Flexodruck (Flexographie) ist ein direktes Hochdruckverfahren mit elastisch-flexiblen Druckformen aus Gummi oder Fotopolymer, das von einer Rolle auf nahezu jedes Substrat druckt.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Flexographie, Aniline Printing (veraltet), Flexo
Was ist Flexodruck?
Flexodruck ist das dominierende Druckverfahren in der Verpackungsindustrie. Es bedruckt Wellpappe, Kunststofffolien, Aluminiumfolie, Verbundmaterialien, Etiketten, Tragetaschen und flexible Verpackungen aller Art. Die Besonderheit liegt in der elastischen Druckform (Klischee) aus Fotopolymer oder Gummi, die sich an unebene und flexible Substrate anpassen kann. Flexodruckmaschinen drucken direkt von der Rolle (Substratrolle) auf das Substrat und verarbeiten es inline weiter (Schneiden, Stanzen, Kaschieren). Etwa 80 % aller Lebensmittelverpackungen weltweit werden im Flexodruck hergestellt.
Funktionsprinzip
Das Flexodruckwerk besteht aus vier Kernelementen: dem Farbwerk mit Aniloxwalze (Rasterwalze), der Druckformzylinder mit dem aufgespannten elastischen Klischee, dem Gegendruckzylinder und dem Substrat.
Die Aniloxwalze ist das Herzstück des Flexodrucks: Eine Metallwalze mit lasergravierter Wabenstruktur (100–1.200 Linien/cm, „LPC") nimmt definierte Farbmengen auf und dosiert sie präzise auf das Klischee. Das Klischee überträgt die Farbe direkt auf das Substrat – es ist, anders als beim Offsetdruck, ein direktes Druckverfahren ohne Gummituchzylinder-Zwischenschritt.
Druckformen: Fotopolymer-Klischees werden aus flüssigem oder festem Fotopolymer mit UV-Licht belichtet und ausgewaschen. Hochpräzise Laserbelichtung (CDI – Computer Direct Imaging) ermöglicht heute Feinraster bis 200 lpi und FM-Raster (Stochastikraster) für verbesserte Druckqualität ohne Moiré.
Tinten im Flexodruck:
- Wasserbasisfarben: umweltfreundlich, für Lebensmittelverpackungen geeignet
- Lösemittelfarben: für Kunststofffolien (PE, PP, PET), hohe Haftung
- UV-härtende Farben: Sofortige Fixierung, kein Lösemittelausstoß, für Etiketten
Druckgeschwindigkeit: 100–600 Meter pro Minute (bei Wellpappe 100–300 m/min, bei Folie bis 600 m/min).
Registergenauigkeit: ±0,1–0,2 mm bei modernen Anlagen; schlechter als Offset, aber für Verpackungsanwendungen ausreichend.
Rasterweite: 100–150 lpi (konventionell), bis 200 lpi mit HD-Flexo oder eCG-Technologie (Extended Color Gamut).
Einsatzgebiete
- Flexible Verpackungen – Lebensmittelbeutel, Tiefkühlverpackungen, Snack-Tüten auf PE, PP und Verbundfolien
- Wellpappe und Karton – Außenverpackungen, Versandkartons, Displaykartons für Handel
- Selbstklebeetiketten – Roll-to-Roll-Etikettendruck auf Papier und Folie; inline Stanzung
- Tragetaschen und Papiertüten – HDPE-Tragetaschen, Papiersäcke für Einzelhandel
- Hygiene- und Tissuepapiere – Toilettenpapier, Küchenrollen, Servietten mit Mustern und Logos
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Bedruckt nahezu jedes flexible und halbstarre Substrat (Folien, Wellpappe, Papier, Folie, Textilgewebe)
- Extrem hohe Produktionsgeschwindigkeit (bis 600 m/min)
- Inline-Verarbeitung: Schneiden, Stanzen, Kaschieren, Laminieren direkt nach dem Druck
- Wasserbasisfarben für lebensmittelkonforme Verpackungen verfügbar
- Niedrige Stückkosten bei hohen Auflagen
- Für Sonderfarben (Pantone, Metallic) geeignet
Nachteile:
- Druckqualität traditionell inferior gegenüber Offset und Tiefdruck (Dot Gain höher)
- Druckformen (Klischees) teuer in Herstellung (100–500 Euro pro Farbe/Klischee)
- Einrichtungsaufwand hoch; Unwirtschaftlich bei kleinen Auflagen unter 5.000–10.000 m
- Druckbild kann bei Substratunebenheiten (Wellpappe) ungleichmäßig sein
- Tonwertzunahme (Dot Gain) 15–25 % muss in Druckdaten kompensiert werden
In der Praxis
Mindestauflage: Sinnvoll ab ca. 5.000–10.000 Laufmeter (Folie/Etikett) oder ab 5.000 Stück Wellpappkartons; kleine Auflagen auf Etikettenmaschinen (Tischflexo) bereits ab 500 Stück.
Kosten: Klischeekosten 100–500 Euro pro Farbe; Druckkosten 0,01–0,05 Euro/Stück bei hohen Auflagen. Mittelpreisig in der Gesamtkalkulation.
Lieferzeit: 7–14 Werktage (Klischeeherstellung + Druckfreigabe + Produktion).
Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:
- Farbmodus: CMYK oder Schmuckfarben (Pantone); Extended Color Gamut (CMYK+OGV) bei modernen Anlagen
- Auflösung Bilder: 300 dpi bei Endformat; Strichzeichnungen 1.200 dpi
- Beschnitt (Bleed): 3–5 mm (je nach Maschinentyp und Substrat)
- Mindestlinienstärke: 0,3 mm (positiv), 0,5 mm (negativ/weiß auf Dunkel)
- Tonwertkompensation: Flexo-ICC-Profil verwenden (höherer Dot Gain als Offset)
- Kleinste Schriftgröße: 6 pt (positiv), 8 pt (negativ)
- Dateiformat: PDF/X-4 mit eingebetteten Profilen; AI/EPS für Vektordaten
Vergleich & Abgrenzung
Flexodruck vs. Tiefdruck: Tiefdruck bietet höhere Qualität und Farbkonstanz bei extrem hohen Auflagen (ab 200.000+ m), ist aber in Druckformherstellung deutlich teurer (Gravurzylinder 2.000–10.000 Euro je Farbe). Flexodruck ist bei mittleren Auflagen und Sonderfarben wirtschaftlicher.
Flexodruck vs. Offsetdruck: Offset für Papier und Karton bis 600 g/m² mit besserer Qualität und feineren Rastern. Flexo für Folien und unebene Substrate, die Offset nicht verarbeiten kann.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum sehen Tiefkühlbeutel manchmal unscharf oder versetzt aus? Kunststofffolien dehnen sich beim Transport durch die Maschine; Registergenauigkeit im Flexodruck ist schlechter als im Offsetdruck. Bei einfachen Verpackungsdesigns ist das tolerierbar. Für Feinstdruck auf Folien mit engem Register empfiehlt sich Tiefdruck.
Kann man Flexodruck zu Hause ausprobieren? Kleine Flexodruck-Sets für Hobbydrucker und Künstler sind erhältlich (Linocut-ähnliche Druckstöcke aus Fotopolymer). Echte industrielle Flexomaschinen kosten 500.000 bis mehrere Millionen Euro. Der handwerkliche Einstieg ist aber mit Flexo-Klischeesets und einem einfachen Drucktisch möglich.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
- Flexographic Technical Association (FTA) (2019): FIRST – Flexographic Image Reproduction Specifications & Tolerances. FTA, Bohemia NY.
- Online: European Flexographic Technical Association – www.efta.eu
- Online: Flexographic Technical Association – www.flexography.org
