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VP9 ist ein 2013 von Google veröffentlichter, lizenzfreier Video-Codec, der H.265/HEVC in der Kompressionseffizienz annähernd erreicht, bei YouTube als Haupt-Streamingcodec eingesetzt wird und als direkter Vorgänger des modernen AV1-Codecs gilt.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Video-Codecs · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: VP9, libvpx-vp9, Google VP9, WebM VP9


Was ist VP9?

VP9 wurde von Google intern entwickelt und 2013 als Open-Source-Codec veröffentlicht. Er ist der Nachfolger von VP8 (bekannt durch WebRTC) und wurde mit dem Ziel entwickelt, H.265 ohne Lizenzgebühren zu ersetzen. YouTube begann 2014 mit der schrittweisen Umstellung auf VP9 für die Auslieferung von HD- und 4K-Inhalten. Der Chrome-Browser unterstützt VP9 seit der ersten Version. Firefox, Edge und Opera folgten schnell nach. VP9 ist der meistgenutzte lizenzfreie Streaming-Codec der Welt, wird aber zunehmend durch AV1 abgelöst.


Technische Eigenschaften

VP9 verwendet eine superblock-basierte Blockstruktur (bis 64×64 Pixel) mit flexiblen Partitionierungen, angepasste Intra- und Inter-Prediction-Modi sowie einen modernen Entropie-Coder. Im Vergleich zu VP8 verdoppelt VP9 die Kodiereffizienz nahezu.

Technische Kerndaten:

  • Auflösungsunterstützung: bis 8K UHD (7680×4320)
  • Bittiefe: 8, 10 und 12 Bit
  • Farbabtastung: 4:2:0, 4:2:2 und 4:4:4
  • Typische Bitraten: 2–8 Mbit/s (1080p Streaming), 8–20 Mbit/s (4K Streaming)
  • Kompressionseffizienz gegenüber H.264: ~30–40 % besser
  • Vergleich mit H.265: Vergleichbare Effizienz, je nach Enkoder und Content-Typ +/- 10–15 %
  • Lizenz: Vollständig lizenzfrei (Royalty-free, Open Source)
  • Container: Primär WebM; auch Matroska (MKV) und MP4 möglich

Vorteile:

  • Vollständig lizenzfrei – keine Patentkosten für Hersteller und Plattformen
  • Sehr gut unterstützt in allen modernen Browsern ohne Plugin
  • Effizienterer Hardware-Decoder als AV1 in breiter verfügbarer Hardware
  • Gut geeignet für 4K-Streaming im Web

Nachteile:

  • Enkodierung langsamer als H.264, aber schneller als AV1
  • Wird schrittweise von AV1 abgelöst (YouTube liefert AV1 bevorzugt aus)
  • Kein nativer Support in Consumer-Kameras (keine Aufnahmekameras nutzen VP9)
  • Profile und Bittiefe werden nicht von allen Implementierungen vollständig unterstützt

Einsatzgebiete

  1. YouTube (Haupt-Codec bis AV1-Umstieg): YouTube liefert HD- und 4K-Inhalte an Browser, die kein AV1 unterstützen, in VP9 aus. Alle Videos auf YouTube werden nach dem Upload in verschiedene Formate transkodiert, darunter VP9 für Chrome und Firefox.
  2. Google Meet und andere WebRTC-Anwendungen: VP9 ist als Video-Codec in WebRTC-Implementierungen integriert und wird für Videokonferenzen genutzt, die höhere Qualität als H.264 erfordern.
  3. Android-Plattform: Google hat VP9-Hardware-Dekodierung in Android-SoCs integriert. Streaming-Apps auf Android liefern VP9 an kompatible Geräte aus.
  4. Web-Publishing: Webentwickler verwenden VP9 im WebM-Container als qualitativ hochwertigen, lizenzfreien Codec für <video>-Elemente auf Webseiten. Mit einem H.264-Fallback ist universelle Abdeckung gesichert.
  5. Smart-TV und Set-Top-Box-Streaming: Viele Smart-TVs ab 2015 unterstützen VP9-Hardware-Dekodierung, was flüssige 4K-Wiedergabe ohne CPU-Last ermöglicht.

In der Praxis

FFmpeg (empfohlen für VP9-Enkodierung): `` ffmpeg -i input.mp4 -c:v libvpx-vp9 -crf 32 -b:v 0 -c:a libopus output.webm ` -crf 32 mit -b:v 0 aktiviert den konstanten Qualitätsmodus. Niedrigere CRF-Werte = bessere Qualität. Für Zwei-Pass-Kodierung: ` ffmpeg -i input.mp4 -c:v libvpx-vp9 -b:v 2M -pass 1 -f null /dev/null ffmpeg -i input.mp4 -c:v libvpx-vp9 -b:v 2M -pass 2 output.webm ``

HandBrake: VP9 ist in HandBrake verfügbar, aber langsamer als H.264 und H.265. CRF 28–35 für Web-Inhalte. Preset „Medium" als Ausgangspunkt.

Adobe Premiere Pro / Media Encoder: Export: Format „WebM" → Codec VP9. Bitraten-Einstellung wie beim H.265-Export, aber für Web-Auslieferung optimiert.

DaVinci Resolve: VP9-Dekodierung (WebM-Import) wird unterstützt. VP9-Enkodierung ist in Resolve selbst eingeschränkt; für VP9-Ausgabe empfiehlt sich der Umweg über FFmpeg.

Exportempfehlung:

AnwendungAuflösungBitrateEinstellung
YouTube 1080p1920×10804–8 Mbit/sCRF 31, 2-Pass
YouTube 4K3840×216010–20 Mbit/sCRF 28, 2-Pass
Web-Video1280×7202–4 Mbit/sCRF 33, 1-Pass
Archiv 1080p1920×10805–10 Mbit/sCRF 28, Slow

Vergleich & Abgrenzung

VP9 vs. AV1: AV1 ist der direkte Nachfolger von VP9 im AOMedia-Ökosystem und komprimiert ~30 % effizienter bei gleichem CRF. Für neue Projekte ist AV1 vorzuziehen, wenn die Enkodierungszeit keine Einschränkung darstellt.

VP9 vs. H.265: Beide Codecs sind in der Effizienz vergleichbar. H.265 hat bessere Hardware-Unterstützung in Consumer-Kameras und Set-Top-Boxen; VP9 hat den Vorteil der Lizenzfreiheit und nativen Browser-Unterstützung.

VP9 vs. H.264: VP9 komprimiert 30–40 % effizienter als H.264 bei gleicher Qualität. Für web-native Auslieferung ist VP9 daher eine klare Verbesserung; für universelle Gerätekompatiblität bleibt H.264 stärker.


Häufige Fragen (FAQ)

Wird VP9 auf YouTube noch genutzt oder bereits durch AV1 ersetzt? YouTube liefert AV1 bevorzugt an Browser und Geräte aus, die AV1 hardware-beschleunigt dekodieren können. Für alle anderen Clients – ältere Browser, Smart-TVs ohne AV1-Decoder – bleibt VP9 als Ausweichoption aktiv. VP9 wird also parallel zu AV1 noch für viele Jahre ausgeliefert werden.

Kann ich VP9-Videos auf dem iPhone abspielen? VP9-Hardware-Dekodierung wurde mit dem A13 Bionic (iPhone 11, 2019) eingeführt. Ältere iPhones müssen VP9 in Software dekodieren, was bei höheren Auflösungen zu Leistungsproblemen führen kann. Safari unterstützt VP9 ab iOS 14.

Warum nutzen kaum Kameras VP9 als Aufnahmecodec? VP9 ist ein Codec, der für Streaming und Delivery optimiert wurde. Die komplexe Blockstruktur und Inter-Prediction machen VP9 als Kamera-Codec weniger attraktiv als z. B. H.264 oder H.265, die gut für In-Camera-Enkodierung mit begrenzten Chip-Ressourcen geeignet sind.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Bankoski, James / Wilkins, Pascal / Xu, Yaowu (2011): VP8 Data Format and Decoding Guide. IETF RFC 6386.
  • Mukherjee, Debargha / Bankoski, James et al. (2013): The Latest Open-Source Video Codec VP9. In: SPIE Proceedings Applications of Digital Image Processing, Vol. 8856.
  • Online: libvpx VP9 Dokumentation – chromium.googlesource.com/webm/libvpx
  • Online: FFmpeg VP9 Encoding Guide – trac.ffmpeg.org/wiki/Encode/VP9
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