamerahersteller, Modell, Objektivdaten, ISO, Weißabgleich, Belichtungszeit, Blendenöffnung, ColorMatrix-Profile für verschiedene Lichtquellen sowie eingebettete DNG-Kamerakalibrierungsprofile (Camera Profiles, .dcp).

Timecode und Sequenzstruktur Bei CinemaDNG werden Timecode-Informationen üblicherweise in den DNG-Metadaten oder einer separaten Sequenzdatei gespeichert. Die Dateinamenkonvention (z.B. CLIP000001.dng, CLIP000002.dng ...) ermöglicht die automatische Erkennung als Videosequenz in Postproduktions-Software.


Beispiele

1. Blackmagic Cinema Camera 2.5K (CinemaDNG, 12-Bit, 2.5K@24fps) Die ursprüngliche Blackmagic Cinema Camera (2012–2015) zeichnete in CinemaDNG 12-Bit lossless auf. Typische Datenrate: ca. 7,5 MB pro Frame = ca. 180 MB/Sekunde bei 24fps, ca. 650 GB/Stunde.

2. Ikonoskop A-Cam DII (CinemaDNG, 16-Bit, 2K) Die schwedische Arthouse-Kamera Ikonoskop nutzte CinemaDNG 16-Bit unkomprimiert für maximale Archivqualität bei 2K-Auflösung.

3. Digital Bolex D16 (CinemaDNG, 12-Bit, 1080p) Die Digital Bolex D16 (2013) war eine semiprofessionelle CinemaDNG-Kamera im Super-16-Format, beliebt in der Independentfilmszene für ihren organischen Look.

4. Wissenschaftliche Hochgeschwindigkeitsaufnahme (CinemaDNG 16-Bit lossless) Wissenschaftliche Kameras nutzen CinemaDNG als offenes Archivformat, da die DNG-Spezifikation dauerhaft dokumentiert ist und ohne proprietäre Software lesbar bleibt.

5. Archivierungs-Workflow (Konvertierung zu CinemaDNG) Einige Mediatheken konvertieren proprietäre RAW-Formate (ARRIRAW, R3D) für Langzeitarchivierung in CinemaDNG, da das offene Format unabhängig von Hersteller-Software lesbar ist.


In der Praxis

Adobe Premiere Pro / After Effects CinemaDNG ist nativ in Adobe Premiere Pro und After Effects unterstützt. Import: .dng-Sequenzordner öffnen, den ersten Frame auswählen und „Bildsequenz" anwählen. Farbparameter werden über Camera RAW-Dialog eingestellt. Hohe CPU-Last beim Debayering.

DaVinci Resolve Resolve bietet exzellente CinemaDNG-Unterstützung mit GPU-beschleunigtem Debayering. Import: CinemaDNG-Ordner in den Media Pool ziehen; Resolve erkennt Sequenzen automatisch. In Clip Attributes: Debayering-Qualität und RAW-Parameter (ISO, Weißabgleich, Colorspace) anpassen.

Adobe Lightroom / Camera RAW Da CinemaDNG auf DNG basiert, können Einzelbilder in Adobe Lightroom geöffnet und bearbeitet werden. Für Videosequenzen ist die Adobe-Integration in Premiere/After Effects effizienter.

FFmpeg ```bash ffmpeg -framerate 24 -patterntype glob -i "CLIP*.dng" \ -c:v proresks -profile:v 3 -pixfmt yuv422p10le \ output_prores422hq.mov

ffmpeg -framerate 24 -patterntype glob -i "CLIP*.dng" \ -c:v dpx output_%06d.dpx ``` Hinweis: FFmpeg's DNG-Decoder ist eingeschränkt; für professionelle Qualität ist DaVinci Resolve oder Adobe die bessere Wahl.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalCinemaDNGBRAWR3DARRIRAW
LizenzOffen (Adobe DNG)ProprietärProprietärProprietär
KompressionLossless bis lossy3:1–12:1 verlustarm2:1–22:1 WaveletLossless / leicht
Container.dng Sequenz.braw.r3d.ari
Software-KompatibilitätSehr breitDaVinci Resolve (primär)REDCINE-X, Resolve, PremiereARRI + breite NLE
WorkflowDatei-Sequenzen (komplex)Einzelne .braw-DateiEinzelne .r3d-DateiEinzelne .ari-Datei
Primäre Kamera-HerstellerBlackmagic (ältere), IkonoskopBlackmagic (aktuell)REDARRI
ArchivtauglichkeitSehr hoch (offener Standard)MittelNiedrig (proprietär)Hoch

CinemaDNG punktet durch seine Offenheit und langfristige Lesbarkeit ohne proprietäre Software. Die Dateigröße und die Sequenzstruktur sind praktische Nachteile. Für aktuelle Blackmagic-Kameras ist BRAW die bessere Wahl; für Archivierung und herstellerunabhängige Workflows bleibt CinemaDNG relevant (Adobe 2009).


Häufige Fragen (FAQ)

Warum hat Blackmagic CinemaDNG durch BRAW ersetzt? BRAW bietet kleinere Dateien (durch effizientere Wavelet-Kompression), bessere Leistung in DaVinci Resolve (GPU-beschleunigtes Debayering) und einfachere Handhabung (eine Datei statt tausende .dng-Einzelbilder). Zudem integriert BRAW Blackmagics spezifische Colorscience-Metadaten tiefer. CinemaDNG bleibt als Legacy-Format für ältere Kameras aktiv.

Ist CinemaDNG für Langzeitarchivierung geeignet? Ja, CinemaDNG ist eines der wenigen offenen RAW-Videoformate. Da die DNG-Spezifikation öffentlich dokumentiert und lizenzfrei ist, ist die langfristige Lesbarkeit ohne spezifische Herstellersoftware gewährleistet. Für Archivierungsprojekte mit langen Aufbewahrungsfristen ist CinemaDNG BRAW, R3D oder ARRIRAW überlegen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Systems (2009): CinemaDNG Specification v1.0.
  • Adobe Systems (2012): Digital Negative (DNG) Specification v1.4. Adobe Developer Connection.
  • ISO 12234-2 (2001): Electronic still-picture imaging – Removable memory – Part 2: TIFF/EP image data format.
  • Blackmagic Design (2012): CinemaDNG in Blackmagic Cinema Camera. Produktdokumentation.
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