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H.265 / HEVC (High Efficiency Video Coding) ist ein blockbasierter Hybrid-Video-Codec mit variabler Blockgröße und erweiterter Interframe-Prädikation, entwickelt von der Joint Collaborative Team on Video Coding (JCT-VC), standardisiert 2013, standardmäßig eingesetzt für 4K/UHD-Streaming, HDR-Broadcast und mobile 4K-Wiedergabe.

Typ: Lossy · Intraframe/Interframe: Interframe (CTU-basiert, I/P/B-Frames) · Container: MP4, MXF, MOV, HEVC ES · Lizenz: Proprietär (HEVC Advance, MPEG LA, Velos Media)


Was ist H.265 / HEVC?

H.265, offiziell als High Efficiency Video Coding (HEVC) und gleichzeitig als MPEG-H Part 2 (ISO/IEC 23008-2) standardisiert, ist der 2013 verabschiedete Nachfolger von H.264 / AVC. Das zentrale Versprechen: gleiche Bildqualität bei halber Bitrate – oder doppelte Bildqualität bei gleicher Datenrate. In der Praxis wird dieses Ziel für Auflösungen ab 1080p gut erreicht; bei niedrigen Auflösungen (360p, 480p) fällt der Vorteil geringer aus.

HEVC wurde primär für die 4K- und 8K-Ära entwickelt. Die meisten 4K-UHD-Blu-rays, Netflix-4K-Streams, Amazon-4K-Lieferungen und modernen TV-Sender (HEVC-Broadcast über DVB-S2X, DVB-T2) nutzen H.265. Auch Apple verwendet HEVC als internen Aufnahmecodec in iPhones (seit iPhone 7) und Macs.

Die Lizenzlage ist komplex: Drei separate Patentpools (MPEG LA, HEVC Advance und Velos Media) lizenzieren HEVC, was zu erheblicher Unsicherheit für Hersteller und zur langsamen Browser-Adoption beigetragen hat. Google und Mozilla unterstützen HEVC in ihren Browsern nur eingeschränkt; stattdessen setzen diese auf AV1 (Richardson 2014, S. 1–8).


Technische Funktionsweise

Coding Tree Units (CTU) statt Makroblöcke H.265 ersetzt die fixen 16×16-Makroblöcke von H.264 durch flexible Coding Tree Units (CTU) mit Größen von 64×64, 32×32 oder 16×16 Pixeln. Innerhalb einer CTU teilt ein Quadtree-Algorithmus den Block rekursiv weiter auf, bis die optimale Granularität für Bewegungskompensation oder Intraprädikation erreicht ist. Bei ruhigen, homogenen Bildbereichen werden große Blöcke verwendet (weniger Daten), bei komplexen Texturen kleine Blöcke (mehr Detail).

Erweiterte Intraprädikation H.265 bietet 35 Intraprädiktionsmodi (gegenüber 9 bei H.264), darunter diagonale Richtungen mit feinerer Winkelauflösung. Das verbessert die Effizienz bei texturierten Flächen erheblich.

Bewegungskompensation Neben den bekannten P- und B-Frames unterstützt HEVC Advanced Motion Vector Prediction (AMVP) und Merge-Modus, wodurch Motion Vectors effizienter kodiert werden. Sub-Pixel-Interpolation erfolgt mit 7-Tap- (halbe Pixel) und 4-Tap-Filtern (viertel Pixel).

Sample Adaptive Offset (SAO) Ein nachgelagerter Filterpass reduziert Quantisierungsartefakte in flachen Bildbereichen und an Kanten, ohne die Datenmenge signifikant zu erhöhen.

Bittiefe und Chroma Subsampling Das Main-Profile unterstützt 8-Bit 4:2:0, das Main 10-Profile unterstützt 10-Bit 4:2:0 (Standard für HDR-Deliveries nach HDR10 und HLG). Das Rext-Profile (Range Extensions) erlaubt 4:2:2, 4:4:4 und bis zu 16 Bit Bittiefe für professionelle Produktionen.

HEVC-Profile für HDR H.265 definiert mit dem Main 10 Profile die technische Grundlage für HDR10, HDR10+ und HLG (Hybrid Log-Gamma). Dolby Vision nutzt HEVC ebenfalls, erweitert es aber durch proprietäre Metadaten.


Beispiele

1. Netflix 4K HDR (15–20 Mbit/s) Netflix verwendet H.265 Main 10, 10-Bit, 4:2:0, mit HDR10-Metadaten oder Dolby-Vision-Dual-Layer. Typische Bitrate: 15–20 Mbit/s für 4K@24fps. Der Vorteil gegenüber H.264 4K: Netflix könnte mit H.264 ca. 30–40 Mbit/s benötigen.

2. 4K UHD Blu-ray (bis 100 Mbit/s) UHD Blu-rays sind ausschließlich H.265 Main 10 (oder H.264 in Ausnahmefällen). Maximum: 100 Mbit/s für Video, 4:2:0 10-Bit, Dolby Vision oder HDR10.

3. DVB-T2 Terrestrisch-Broadcast (4–8 Mbit/s pro Sender) Deutsche TV-Sender (z.B. ARD HD via DVB-T2) senden in H.265, da die Kompressionseffizienz mehr Kanäle im beschränkten Spektrum ermöglicht. Typisch: 4–8 Mbit/s CBR.

4. iPhone-Kameraaufnahme (4K@60fps, 400 Mbit/s ProRes oder 60 Mbit/s HEVC) iPhone 14 Pro zeichnet 4K@60fps in HEVC mit ca. 60 Mbit/s oder alternativ in ProRes auf. HEVC-interne Aufnahmen sind 10-Bit 4:2:0 im MOV-Container (Apple).

5. Archiv-Mastering für OTT-Plattformen (1080p, 20–30 Mbit/s) Amazon Prime und Disney+ akzeptieren H.265 für Mastering-Deliveries. Spezifikation: Main 10, 10-Bit, 4:2:0, VBR mit 20–30 Mbit/s Zielbitrate.


In der Praxis

Adobe Premiere Pro Export-Einstellungen: Format „H.265", Container „MP4" oder „MXF". Für HDR: Farbbereich auf „Rec. 2020" setzen, Bittiefe 10-Bit, HDR10-Metadaten aktivieren (MaxCLL, MaxFALL). Bitrate für 4K: 20–30 Mbit/s VBR, 2-Pass.

DaVinci Resolve Deliver-Seite: Format „MP4" oder „QuickTime", Codec „H.265 (HEVC)". Für HDR10-Mastering: Tonemap auf „ST.2084 (PQ)" einstellen, 10-Bit Bittiefe. DaVinci nutzt bevorzugt Hardware-Encoder (Apple VideoToolbox, NVENC, AMD VCE) für schnelle HEVC-Encodes.

FFmpeg ``bash ffmpeg -i input.mov -c:v libx265 -crf 22 -preset medium \ -profile:v main10 -pix_fmt yuv420p10le \ -x265-params "hdr-opt=1:repeat-headers=1:colorprim=bt2020:transfer=smpte2084:colormatrix=bt2020nc:master-display=G(13250,34500)B(7500,3000)R(34000,16000)WP(15635,16450)L(10000000,1):max-cll=1000,400" \ -c:a aac -b:a 192k output_hdr10.mp4 ` Für SDR ohne HDR-Parameter genügt -crf 22 -preset medium -pix_fmt yuv420p`.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalH.265 / HEVCH.264 / AVCAV1
Kompressionseffizienz~50 % besser als H.264Basis~30–40 % besser als HEVC
Max. Bittiefe16-Bit (Rext)14-Bit12-Bit
HDR-UnterstützungNativ (Main 10)EingeschränktNativ (AV1 HDR)
EncodiergeschwindigkeitMittel (HW: schnell)SchnellSehr langsam
LizenzProprietär (3 Patentpools)Proprietär (MPEG LA)Royalty-free
Browser-UnterstützungEingeschränkt (Safari)UniversalChrome, Firefox (wächst)
Hauptanwendung4K-Streaming, Broadcast, UHD-Blu-rayDelivery, Archiv, WebYouTube 4K+, Netflix

Der größte Nachteil von HEVC gegenüber AV1 ist die Lizenzstruktur. Während AV1 vollständig lizenzfrei ist, müssen HEVC-Hersteller bis zu drei Patentpools bedienen. Für professionelle Broadcast-Workflows bleibt HEVC aber der praktische Standard (Richardson 2014, S. 340–350).


Häufige Fragen (FAQ)

Unterstützen alle Browser H.265? Nein. Safari (macOS/iOS) unterstützt H.265 nativ über Hardware. Google Chrome und Mozilla Firefox setzen primär auf AV1 und H.264. Edge unterstützt H.265 auf Windows 10+ mit Hardware-Decoder. Für maximale Browserkompatibilität bleibt H.264 oder AV1 die sichere Wahl.

Wie stark ist der Qualitätsunterschied zwischen H.265 CRF 22 und H.264 CRF 18? Beide liefern subjektiv ähnliche Qualität, aber H.265 CRF 22 erzeugt typischerweise 30–50 % kleinere Dateien. Für archivierungswürdige Masterfiles ist H.264 CRF 16–18 oder H.265 CRF 18–20 empfehlenswert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Richardson, I.E. (2014): The H.265 / HEVC Video Coding Standard. Wiley. ISBN 978-1-119-89796-0.
  • ITU-T H.265 (2021): High efficiency video coding. ITU-T Recommendation H.265.
  • Sullivan, G.J. et al. (2012): Overview of the High Efficiency Video Coding (HEVC) Standard. In: IEEE Transactions on Circuits and Systems for Video Technology, 22 (12), S. 1649–1668.
  • Rec. ITU-R BT.2020 (2015): Parameter values for ultra-high definition television systems for production and international programme exchange.
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