Inkjet-Digitaldruck (Tintenstrahldruck) ist ein berührungs- und druckformloses Digitaldruckverfahren, das winzige Tintentröpfchen (1–100 Pikoliter) per Druckkopf direkt auf das Substrat sprüht.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Tintenstrahldruck, Ink Jet, Inkjetdruck, Piezo-Inkjet
Was ist Digitaldruck Inkjet?
Inkjet-Druck bezeichnet eine Familie von Digitaldruckverfahren, bei denen Tinte durch winzige Düsen in einem Druckkopf auf das Substrat geschossen wird. Das Verfahren erstreckt sich von einfachen Bürodruckern (Canon, Epson, HP) bis zu Hochleistungs-Produktionssystemen (z. B. Canon Océ Colorstream, HP PageWide, Memjet), die Auflagen im Rollenoffset-Bereich mit variablen Daten verbinden. Inkjet ist das vielseitigste Digitaldruckverfahren: Es bedruckt Papier, Karton, Textil, Folie, Holz, Keramik und nahezu jedes andere Material.
Funktionsprinzip
Es gibt zwei grundlegende Technologien, Tinte auf das Substrat zu bringen:
Thermischer Inkjet (Bubble Jet): Ein winziges Heizelement erhitzt die Tinte in der Düse in Mikrosekunden auf über 300 °C. Die entstehende Dampfblase schleudert einen Tintentropfen aus der Düse. Nach dem Tropfenausstoß kühlt das Element ab, die Blase kollabiert, und neue Tinte strömt nach. Canon und HP nutzen dieses Verfahren in Bürodruckern.
Piezo-Inkjet: Ein piezoelektrisches Kristallelement (Piezokristall) verändert seine Form bei elektrischer Spannung und erzeugt so mechanischen Druck, der Tinte aus der Düse drückt. Piezo ist präziser, ermöglicht höhere Tintenarten-Vielfalt (UV-Harze, Lösemittel, Latex) und ist Standard in professionellen Großformat- und Produktionsdruckern (Epson, Roland, Mimaki, Seiko).
Tropfengrößen und Auflösung: Moderne Industriedruckköpfe erzeugen Tropfen von 1–6 Pikoliter (pl), was native Druckauflösungen von 600 bis 2.400 dpi erlaubt. Durch mehrere übereinander liegende Druckkopfreihen und variable Tropfengrößen entstehen optisch höhere Auflösungen und sanfte Farbverläufe.
Tintentypen:
- Wasserbasis (Aqueous): Günstig, umweltfreundlich; für Papier und beschichtete Substrate. Nicht wasserfest ohne Beschichtung.
- Lösemitteltinte (Solvent): Für Folien, Banner, Outdoormaterialien; wasserfest und UV-beständig.
- UV-härtende Tinte (UV-Inkjet): Sofortige Härtung unter UV-Licht; druckt auf nahezu allem (Glas, Acryl, Metall, Holz). Sehr robust.
- Latex-Tinte: Wasserbasiert mit Latex-Polymeren; nach Trocknung wasserfest und flexibel; Mittelweg zwischen Aqueous und Solvent.
- Sublimationstinte: Für indirekten Transfer auf Polyestertextilien (Sublimationsdruck).
Einsatzgebiete
- Großformatdruck – Planen, Banner, Displays, Schaufensterbeschriftungen auf Rollen- und Flachbettdruckern
- Personalisierbarer Produktionsdruck – Variable Briefsendungen, Direktmailing, Transaktionsdokumente auf Inkjet-Rollenmaschinen
- Fotodruck und Fine Art – Gicléedrucke auf Baumwollpapier, Baryt-Fotopapier; hohe Farbtiefe mit 8–12 Farbtinten
- Verpackungs- und Etikettendruck – UV-Inkjet für kurze Auflagen auf Folien und Karton
- Textil- und Softsignagedruck – Direktdruck auf Textilgewebe (Displaystoff, Fahnen) oder Transferpapier
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Breiteste Substratpalette aller Druckverfahren (mit UV-Tinte fast jede Oberfläche)
- Keine Druckplatten, keine Rüstkosten; wirtschaftlich ab 1 Exemplar
- Variable Daten: jedes Exemplar kann vollständig individuell sein
- Großformate bis mehrere Meter Breite möglich
- Hohe Farbtiefe durch 6–12 Tintenkanäle (Foto- und Kunstdruck)
- Sanfte Verläufe ohne Rastermuster sichtbar
Nachteile:
- Höhere Stückkosten als Offset bei großen Auflagen auf Standard-Papier
- Druckgeschwindigkeit langsamer als Offsetdruck und Tonerdruck für Standardformate
- Aqueous-Tinte nicht wasserfest ohne Versiegelung
- Düsenverstopfung bei seltener Nutzung (Wartungsaufwand)
- UV-Inkjet-Drucke können bei falscher Verarbeitung splittern oder abblättern
In der Praxis
Mindestauflage: 1 Exemplar; keine Plattenkosten; ideal für Unikate und Kleinstauflagen.
Kosten: Büroinkjet: 0,02–0,10 Euro/Seite; professioneller Großformat-Inkjet: 2–15 Euro/m² (je nach Tinte, Substrat und Gerät); Produktions-Rolleninkjet: vergleichbar mit Tonerdruck-Produktion.
Lieferzeit: Großformat: oft within 24–48 Stunden; Produktionsdruck: 1–3 Tage.
Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:
- Farbmodus: CMYK (Großformat oft auch RGB → Gerät konvertiert mit ICC-Profil)
- Auflösung: 150 dpi (Großformat, ab 1 m Betrachtungsabstand), 300 dpi (Nahbereich, Fotoqualität)
- Beschnitt (Bleed): 5–10 mm (Großformat, wegen Kaschierüberlappung); 3 mm bei Kleinformat
- Dateiformat: PDF, TIFF, JPEG mit hoher Qualitätseinstellung; PDF/X-4 für Produktion
- ICC-Profile: je nach Drucker und Substrat – Druckerei gibt spezifische Profile heraus
- Gesamtfarbauftrag: von 200 % (Folien) bis 300 % (gestrichenes Papier) – systemabhängig
Vergleich & Abgrenzung
Inkjet vs. Tonerdruck: Toner liefert schärfere Texte auf Normalpapier und ist für Standard-Bürodokumente schneller. Inkjet ist bei Großformaten, Foto und exotischen Substraten überlegen.
Inkjet vs. Sublimationsdruck: Sublimation verwendet Dispersionstinte und einen zusätzlichen Transferschritt (Wärme). Ergebnis ist in Polyestertextil gebunden, besonders weich und waschecht. Direkttextil-Inkjet (DTG) ist hingegen auf Baumwolle möglich.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Inkjet und Laserdruck? Inkjet überträgt flüssige Tinte direkt auf das Substrat; Laser (Elektrofotografie) überträgt trockenen Tonerstaub elektrostatisch und fixiert ihn thermisch. Inkjet eignet sich besser für Großformate und exotische Substrate; Laser für scharfe Texte und schnelle Standard-Formate.
Sind Inkjet-Ausdrucke lichtecht? Das hängt stark von der Tintentype ab. Aqueous-Pigmenttinten auf speziellen Fotopapieren erreichen 70–100 Jahre Lichtbeständigkeit (unter Glas, Museumsqualität). Lösemitteldrucke sind für Außenwerbung 3–5 Jahre ohne laminat lichtecht. Einfache Farbstofftinten (Dye-Based) verblassen deutlich schneller.
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Weiterführend
- Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
- Leach, Robert H. et al. (2007): The Printing Ink Manual. Kluwer Academic Publishers.
- Online: Inkjet Summit – www.inkjetsummit.com
- Online: Fachverband Medien und Werbetechnik (FMW) – www.fmw-online.de
