DTG (Direct to Garment) ist ein digitales Inkjet-Druckverfahren, das wasserbasisierte Textiltinte direkt in das Gewebe eines Kleidungsstücks druckt – ohne Mindestauflage, fotorealistisch und auf Baumwolle.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Direct-to-Garment, DTG-Druck, Direktdruck auf Textil, Textil-Inkjet
Was ist DTG?
Direct to Garment (DTG) bezeichnet eine Klasse von Inkjet-Druckern, die speziell für das direkte Bedrucken von Kleidungsstücken – T-Shirts, Hoodies, Taschen, Jeans – konstruiert sind. Das Textil wird auf einem flachen Plattenhalter (Platen) gespannt und unter dem Druckkopf hindurchgeführt. DTG-Drucker ähneln im Aufbau großen Tintenstrahldruckern, verwenden aber speziell formulierte Textiltinten, die in das Gewebe eindringen und dort durch Hitze fixiert werden. DTG ist die technologische Antwort auf den Wunsch nach individuellem, fotorealistischem Textildruck in Auflagen von 1 Stück – ohne die Sieberstellungskosten des Siebdrucks.
Funktionsprinzip
1. Vorbereitung (Pretreatment): Auf dunklen oder farbigen Textilien muss vor dem Druck ein Vorbehandlungsmittel (Pretreatment/PT) aufgetragen werden. Dieses Pretreatment enthält Kalziumsalze oder ähnliche Verbindungen, die die Textiloberfläche vorbereiten, damit die Weißtinte (für die Unterdruckschicht auf dunklem Stoff) fixiert und brillante Farben sichtbar werden. Auf weißen oder sehr hellen Textilien kann dieser Schritt entfallen.
2. Druck: Das vorbehandelte (oder direkte bei hellen Shirts) Textil wird auf dem Platen fixiert und in die Druckzone des DTG-Druckers eingefahren. Piezo-Druckköpfe (meist von Epson, Kyocera oder Ricoh) sprühen Tinten in CMYK und optional Weiß direkt in die Gewebestruktur. Die Tintenformulierungen sind für Wasserstabilität und Gewebeaffinität optimiert.
3. Fixierung (Curing): Nach dem Druck muss die Tinte thermisch fixiert werden – entweder in einem Heiztunnel (Belt-Tunnel, 150–170 °C, 1–3 Minuten) oder mit einer Wärmepresse (160–170 °C, 90–120 Sekunden). Die Wärme vernetzt die Tinte mit den Textilfasern und sorgt für Waschechtheit.
Tintensysteme: Wasserbasisierte Pigmenttinten, speziell für Baumwolle und Baumwoll-Blends (mind. 50 % Baumwolle). Synthetische Fasern (Polyester) reagieren schlechter; für Polyester ist Sublimation das bessere Verfahren.
Aktuelle Systeme: Brother GTX Pro, Epson SureColor SC-F3000, Kornit Atlas/Avalanche, Aeoon Kyo. Kornit-Drucker sind in der Fashion-Industrie Standard für Print-on-Demand (Zalando, Amazon Merch, Spreadshirt).
Druckgeschwindigkeit: 2–6 Minuten pro T-Shirt (abhängig von Motiv, Farbe und System). Hochleistungs-DTG (Kornit Atlas) druckt bis zu 120 Stück/Stunde im Vollfarb-Modus.
Einsatzgebiete
- Print-on-Demand / E-Commerce – T-Shirts, Hoodies auf Bestellung, 1 Stück pro Bestellung; Basis des Merch-Ecosystems (Spreadshirt, Printful, Printify)
- Promotionkleidung und Events – Vereins-, Event-, Festival-Shirts in kleinen Auflagen ohne Siebdruckvorlaufzeiten
- Modedesign und Einzelstücke – Modestudenten, Independent-Designer für Prototypen und Kollektion-Samples
- Personalisierung und Geschenke – Fotoshirts, Namensshirts, individuelle Motive für Einzelkunden
- Betriebsbekleidung – Firmenlogo-Shirts für kleine Teams (5–50 Stück) ohne Siebdruckkosten
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Kein Mindestmenge: ab 1 Stück wirtschaftlich produzierbar
- Fotorealistischer Druck: Farbverläufe, Fotos, komplexe Grafiken problemlos
- Kein Siebaufwand: keine Einrichtungskosten pro Motiv; Datei → Druck
- Schnelle Lieferung: Einzel-T-Shirt in unter 10 Minuten gedruckt und getrocknet
- Weiches Druckbild (Tinte sitzt im Gewebe, kein Plastikgefühl bei hochwertiger Tinte)
- Umweltfreundlicher als Siebdruck bei kleinen Auflagen (kein Chemikalienverbrauch für Siebe)
Nachteile:
- Weniger waschecht als Siebdruck (ca. 40–60 Wäschen, danach Fading; Siebdruck 80–100+)
- Auf dunklen Shirts Pretreatment erforderlich (Extra-Schritt, bei Maschinenfehlern Qualitätsprobleme)
- Nur auf Baumwolle und hohen Baumwollblends (über 50 % Baumwoll) gut geeignet
- Höhere Stückkosten als Siebdruck ab ca. 50–100 Stück
- Weiße Shirts zeigen beste Qualität; dunkle Shirts schwieriger (Pretreatment-Abhängigkeit)
- Tintenköpfe müssen täglich gewartet werden (Verstopfungsgefahr)
In der Praxis
Mindestauflage: 1 Stück; kein Minimum.
Kosten: Mittel; T-Shirt (weiß) Druck ca. 3–8 Euro; T-Shirt (schwarz, mit Pretreatment) ca. 5–15 Euro je nach Motiv, System und Dienstleister. Material-T-Shirt zusätzlich 2–15 Euro.
Lieferzeit: Same-Day bis 3 Tage (Print-on-Demand-Dienste: 2–5 Werktage mit Versand).
Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:
- Farbmodus: RGB (sRGB; Drucker konvertiert intern); manche Systeme akzeptieren CMYK
- Auflösung: 300 dpi bei Endgröße (wichtig: nicht interpoliert hochrechnen)
- Dateiformat: PNG mit transparentem Hintergrund (kein weißer Hintergrund, wenn Hintergrundfarbe des Shirts genutzt werden soll); auch JPEG, TIFF
- Motiv auf transparentem Hintergrund anlegen (Shirt-Hintergrund = natürliche Stofffarbe)
- Schwarze Ränder und harte Kanten besser als weiche Verläufe bei kleinen Details
- Dateigröße: mind. 300 dpi bei 30×30 cm für Standard-Druckbereich (ca. 3.600×3.600 px)
- Farbprofil: sRGB IEC61966-2.1 einbetten
Vergleich & Abgrenzung
DTG vs. Siebdruck: Siebdruck ist ab ca. 50 Stück günstiger; Farben sind deckender und waschechtester; keine Fotorealistik ohne CMYK-Raster. DTG gewinnt bei kleinen Auflagen, Einzelstücken und komplexen Motiven.
DTG vs. Sublimationsdruck: Sublimation nur auf Polyester; DTG auf Baumwolle. Sublimation bietet brillantere Farben und bessere Waschfestigkeit; DTG ist auf natürlichen Fasern einsetzbar.
DTG vs. Thermotransfer: Thermotransfer klebt eine Folienschicht auf – fühlbar als Plastikschicht. DTG-Tinte sitzt im Gewebe und fühlt sich weicher an. Thermotransfer ist billiger und einfacher für DIY; DTG qualitativ hochwertiger.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie oft kann ein DTG-gedrucktes Shirt gewaschen werden? Bei korrekter Produktion (ausreichendes Pretreatment, korrekte Fixiertemperatur) hält ein DTG-Druck ca. 40–80 Maschinenwäschen (30–40 °C, Schonwaschgang innen gewendet) ohne sichtbares Ausbleichen. Qualitativ hochwertige Systeme (Kornit) mit echten Pigmenttinten erzielen bis zu 100 Wäschen. Allgemein gilt: DTG dauerhafter als einfacher Transferdruck, aber weniger als Siebdruck.
Welches T-Shirt-Material eignet sich am besten für DTG? 100 % Baumwolle (Ring-spun oder Combed Cotton), 160–220 g/m², in Weiß oder Hellgrau ist der Goldstandard. Baumwoll-Polyester-Blends (50/50) funktionieren, aber Farben wirken weniger satt. Tri-Blends (Baumwolle/Modal/Polyester) haben ein weiches Druckbild. Performance-Polyester (Sportshirts) sind für DTG ungeeignet – hier Sublimation verwenden.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Online: Kornit Digital – www.kornit.com
- Online: Brother GTX – www.brother.de/products/all/dtg-drucker
- Online: Epson SureColor SC-F3000 – www.epson.de
- Online: Printful DTG-Ratgeber – www.printful.com/de/blog/dtg-druck
