Tampondruck (Paddruck, englisch: Pad Printing) ist ein indirektes Tiefdruckverfahren, bei dem ein elastisches Silikonpad Farbe aus einer gravierten Tiefdruckplatte aufnimmt und auf unebene, gewölbte oder dreidimensionale Oberflächen überträgt.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Tampondruckverfahren, Pad Printing, Stempeldruck (umgangssprachlich), Klischeedruck
Was ist Tampondruck?
Tampondruck ist das Standardverfahren für die Werbeartikelbranche und die Industriekennzeichnung von Gegenständen, die für andere Druckverfahren unzugänglich sind: gewölbte Oberflächen (Kugelschreiber, Feuerzeuge, Weinflaschen), stark konkave oder konvexe Flächen (Werkzeuggriffe, Computermäuse, Spielzeug), raue oder strukturierte Oberflächen. Das entscheidende technische Merkmal ist das elastische Silikonpad (der „Tampon"), das sich beim Aufsetzen an jede Oberflächenkontur anpasst und dabei das Druckbild ohne Verzerrung überträgt. Tampondruck ist in der Werbeartikelproduktion ebenso präsent wie in der Automobil- und Elektronikindustrie (Beschriftung von Schaltflächen, Typenschildern, Steuergeräten).
Funktionsprinzip
Der Tampondruck-Prozess basiert auf dem Tiefdruck-Prinzip: Das Druckbild ist in eine Stahlplatte oder Polymerplatte graviert (Klischee). Der Druckzyklus läuft in vier Schritten ab:
Schritt 1 – Einfärben: Das Klischee wird mit einer sehr dünnflüssigen, schnell trocknenden Tampondruckfarbe eingefärbt. Eine Rakel (Messer) streicht überschüssige Farbe von der Klischeeoberfläche; nur in den gravierten Vertiefungen (das Druckbild) verbleibt Farbe.
Schritt 2 – Aufnehmen: Der Silikonpad fährt nach unten auf das Klischee und drückt leicht auf die Farbe. Die Farbe haftet am Pad leicht stärker als am Klischee (Oberflächenspannung und Trocknungsphysik). Wenn der Pad sich wieder abhebt, nimmt er das Druckbild mit.
Schritt 3 – Übertragen: Der Pad fährt über das zu bedruckende Objekt und drückt auf dessen Oberfläche. Die Farbe, die am Pad getrocknet ist, haftet am Substrat stärker als am Pad und wird vollständig übertragen. Der Pad gibt das Druckbild ab und ist wieder bereit für den nächsten Zyklus.
Schritt 4 – Trocknung: Tampondruckfarben sind lösemittelbasiert und trocknen durch Verdampfung sehr schnell (wenige Sekunden). Für maximale Beständigkeit können UV-härtende Tampondruckfarben oder Ofentrocknung eingesetzt werden.
Der Silikonpad: Das Kernstück der Maschine; aus weichem, öl-freiem Silikon; in verschiedenen Geometrien (rund, oval, flach, ballförmig); Härtegrade 2–15 Shore A. Weichere Pads für stark gewölbte Flächen; härtere für ebene Flächen mit Detailschärfe.
Klischee-Materialien: Stahl (langlebig, für Hochauflagen), Polymere (Photopolymer, für kürzere Auflagen), Keramik (für sehr abrasive Farben). Klischeetiefe: 18–38 µm (Standardmotive), bis 60 µm (für dickere Farbschichten bei Spezialanwendungen).
Druckgeschwindigkeit: Manuell: 200–800 Abdrücke/Stunde; Halbautomatisch: 600–1.500/h; Vollautomatisch: 1.500–5.000+/h.
Mehrfarbdruck: Durch mehrere Druckwerke nacheinander oder durch Drehvorrichtungen des Substrats. Passergenauigkeit: ±0,05–0,1 mm.
Einsatzgebiete
- Werbeartikel – Kugelschreiber, Feuerzeuge, USB-Sticks, Schlüsselanhänger, Textilzubehör; Massenproduktion von Logodrucken auf kleinen Oberflächen
- Medizintechnik und Pharmazie – Beschriftung von Spritzen, Kathetermarkierungen, Medikamentenpflastern; präzise und sterilisationsbeständige Drucke
- Automobilindustrie – Beschriftung von Armaturentafelknöpfen, Schaltknöpfen, Lenkradtasten; hinterleuchtete Symbole
- Elektronikindustrie – Tastenbeschriftung auf Mobiltelefonen, Fernbedienungen, Computertastaturen; Typenschilder und Seriennummern
- Spielzeug und Sportartikel – Aufdruck auf Bällen, Golfbällen (charakteristisch!), Spielzeugfiguren, Gartengeräte
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Einziges wirtschaftliches Verfahren für gewölbte und unebene Oberflächen in Massenproduktion
- Bedruckt nahezu alle Materialien: Kunststoff, Metall, Glas, Keramik, Gummi
- Geringe Druckformkosten (Klischees): 50–200 Euro je Motiv
- Präzise Mehrfarbregistrierung möglich (±0,05 mm)
- Für Auflagen ab 50 bis Millionen Stück skalierbar
- Chemikalienresistente Farben für Industrie- und Medizinbereich verfügbar
Nachteile:
- Nur kleine bis mittelgroße Druckflächen (typisch unter 100×100 mm); Großflächen nicht möglich
- Kein fotorealistischer Druck; feine Halbtonraster schwierig (35–55 lpi maximal)
- Lösemittelbasierte Farben erfordern Lüftung und Schutzmaßnahmen
- Langsamer als Digitaldruck für Kleinstauflagen (Klischeeherstellung nötig)
- Farben auf bestimmten Kunststoffen ohne Vorbehandlung (Primer, Haftvermittler) problematisch
In der Praxis
Mindestauflage: Ab 50–100 Stück wirtschaftlich (Klischeekosten amortisieren sich); für Einzelstücke besser Laser-Gravur oder Digitaldruck.
Kosten: Günstig; Klischeekosten einmalig 50–200 Euro je Farbe; Druckkosten 0,02–0,50 Euro je Abdrück (abhängig von Automatisierungsgrad und Auflage). Kugelschreiber mit 1-farbigem Druck, 1.000 Stück: Druckkosten ca. 0,10–0,30 Euro/Stück zusätzlich zum Warenpreis.
Lieferzeit: 5–10 Werktage (Klischeeherstellung + Produktion).
Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:
- Vektordaten: AI, EPS oder PDF mit Schmuckfarben; keine Rastergrafiken (außer bei bewusstem Halbtonraster)
- Farbmodus: Spot-Farben (Pantone angeben; Tampondruck nutzt Schmuckfarben, kein CMYK)
- Maximale Druckflächengröße: je nach Klischeeformat; typisch 50×50 mm bis 100×100 mm; größere Flächen anfragen
- Mindestlinienstärke: 0,3–0,5 mm (je nach Klischeetiefe und Substrat)
- Schriften: ab 6–8 pt (serifenlos); bei Negativtext (hell auf dunkel) ab 10 pt
- Dateiformat: AI oder EPS (bevorzugt Vektoren); keine Rasterbilder für Standard-Logodrucke
- Klischeetiefe: Druckerei legt fest (Standard 22–28 µm); bei dünnen Linien flachere Tiefe
Vergleich & Abgrenzung
Tampondruck vs. Siebdruck: Siebdruck für ebene oder leicht gewölbte Flächen mit größeren Druckflächen; Tampondruck für stark gewölbte, unebene oder schwer zugängliche 3D-Oberflächen. Bei geraden Flächen ist Siebdruck oft günstiger und schneller.
Tampondruck vs. UV-Direktdruck: UV-Flachbettdrucker können nur ebene bis leicht geneigte Flächen bedrucken (maximal ~50 mm Objekthöhe). Tampondruck bedruckt stark gewölbte und zylindrische Objekte. UV-Druck ist fotorealistisch und ohne Klischee; Tampondruck ist wirtschaftlicher bei Hochauflagen auf 3D-Substraten.
Tampondruck vs. Laser-Gravur: Gravur entfernt Material; kein Farbauftrag; dauerhafter als Druck auf Hochglanzoberflächen. Tampondruck schneller für farbige Motive; Gravur für Einzelstücke und maximale Beständigkeit.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum haftet Tampondruck manchmal schlecht auf bestimmten Kunststoffen? Polyolefin-Kunststoffe (PE, PP) haben eine sehr niedrige Oberflächenenergie (30–32 mN/m) und sind extrem schwer zu bedrucken. Ohne Vorbehandlung (Flammung, Coronabehandlung, Plasmaaktivierung oder Primer) hält keine Tampondruckfarbe dauerhaft. Nach Aktivierung steigt die Oberflächenenergie auf 38–42 mN/m an – dann haftet die Farbe zuverlässig.
Für welche Auflagen lohnt Tampondruck? Tampondruck ist bei Auflagen ab ca. 100 Stück wirtschaftlich (Klischeekosten amortisieren). Bei Auflagen über 10.000 Stück ist Tampondruck eine der günstigsten Lösungen pro Stück. Für Einzelstücke oder Kleinstserien sind Laser-Gravur oder UV-Inkjet besser geeignet.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
- Online: ITW Trans Tech (Tampondruckhersteller) – www.transtech.de
- Online: Tampoprint AG (Maschinenhersteller) – www.tampoprint.de
- Online: Pad Print Machinery of Vermont – www.padprintmachinery.com
