Pad-Druck (Tampondruck) ist ein indirektes Tiefdruckverfahren, bei dem Farbe aus einer gravierten Druckplatte (Cliché) von einem elastischen Silikonpad aufgenommen und auf das zu bedruckende Objekt übertragen wird – auch auf stark gewölbte, konkave oder unregelmäßige Oberflächen.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Tampondruck, Tampon-Printing (engl.), Cliché-Druck, Pad Printing
Was ist Pad-Druck?
Pad-Druck löst ein Problem, das andere Druckverfahren nicht bewältigen können: das Bedrucken von dreidimensionalen, nicht-flachen Oberflächen. Kugelschreiber, Feuerzeuge, USB-Sticks, Golfbälle, Tastaturtasten, Präzisionsteile in der Medizintechnik – alle werden mit dem gleichen Grundprinzip bedruckt: Ein elastischer Silikonpad nimmt Farbe auf, verformt sich beim Kontakt mit dem Objekt und überträgt das Motiv exakt auf die Oberfläche, egal ob rund, konkav, strukturiert oder texturiert.
Erklärung
Das Pad-Druckprinzip
Der Prozess läuft in vier Phasen ab:
1. Cliché (Druckform): Eine Metallplatte (Stahl, Zink oder Kunststoff) wird mit dem Druckmotiv photochemisch oder lasergraviertvertieft – ähnlich dem Tiefdruck, aber mit geringerer Eintiefung (ca. 20–40 µm). Die Vertiefung nimmt Farbe auf.
2. Farbauftrag und Abrakeln: Eine Farbkassette (oder ein offenes Farbbad) mit Lösemittelfarbe fährt über das Cliché und füllt die Vertiefung. Eine scharfe Rakelklinge streicht die überschüssige Farbe ab, so dass nur die Vertiefung Farbe enthält.
3. Farbaufnahme durch den Pad: Der Silikonpad (Tampon) wird auf das Cliché abgesenkt. Er nimmt die Farbe aus der Vertiefung auf. Dabei verdunstet an der Pad-Oberfläche ein Teil des Lösemittels, was die Farbe klebrig macht – sie haftet am Pad besser als am Stahl.
4. Farbübertragung auf das Objekt: Der Pad fährt zum Objekt und wird abgesenkt. Er verformt sich elastisch um die Kontur des Objekts, überträgt dabei die Farbe vollständig und gleichmäßig. Anschließend hebt er ab – das Motiv sitzt auf dem Objekt.
Pad-Materialien und -Formen
Silikonpads (Tampons) sind aus RTV-Silikon (room temperature vulcanizing) gegossen und in zahlreichen Formen erhältlich: rund, oval, zylindrisch, konisch, mit Rinne. Härtere Pads (Shore 5–10) für flache Motive, weichere Pads für stark gewölbte Oberflächen. Die Pad-Form muss auf das Objekt abgestimmt sein – ein falsch gewählter Pad führt zu Verzerrungen im Druckbild.
Cliché-Arten
- Photopolymer-Cliché: Günstig, für Kurzserien; lichthärtende Kunststoffplatte, schnell und kostengünstig in der Herstellung (20–60 Euro/Cliché).
- Stahl-Cliché: Für Langserien (> 100.000 Drucke); lasergraviert oder chemisch geätzt; langlebiger, präziser.
- Keramik-Cliché: Für abrasive Farben (z. B. in der Medizintechnik oder bei Metallicfarben).
Farbsysteme
Pad-Druckfarben sind Lösemittelfarben (1-Komponenten, 2-Komponenten oder UV-härtend) mit hohem Lösemittelanteil für die Adhäsionseigenschaft. Wichtig: Die Farbe muss am Pad haften (klebrig durch antrocknen), aber sofort loslassen, wenn sie das Objekt berührt. Farbanpassung an Substrat (Kunststoff, Glas, Metall, Keramik) erfordert verschiedene Farbsysteme und ggf. Primer.
Mehrfarb-Pad-Druck
Mehrfarbige Motive werden durch mehrere Druckstationen gedruckt – das Objekt wird entweder gedreht oder wandert auf einem Förderband von Pad zu Pad. Registerhaltigkeit ist technisch anspruchsvoll; bei stark gewölbten Oberflächen sind Abweichungen von ±0,2–0,5 mm normal.
Anwendungsfelder
- Werbeartikel: Kugelschreiber, Feuerzeuge, USB-Sticks, Schlüsselanhänger – der Klassiker.
- Elektronik: Tastaturtasten, Bedienknöpfe, Frontplatten.
- Medizintechnik: Beschriftung von Spritzen, Kathetern, medizinischen Instrumenten (Farben müssen biokompatibel und sterilisierbar sein).
- Spielzeug: Gesichtsdruck auf Puppen, Brettspielwürfel, Modellbau.
- Automotive: Schaltknöpfe, Armaturen-Beschriftung.
Beispiele
- Kugelschreiber mit Firmenlogo: 1 Farbe, Photopolymer-Cliché, 500 Stück; der günstigste Einstieg in Werbeartikeldruck.
- Golfball: 4-Farb-Pad-Druck auf Rundfläche – erfordert präzisen Kontur-Pad; technisch herausfordernd.
- Medizinische Spritze: 2-Farb-Skalendruck auf zylindrischem Kunststoffkörper; biokompatible Farbe, Sterilisationsbeständigkeit.
- Computertastatur: Jede einzelne Taste bedruckt, Stahl-Cliché für Millionenproduktion.
- Maschinenhersteller: Tampoprint AG (Stuttgart, Marktführer), Morlock (Deutschland), Inkcups (USA), Printex (Dänemark).
In der Praxis
Dateivorbereitung: Vektordaten (AI, EPS, PDF); keine Fotos oder Rasterbilder. Jede Farbe als einzelne Separation anlegen. Mindestlinienbreite: 0,3 mm. Keine Überdruckungen ohne Absprache. Motivgröße auf Druckfläche des Objekts abstimmen – Cliché wird exakt in Motivgröße graviert, kein Skalieren in der Maschine. Schriften: mind. 6 pt, serifenlos bevorzugt (Feinheiten von Serifen können verloren gehen). Pantone-Farbe angeben; Mischung nach Vorlage durch Druckerei.
Vergleich & Abgrenzung
Siebdruck kann nur flache oder leicht gewölbte Flächen bedrucken. Digitaldruck (Inkjet) erreicht gewölbte Objekte mit speziellen UV-Zylinderdruckern, aber teurer und langsamer. Lasergravur ist dauerhafte Alternative ohne Farbe. Pad-Druck ist einzigartig für stark gewölbte, konkave oder strukturierte Kleinteile in mittleren bis hohen Auflagen (50–1.000.000+).
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viele Farben sind beim Pad-Druck möglich? Technisch bis zu 6 Farben in modernen Mehrfarbmaschinen. Praktisch dominieren 1–3 Farben, da Registerhaltigkeit auf Rundkörpern mit jeder weiteren Farbe schwieriger wird. Für vollfrequente Fotomotive auf Werbeartikeln wird meist auf Digitaldruck (UV-Cylinderprinter) ausgewichen.
Wie haltbar ist Pad-Druck? Das hängt vom Substrat und der Farbwahl ab. Auf Kunststoff mit geeignetem 2K-Farb-System ist Pad-Druck sehr haltbar (kratzfest, lösemittelbeständig). Auf Glas oder Metall empfiehlt sich UV-Härtung oder Einbrennlack. Auf weichen Gummis oder flexiblen Kunststoffen dehnen sich die Druckfarben oft schlechter mit – hier helfen spezielle Flex-Farben.
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Weiterführend
- Kipphan, H. (Hrsg.) (2000): Handbuch der Printmedien. Heidelberg: Springer.
- Tampoprint AG: Tampondruck Praxishandbuch. tampoprint.de
- Morlock GmbH: Grundlagen des Tampondrucks. morlock.de
- Kühne, R./Praxmarer, A. (2007): Tampondruck: Technik – Praxis – Perspektiven. Landsberg: mi-Verlag.
