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Letterpress (Buchdruck, Hochdruck) ist das älteste industrielle Druckverfahren, bei dem erhabene (relief-artige) Druckelemente aus Metall, Holz oder Polymer direkt auf den Bedruckstoff gepresst werden und dabei eine charakteristische Prägevertiefung hinterlassen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Buchdruck (historisch), Hochdruckverfahren, Reliefdruck, Typendruckverfahren, Letterpress Printing (engl.), Hot-Metal-Type (Bleisatz)

Was ist Letterpress?

Letterpress ist das Druckprinzip, das Johannes Gutenberg um 1450 in Mainz mit beweglichen Metalllettern realisierte und das die Welt revolutionierte. Erhabene (hochstehende) Elemente – Lettern, Klischees, Polymer-Platten – werden mit Farbe eingefärbt und auf Papier gepresst. Der Druck hinterlässt eine charakteristische Einprägung (Impression) im Papier, die mit keinem anderen Verfahren exakt imitiert werden kann. Nach dem Rückgang des kommerziellen Buchdrucks in den 1970/80er Jahren erlebt Letterpress seit den 2000er Jahren eine Renaissance als Premiumverfahren für Hochzeitseinladungen, Visitenkarten und Kunstdrucke.

Erklärung

Das Hochdruckprinzip

Im Hochdruck liegen alle druckenden Elemente auf der gleichen erhöhten Ebene (das Druckniveau). Nicht-druckende Flächen sind vertieft oder ausgespart. Farbe wird mit Farbwalzen auf die Druckform (Typen, Klischee, Polymer-Platte) aufgetragen, die dann mit Druck auf das Papier gepresst wird. Dadurch überträgt sich nicht nur Farbe, sondern auch eine messbare Vertiefung ins Papier – der sogenannte Eindruck (Deboss).

Historische Materialien und moderne Materialien

Bleisatz: Bewegliche Metalllettern aus einer Blei-Antimon-Zinn-Legierung. Bis in die 1970er Jahre Standard in Buchdruckereien. Heute nur noch bei wenigen handwerklichen Druckern im Einsatz; auch im Museumsbetrieb.

Holzletter: Große Schriftgrade (ab 36 pt aufwärts) wurden historisch in Holz geschnitten, da Bleisatz in diesen Größen zu schwer wurde.

Photopolymer-Platten (moderne Standard): Heute nutzt Letterpress-Revival nahezu ausschließlich flexible Photopolymer-Platten (z. B. Boxcar-Platten von DuPont Cyrel oder KF152/KF095): Digitale Schriften und Illustrationen werden als Film oder direkt (CTP) auf die lichtempfindliche Polymer-Schicht belichtet, unbelichtete Bereiche ausgewaschen. Die Platte wird auf einem Tiegel oder Zylinder befestigt.

Maschinentypen

  • Heidelberg Tiegel (Windmill): Die legendäre Heidelberger Tiegeldruckmaschine (ab 1950) – rund läuft in vielen Letterpress-Studios weltweit und ermöglicht präzise Impressionstiefe. Format 26 × 36 cm.
  • Chandler & Price (C&P): Amerikanischer Tiegel, weit verbreitet in US-Letterpress-Studios.
  • Zylinderpresse (Proof Press): Für größere Formate, manuelle Bedienung.
  • Vandercook: Prooferpresse, beliebt in künstlerischen Kontexten.

Die Impression – das Markenzeichen

Das Alleinstellungsmerkmal moderner Letterpress-Drucke ist die tiefe Impression: Der Druck hinterlässt eine spürbare, sichtbare Vertiefung im Papier. Dafür werden dicke, handgemachte oder hochwertige Baumwollpapiere verwendet (z. B. Crane's Lettra 110–220 lb, Arjowiggins Cotton 300–600 g/m², Reich Paper). Das Papier muss weich und faserig genug sein, um den Eindruck anzunehmen ohne zu reißen.

Einschränkungen

  • Nur wenige Druckfarben pro Druckgang (typisch 1–2 Farben, mehrere Farben = mehrere Durchgänge).
  • Keine Rasterbilder in hoher Qualität; für Fotos ungeeignet.
  • Aufwändige Einrichtung; kleine Auflagen (50–500) wirtschaftlich; Massenproduktion nicht sinnvoll.
  • Feine Gegendruckpunkte (Gegenstempellinien) müssen manuell justiert werden.

Beispiele

  1. Premium-Visitenkarte: 600 g/m² Baumwollpapier (Crane's Lettra), 2 Farben, tiefe Impression mit Folienpräge-Kombination – pro 100 Karten ca. 80–200 Euro.
  2. Hochzeitseinladung: Florales Motiv + Typographie in 2 Letterpress-Farben auf cremefarbenem Büttenkarton – heute der Hauptmarkt für Revival-Letterpress.
  3. Kunstplakat: Handgedrucktes Konzertposter auf Vintage-Heidelberger Tiegel; Kleinstauflage 50 Stück, signiert.
  4. Briefpapier für Unternehmen: Geschäftsbriefpapier und Kuverts mit geprägtem Logo – signalisiert Exklusivität und handwerkliche Sorgfalt.
  5. Maschinenhersteller/Quellen: Heidelberger Druckmaschinen (Windmill/Tiegel), Chandler & Price, Vandercook; Plattenmaterial: Boxcar Press (DuPont Cyrel), Anderson & Vreeland.

In der Praxis

Dateivorbereitung: Vektordaten zwingend (AI, EPS, PDF); keine Rasterbilder oder Fotos. Jede Farbe als separate Ebene/Separation; Übergänge (Farbverläufe) nicht druckbar. Letterpress druckt keine Raster – nur Volltonflächen und feine Linien. Mindestlinienbreite: 0,5 pt (0,18 mm). Schriftgröße mind. 6 pt. Keine Gradients, keine Schatten, kein Transparent. Polymer-Platte benötigt Negativfilm oder direkte CTP-Belichtung. Datei Maßstab 1:1 in tatsächlicher Druckgröße.

Vergleich & Abgrenzung

Digitaldruck reproduziert Letterpress-Ästhetik optisch ähnlich (gefälschte Impression durch Embossing oder Druckverdickung), aber ohne echten haptischen Eindruck. Tiefdruck ist das spiegelbildliche Pendant (Druckelemente vertieft). Offset druckt schneller, billiger, ohne Impression. Prägeverfahren (Blindprägung, Heißfolienprägung) erzeugen Impression/Relief ohne Farbe und werden oft mit Letterpress kombiniert.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum kostet Letterpress so viel mehr als Digitaldruck? Letterpress erfordert handwerkliche Einrichtungszeit (Polymer-Platte herstellen, auf der Maschine justieren, Beistellung anpassen), dickes Spezialpapier (4–10× teurer als Standardpapier), langsame Maschinenlaufgeschwindigkeit, und oft mehrere Durchgänge für Mehrfarbdruck. Der Wert liegt im haptischen Erleben und der handwerklichen Qualität – vergleichbar mit handgebundenem Bucheinband versus Klebebindung.

Kann man Letterpress mit anderen Veredelungen kombinieren? Ja – Letterpress und Folienpräge oder Blindprägung auf derselben Maschine (oder im zweiten Durchgang) sind gängige Kombinationen. Auch Letterpress + Digitaldruck-Personalisierung im Hybridverfahren ist möglich. Digitale UV-Spotlacke können Hochglanz-Kontraste auf Letterpress-Papieren setzen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Kipphan, H. (Hrsg.) (2000): Handbuch der Printmedien. Heidelberg: Springer.
  • Smeijers, F. (1996): Counterpunch: Making Type in the Sixteenth Century, Designing Typefaces Now. London: Hyphen Press.
  • Boxcar Press: Photopolymer Plate Guide & Letterpress Printing Resources. boxcarpress.com
  • Letterpress Commons: Gemeinschafts-Wiki für moderne Letterpress-Praktiken. letterpresscommons.com
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