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Siebdruck ist ein Durchdruckverfahren, bei dem Farbe mit einer Rakel durch ein bespanntes, teils abgedecktes Gewebe (Sieb) auf das Substrat gedrückt wird.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Serigrafie, Schablonendruck, Siebdruckverfahren, Screen Printing, Screenprint

Was ist Siebdruck?

Siebdruck ist eines der ältesten und vielseitigsten Druckverfahren der Welt. Es stammt aus der japanischen Schablonentechnik (Katagami) des frühen Mittelalters und wurde im 20. Jahrhundert industrialisiert. Das besondere am Siebdruck: Es lässt sich auf nahezu jede flache oder leicht gewölbte Oberfläche anwenden – Papier, Karton, Textilien, Holz, Metall, Glas, Keramik, Kunststoff und sogar gedruckte Leiterplatten (PCBs). Kein anderes Druckverfahren bietet eine vergleichbare Substratvielfalt kombiniert mit opaken, kräftigen Farbschichten.

Funktionsprinzip

Das Sieb ist ein mit einem feinen Gewebe bespannter Rahmen. Historisch aus Seide (daher „Seidensiebdruck"), heute aus Polyester- oder Edelstahlgewebe mit Maschenweiten von 21 bis 165 T (Fäden pro cm). Das Gewebe wird mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet und mit einem Positiv-Film oder direkt per CTS (Computer to Screen) belichtet. An belichteten Stellen härtet die Emulsion aus; an unbelichteten (druckenden) Stellen wird sie ausgewaschen – es entsteht eine Schablone.

Im Druckvorgang wird Farbe auf das Sieb gegeben und mit einer Gummirakel über das Motiv gezogen. Die Rakel presst die Farbe durch die offenen Maschen des Gewebes auf das Substrat. Bereiche, an denen die Emulsion das Gewebe versiegelt, lassen keine Farbe durch. Jede Farbe benötigt ein eigenes Sieb.

Die Farbschichtdicke ist beim Siebdruck deutlich größer als bei anderen Verfahren: 5–100 µm (Mikrometer), bei Spezialdrucken (z. B. Volumenfarben, Glitter) bis 500 µm. Das ergibt intensive, opake Farben und spezielle haptische Effekte (Reliefeffekte, Gummierungen, Retroreflexion).

Maschinensiebdruck: Karussell-Maschinen (Revolveranlagen) drucken bis zu 1.000–1.500 Textilien pro Stunde mit bis zu 14 Farbstationen. Flachbett-Siebdruckmaschinen verarbeiten Papier, Karton und Platten. Zylindersiebdruck (Rotationssiebdruck) wird für Tapeten und Textilbahnen verwendet.

Handsiebdruck: Kleinauflagen und Sonderprodukte werden manuell mit einem Holz- oder Aluminiumrahmen und Rakel gedruckt. Beliebt im Indie-Bereich, für Künstlerdrucke und in Schulen.

Einsatzgebiete

  1. Textilien – T-Shirts, Hoodies, Sporttrikots, Taschen; opake, waschechte Farben auf Baumwolle und Polyester
  2. Elektronik und Industrie – Leiterplattenbestückung mit Lötstopplack, Leiterbahnen-Druck, Membrantastaturen
  3. Werbeschilder und Displays – PVC-Platten, Alu-Dibond, Acryl; wetterbeständige Außenbeschilderung
  4. Papier und Karton – Veredelungsdruck (Spotlack, Glitter, Thermochromie) auf Verpackungen und Karten
  5. Glas und Keramik – Keramikfarben für Glasscheiben, Logos auf Flaschen und Becher (ofengehärtet)

Vorteile & Nachteile

Vorteile:

  • Deckende, intensive Farbschichten auch auf dunklen Substraten (Weiß auf Schwarz möglich)
  • Breite Substratpalette: fast jede Oberfläche bedruckbar
  • Spezialfarben: Metallic, Fluoreszenz, Glow-in-the-Dark, Hochglanz, Relief, Retroreflexion
  • Dauerhafte Ergebnisse: hohe Wasch- und Wetterbeständigkeit
  • Wirtschaftlich bei mittleren Auflagen ab ca. 20–50 Stück je Motiv
  • Keine digitalen Vordruckkosten für Maschinen (nur Siebherstellung)

Nachteile:

  • Jede Farbe erfordert ein eigenes Sieb (Sieberstellungskosten 15–80 Euro/Sieb)
  • Kein Fotorealistischer Druck möglich (Halbtonraster müssen extra belichtet werden)
  • Feinste Details und kleine Schriften schwierig zu realisieren (unter 0,5 mm problematisch)
  • Ungeeignet für stark gekrümmte Oberflächen (Zylinder → Tampondruck besser)
  • Umrüstaufwand bei Farbwechsel; Siebe müssen regeneriert werden

In der Praxis

Mindestauflage: Je nach Anbieter ab 20–50 Stück je Farbe/Motiv; Handsiebdruck schon ab 10 Stück.

Kosten: Günstig bis mittel; Siebkosten 15–60 Euro pro Farbe (einmalig), Druckkosten 1–5 Euro je Stück bei Textilien (abhängig von Farben und Auflage). Stückkosten sinken stark mit Auflage.

Lieferzeit: 5–10 Werktage (Siebherstellung + Druck + Trocknung).

Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:

  • Farbmodus: Spotfarben (keine CMYK-Raster; Farben als Schmuckfarben oder Pantone angeben)
  • Vektordaten bevorzugt: AI, EPS oder PDF mit Vektorgrafiken (kein Raster)
  • Maximale Farbanzahl: abhängig von Siebanzahl; typisch 1–8 Farben
  • Mindestlinienstärke: 0,5 mm (Strichzeichnung); Schriften ab 8–12 pt (je nach Schriftschnitt)
  • Trapping: zwischen Farben 0,3–0,5 mm Überlappung einplanen (Druckerei gibt Vorgabe)
  • Datenformat: Vektordatei (AI, EPS, PDF) in Endgröße, Pfade ohne Überfüllung

Vergleich & Abgrenzung

Siebdruck vs. DTG (Direct to Garment): DTG druckt fotorealistisch und ohne Siebkosten, aber Farben sind weniger deckend auf dunklen Textilien, weniger waschecht und bei großen Auflagen teurer. Siebdruck schlägt DTG ab ca. 50 Stück bei Einzel- und Zweifarbmotiven.

Siebdruck vs. Sublimationsdruck: Sublimation nur auf Polyester, keine weißen oder hellen Farbschichten auf dunklem Untergrund. Siebdruck universell für alle Fasern und Oberflächen.

Siebdruck vs. Flexodruck: Flexodruck ist schneller und günstiger für Verpackungen in hohen Auflagen; Siebdruck bietet dickere Farbschichten und breitere Substratpalette für Sonderanwendungen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Farben sind im Siebdruck möglich? Technisch unbegrenzt, aber wirtschaftlich meist 1–8 Farben. Jede zusätzliche Farbe erfordert ein eigenes Sieb, eigene Druckstation und erhöht Kosten und Rüstzeit. Profi-Karussellmaschinen haben bis zu 14 Stationen; manuelle Setups typisch 4–6. Für fotorealistische Motive besser auf DTG oder Sublimation ausweichen.

Ist Siebdruck auf Baumwolle waschbar? Ja, mit richtigen Plastisol- oder Wasserbasisfarben und korrekter Trocknung (Fixierung bei 160–180 °C) ist Siebdruck sehr waschecht (industriell bis 60 °C, oft 80–100 Wäschen ohne merklichen Qualitätsverlust). Entscheidend ist die Trocknung: unzureichend fixierte Siebdrucke blättern bereits nach wenigen Wäschen ab.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Ingold, Peter (2014): Siebdruckpraxis. Beruf + Schule Verlag, Itzehoe.
  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Online: Siebdruckforum Deutschland – www.siebdruckforum.de
  • Online: Specialty Graphic Imaging Association (SGIA) – www.printing.org
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