Grossformat-Rollendruck (Roll-to-Roll-Druck) ist ein digitales Tintenstrahldruckverfahren für flexible Medien – Papier, Folie, Textil, Plane – die auf einer Eingaberolle vorliegen und nach dem Bedrucken auf einer Ausgaberolle aufgewickelt werden.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Roll-to-Roll-Druck (R2R), Großformatdruck auf Rolle, Wide-Format Roll Printing (engl.), Eco-Solvent-Druck, Latex-Druck, UV-Roll-Druck
Was ist Grossformat-Rollendruck?
Grossformat-Rollendrucker sind Tintenstrahldrucker mit Druckbreiten von 0,6 bis 5,2 Metern, die speziell für flexible Rollenmedien ausgelegt sind. Sie werden in der Werbetechnik, Messe- und Eventbranche sowie im Innen- und Außenbereich eingesetzt, wo große Flächen kostengünstig und schnell bedruckt werden müssen. Die drei dominierenden Tintentechnologien sind Eco-Solvent, Latex und UV-Roll-to-Roll – jede mit eigenen Stärken.
Erklärung
Eco-Solvent-Druck
Eco-Solvent-Tinten basieren auf schwachflüchtigen organischen Lösemitteln (Ester, Glykolether), die schonend genug für die Druckköpfe sind, aber ausreichend Haftung auf Vinyl-, Folie- und Textilsubstraten bieten. Die Trocknung erfolgt durch Verdampfen der Lösemittel in einem beheizten Trocknungskanal am Drucker. Vorteile: günstige Tinten, breite Substratpalette, gute Witterungsbeständigkeit (2–5 Jahre unkaschiert im Außenbereich). Nachteile: VOC-Ausstoß, benötigt Belüftung.
Typische Substrate: Selbstklebende PVC-Folie, Frontlit-Banner (PVC-Plane), Backlit-Folie, Mesh-Textil, Fahnen-Polyester (mit Sublimation).
Latex-Druck
HP entwickelte die Latex-Tintentechnologie als Antwort auf VOC-Probleme: Latex-Tinten sind wasserbasiert, die farbgebenden Pigmente sind in einem Polymer-Latex eingebettet. Im Drucker wird die Bahn erhitzt (70–100 °C), das Wasser verdampft, und das Latex bildet eine dauerhafte Filmschicht. Keine VOC, kein Geruch, sofort weiterverarbeitbar.
Substrate: wie Eco-Solvent, zusätzlich textile Anwendungen ohne Sublimation; auch ungestrichene Tapeten, Leinwand. Nachteil: Druckköpfe und Maschinen teurer; weniger Substratbandbreite als Eco-Solvent.
UV-Roll-to-Roll
UV-Roll-Drucker arbeiten wie UV-Flachbettdrucker (UV-härtende Tinten, sofortige Polymerisation), aber mit Rollenführung statt Flachbett. Sofort scheuerfest, kein Ausgasen, auch auf nicht saugenden Substraten. Vorteil: schärfste Druckqualität, beste Kratzfestigkeit, auch opake Weiß-Tinte für transparente Folien. Nachteil: höchste Tintenkosten, Maschinen teuer.
Druckbreiten und Geschwindigkeit
Rollendrucker werden in drei Klassen eingeteilt:
- Desktop/Proof: < 1 m Breite, Fotodruckqualität, für Proofs und kleine Schilder.
- Midrange: 1,3–1,6 m, das meistgenutzte Format in Werbetechnikbetrieben.
- Large/Produktions: 2,5–5,2 m, für Banner, Planen, Hintergrundflächen.
Produktionsgeschwindigkeit: 15–80 m²/h je nach Qualitätsmodus.
Anwendungsfelder
- Außenwerbung: Banner, Planen, Großflächen-Foliebeklebung (Car Wrap, Glasdekorfolie).
- Messebau: Rollup-Banner, Systemwand-Bespannungen.
- Innenraumgestaltung: Tapeten, Akustikpaneele, Fensterdekor.
- Eventdruck: Photowalls, Backdrops, Bodenbedruckung.
- Textil: Direkt auf Fahnen und Flaggen (mit Sublimation-Prinzip oder Textil-Tinten).
Beispiele
- Stadtfest-Plane: 20 × 1,5 m PVC-Banner mit Eco-Solvent gedruckt, 500 g/m² Frontlit-Gewebe, ösengeheftet – klassisches Produkt jeder Werbetechnikwerkstatt.
- Schaufensterfolie: Selbstklebende Perforationsfolie (50/50 Lochung) auf Ladenfenster – Innen unsichtbar, von außen Motiv erkennbar; Eco-Solvent auf Inkjet-Perfperfofolie.
- Rollup-Display: 85 × 200 cm Polyester-Fahne auf Kassettenständer, Latex-Druck, nach der Messe immer wieder einsetzbar.
- Car Wrapping-Folie: Selbstklebende Cast-Folie mit Luftkanälen (z. B. Avery Dennison, Orafol), Eco-Solvent, 3M-zertifizierter Laminatschutz.
- Maschinenhersteller: Roland DG (TrueVIS, VG3), Mimaki (JV300, JFX), HP (Stitch, Latex 300/500/700), Epson (SC-S-Serie), mutoh.
In der Praxis
Dateivorbereitung: Enddatenformat in der tatsächlichen Größe; Auflösung bei Außenplakatierung 50–100 dpi (Sichtabstand > 3 m), bei Rollups 150–200 dpi. RGB-Daten (sRGB oder AdobeRGB) oder CMYK mit gerätespezifischem ICC-Profil. Beschnittzugabe: Banner 10–15 mm (für Saum und Ösen), Folie 5 mm. Textdaten: Vektoren bevorzugen; Schriftgröße mind. 30 pt für Lesbarkeit auf 3 m. Dateiformate: PDF/X-4, AI, EPS. Bei Rollenware: Ausrichtung des Motivs zur Druckrichtung (Medienbreite = Motivbreite) beachten.
Vergleich & Abgrenzung
UV-Flachbettdruck ergänzt Rollendruck für starre Substrate – beide Technologien werden in Werbetechnikbetrieben oft kombiniert. Siebdruck ist günstiger bei hohen identischen Stückzahlen auf Standard-Textilien (T-Shirts). Sublimationsdruck erzielt weichere Farben auf Polyester-Textilien für Fahnen. Digitaldruck auf Papier (Bürodruck) nutzt andere Tintensysteme – nicht für Außenbereich geeignet.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange hält gedruckte Außenwerbung? Das hängt von Tinte, Substrat und Laminierung ab: Eco-Solvent unkaschiert auf guter PVC-Folie hält 2–3 Jahre im Freien; mit UV-Laminat 5–7 Jahre. HP Latex mit Laminat bis 5 Jahre. UV-Roll-to-Roll laminiert bis 7 Jahre. Direktes Sonnenlicht (Südfassade) verkürzt die Lebensdauer um 30–50 %. Die Substratanbieter (3M, Avery, Orafol) zertifizieren ihre Produkte für definierte Expositionszeiten.
Kann ich Rollendruck auch für Kleinstauflagen nutzen? Ja – Rollendruck ist schon ab Stückzahl 1 (einem Banner) sinnvoll. Die Mindestberechnung beim Dienstleister basiert meist auf Mindestlaufmeter (1–2 m) oder Mindestbestellwert, nicht auf der Auflage. Individuelle Motive sind kein Problem, da keine Druckplatte oder Sieb erstellt werden muss.
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Weiterführend
- Kipphan, H. (Hrsg.) (2000): Handbuch der Printmedien. Heidelberg: Springer.
- FESPA – Federation of European Screen Printers Associations: Roll-to-Roll & Wide Format Guide. fespa.com
- Roland DG: Tintentechnologie-Vergleich Eco-Solvent, Latex, UV. rolanddg.de
- HP Inc.: HP Latex Printing Technology. hp.com/latex
