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Coldset und Heatset sind die zwei grundlegenden Trocknungsverfahren im Rollenoffsetdruck, die bestimmen, wie die Druckfarbe nach dem Bedrucken der Papierbahn fixiert wird – durch Einziehen in das Papier (Coldset) oder durch Verdampfen des Lösemittels mittels Trocknerkanal (Heatset).

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Kalttrocknung (Coldset), Heißtrocknung / Wärmesetzverfahren (Heatset), UV-Rollenoffset (als dritte Variante)

Was ist Coldset & Heatset?

Im Rollenoffsetdruck wird Farbe von einer fortlaufenden Papierbahn mit hoher Geschwindigkeit aufgenommen. Damit die Farbe nicht verschmiert, muss sie nach dem Druck fixiert werden. Coldset und Heatset sind die beiden klassischen Wege, das zu erreichen – mit grundlegend unterschiedlichen Ergebnissen in Qualität und Einsatzgebiet. Ein drittes, neueres Verfahren ist UV-Rollenoffset, das mit UV-härtenden Farben arbeitet.

Erklärung

Coldset (Kalttrocknung)

Beim Coldset-Verfahren trocknet die Druckfarbe ausschließlich durch Absorption in das Papier: Die Lösemittelanteile der Farbe ziehen in die Poren des Papiers ein, das Bindemittel polymerisiert an der Luft. Ein eigentlicher Trocknungskanal fehlt. Coldset funktioniert daher nur auf saugfähigen, ungestrichenen Papieren – typischerweise Zeitungsdruckpapier (Newsprint) mit einem Flächengewicht von 40–52 g/m².

Das Ergebnis ist eine matte, leicht wischempfindliche Oberfläche. Farben wirken weniger leuchtend als im Heatset, Fotos und feine Verläufe lassen sich nur begrenzt darstellen. Der Vorteil liegt in den extrem niedrigen Produktionskosten und der enormen Geschwindigkeit: Coldset-Anlagen laufen mit 80.000 bis über 100.000 Zeitungen pro Stunde. Der fehlende Trocknerkanal reduziert Energiekosten erheblich.

Typische Anwendungen: Tageszeitungen, Anzeigenblätter, Telefon- und Branchenbücher.

Heatset (Heißtrocknung)

Beim Heatset-Verfahren werden die Farben mit hohem Lösemittelanteil (Mineralöle) gedruckt. Nach dem Druckwerk durchläuft die Bahn einen Trocknungskanal (Trockner), in dem Temperaturen von 120–180 °C die Lösemittel verdampfen lassen. Anschließend kühlen Kühlzylinder die Bahn ab, damit die Farbe hart wird und die Bahn gefalzt werden kann.

Heatset erlaubt gestrichene Papiere und Karton, erzielt satte Farben, hohen Glanz und fotorealistische Wiedergabe. Druckgeschwindigkeiten liegen bei 40.000–70.000 Exemplaren/Stunde. Die Energiekosten sind durch den Trocknerkanal deutlich höher, und die Lösemitteldämpfe müssen in Nachverbrennungsanlagen oxidiert werden (Umweltauflagen).

Typische Anwendungen: Zeitschriften (z. B. Illustrierte, Supplement-Magazine), Kataloge, Prospekte, Werbebeilagen.

Unterschied auf einen Blick

MerkmalColdsetHeatset
Papierungestrichen (Newsprint)gestrichen / ungestrichen
TrocknungAbsorptionVerdampfung + Kühlung
Qualitätmatt, geringer Glanzhoch, glänzend
Geschwindigkeitsehr hochhoch
Kostensehr niedrigmittel–hoch
AnwendungZeitungZeitschrift, Katalog

Beispiele

  1. Tageszeitung (z. B. Süddeutsche Zeitung): Klassisches Coldset-Produkt – hohe Auflage, niedrige Kosten, schnelle Lieferung; der leicht abfärbende Druckeindruck ist ein typisches Merkmal.
  2. Hochglanz-Magazin (z. B. Stern, Geo): Heatset-Rollenoffset auf gestrichenem LWC-Papier (Lightweight Coated); leuchtende Farben und scharfe Fotos.
  3. Möbel-Prospekt eines Großhändlers: Heatset in Millionenauflage – wirtschaftlicher als Bogenoffset, schneller produzierbar als Digitaldruck.
  4. Qualitätsmerkmal Heatset: Die Bahn verlässt den Trockner mit leicht glänzender, wischfester Oberfläche; kein Abfärben wie bei Coldset.
  5. Maschinenhersteller: MAN Roland (jetzt manroland web systems), Goss International, Koenig & Bauer (KBA) produzieren führende Rollenoffset-Anlagen für beide Varianten.

In der Praxis

Coldset-Dateien: RGB oder CMYK, Auflösung 150–200 dpi reicht für Zeitungsqualität; Beschnittzugabe 3–5 mm; geringe Farbtiefe (TAC/TIL max. 220–240 %) wegen saugfähigem Papier; keine Lacke oder Veredelungen möglich.

Heatset-Dateien: CMYK mit Farbprofil ISO Coated v2 oder PSO LWC Improved; 300 dpi Bildauflösung; TAC bis 300 %; Beschnittzugabe 3–5 mm; Falzmarken und Perforationslinien im Druckbogen angeben. Keine Sonderfarben ohne Absprache, da Rollenmaschinen meist 4+4-Farben-Konfigurationen haben.

Vergleich & Abgrenzung

Coldset ist die günstigste Massendruckvariante, aber qualitativ limitiert – nur für anspruchslose Substrate. Heatset liefert Magazinqualität auf gestrichenen Papieren zu mittleren Kosten. Der Bogenoffset schlägt beide in Formatflexibilität und Sonderfarben-Eignung, ist aber langsamer bei Massenauflagen. UV-Rollenoffset (kein Lösemittel, sofortige Härtung) ermöglicht Non-Absorb-Materialien wie Folien, ist jedoch teurer in Betrieb und Farbe.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum färbt Zeitungsdruckfarbe ab? Beim Coldset zieht die Farbe in das Papier ein, polymerisiert aber nicht vollständig aus. Die oberflächlich liegenden Farbpigmente werden durch Reibung übertragen. Zeitungsdruckpapier ist zudem sehr porös und kalandriert kaum. Abhilfe schaffen Rub-off-Lacke, die jedoch beim Coldset selten wirtschaftlich sind.

Kann man Hochglanzprospekte im Coldset drucken? Nein – Coldset erfordert saugfähige Papiere. Gestrichene Papiere, die für Glanzeffekte gebraucht werden, saugen die Lösemittel nicht schnell genug auf; die Farbe würde nicht trocknen und die Bahn verschmieren. Für Hochglanzdruck ist Heatset (oder Bogenoffset) notwendig.

Wie umweltfreundlich ist Heatset? Heatset-Anlagen erzeugen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus den Druckfarb-Lösemitteln. Moderne Druckereien sind verpflichtet, diese in thermischen Nachverbrennungsanlagen (TNV) zu verbrennen. Die entstehende Wärme wird oft zur Beheizung des Trocknungskanals zurückgewonnen, was die Energiebilanz verbessert. Mineralölfreie Heatset-Farben (auf Basis nachwachsender Rohstoffe) gewinnen Marktanteile.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kipphan, H. (Hrsg.) (2000): Handbuch der Printmedien. Heidelberg: Springer.
  • Teschner, H. (2010): Offsetdrucktechnik. 12. Aufl. Fellbach: Fachschriften-Verlag.
  • BVDM – Bundesverband Druck und Medien: Branchenreport Rollenoffset. Online: bvdm.de
  • fogra.org – Forschungsgesellschaft Druck e. V.: PSO-Druckstandards und LWC-Profile.
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