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Sublimationsdruck ist ein Transferdruckverfahren, bei dem Dispersionsfarbstoffe durch Wärme (180–210 °C) vom Trägerpapier in Polyesterfasern oder polyesterbeschichtete Substrate sublimieren und dort dauerhaft fixiert werden.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Dye-Sublimation, Sublimationstransfer, Dye-Sub, Thermosublimation

Was ist Sublimationsdruck?

Sublimationsdruck ist eines der vielseitigsten und qualitativ hochwertigsten Verfahren für Textil- und Werbemittelproduktion. Es ermöglicht fotorealistische, randlose Drucke auf Textilien, Keramik, Metall, Glas und fast jedem Substrat, das mit einer Polyesterbeschichtung versehen ist. Der besondere Vorteil: Die Farbe wird physikalisch-chemisch in das Material eingebettet (nicht aufgetragen) – das Ergebnis ist waschecht, kratzfest und fade-resistent. Sublimationsdruck ist in der Sportbekleidungsindustrie, in der Werbeartikelfertigung (Tassen, Mousepads, Fotopanels) und im Großformattextildruck weit verbreitet.

Funktionsprinzip

Das Wort „Sublimation" bezeichnet den physikalischen Phasenübergang von fest zu gasförmig, ohne den Umweg über die flüssige Phase. Im Druckprozess:

  1. Drucken auf Transferpapier: Mit einem Inkjet-Drucker (ausgestattet mit Sublimationstinte) wird das spiegelverkehrte Motiv auf spezielles Sublimations-Transferpapier gedruckt. Die Tinte liegt in der Druckphase noch als fester Farbstoff auf dem Papier.
  2. Wärmeübertragung (Pressvorgang): Das bedruckte Transferpapier wird mit dem Substrat (z. B. Polyesterhemd) in Kontakt gebracht und in eine Wärmepresse eingelegt. Bei 180–210 °C und einem Druck von 3–5 bar über 30–60 Sekunden sublimiert der Farbstoff: Er wird gasförmig und dringt in die Poren des Polyestermaterials (oder der Polyesterbeschichtung auf Keramik, Metall etc.) ein.
  3. Fixierung: Beim Abkühlen kondensiert der Farbstoff und ist dauerhaft in der Faser oder Beschichtung eingeschlossen. Das Papier wird entfernt; es bleibt keine aufgetragene Farbschicht auf der Oberfläche – die Farbe ist Teil des Materials.

Druckeigenschaften: Da die Farbe in die Oberfläche einzieht, ist sie nicht tastbar, hat kein Gewicht und ist vollständig wasch- und abriebfest. Die Farbbrillanz ist außergewöhnlich hoch; Sublimationsdrucke auf weißem Polyester oder weißer Polyesterbeschichtung erreichen einen Farbraum, der selbst den sRGB-Farbraum übertrifft.

Limitierung Polyester: Sublimation funktioniert ausschließlich auf Polyesterfasern (oder mit Polyester-Blends ab mind. 65 % Polyesteranteil, mit eingeschränkter Qualität) und auf Substraten mit Polyesterbeschichtung. Auf reiner Baumwolle funktioniert Sublimation nicht.

Industrielle Systeme: Großformat-Sublimationsdrucker (z. B. Epson SureColor SC-F, Mimaki TS55, Durst Alpha) drucken auf Rollensubstrat bis 3,2 m Breite mit Geschwindigkeiten von 50–250 m²/h. Inline-Kalander (Rollenkalandriermaschine) laminieren Transferpapier und Textilbahn unter Hitze gemeinsam ab.

Einsatzgebiete

  1. Sportbekleidung und Funktionskleidung – Trikots, Laufshirts, Schwimmbekleidung; vollflächiger Druck inklusive Ärmel und Nähte
  2. Werbeartikel – Fototassen, Mousepads, Keramikfliesen, Handyhüllen, Puzzles, Kronkorken
  3. Homeware und Dekoration – Kissen (Polyesterstoff), Vorhänge, Bettwäsche (100 % Polyester)
  4. Outdoor-Werbung und Softsignage – Messedisplays, Roll-ups, Fahnen auf Polyestergewebe; wetterbeständig
  5. Fotopanels und Wandbilder – Aluminium-Dibond mit Polyesterlack, Chromaluxe-Platten; galeriereife Fotodrucke

Vorteile & Nachteile

Vorteile:

  • Fotorealistische, brillante Farben; größerer Gamut als bei Pigment- oder Reaktivdruck
  • Farbe ist dauerhaft in Material eingebettet: keine Rissbildung, kein Abblättern, sehr waschecht
  • Randloser Druck problemlos möglich (keine weißen Ränder)
  • Keine Farbschicht auf der Oberfläche: weiches Griffgefühl, kein Mehrgewicht
  • Schnelle Produktion bei kleinen Auflagen; vollautomatisch
  • Geeignet für Einzelstücke bis mittlere Auflagen

Nachteile:

  • Nur auf Polyester oder Polyesterbeschichtungen möglich (Baumwolle nicht geeignet)
  • Weiße oder helle Ausgangsfläche nötig (keine Unterdruckfähigkeit auf dunklen Substraten)
  • Sublimat-Tinten kosten mehr als Standard-Inkjet-Tinten
  • Sublimierte Farben sind an Sonnenlicht gebunden (UV-Beständigkeit je nach Tinte: 2–5 Jahre Outdoor)
  • Transferpapier ist Einwegmaterial (Ressourcenverbrauch)

In der Praxis

Mindestauflage: Ab 1 Stück wirtschaftlich; kein Minimum, keine Plattenkosten.

Kosten: Mittel; Materialkosten (Tinte + Transferpapier + Substrat) für A4: 0,50–2,00 Euro; Werbetasse komplett: 3–8 Euro; Sportshemd komplett: 8–25 Euro je nach Auflage.

Lieferzeit: 1–3 Tage für Kleinstmengen; 5–10 Tage für größere Textilauflagen.

Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:

  • Farbmodus: RGB (sRGB IEC61966-2.1); Sublimation hat breiten Gamut, der im CMYK-Workflow nicht voll ausgenutzt wird
  • Auflösung: 150–300 dpi (Textil Großformat: 150 dpi ausreichend; Foto-Panels: 300 dpi)
  • Motiv spiegelverkehrt anlegen (wird beim Pressvorgang umgekehrt)
  • Beschnitt: 5–10 mm über den Substratrand hinaus (für randlosen Druck)
  • Farben: leuchtendes RGB; Schwarz als vollgesättigtes Composit-Schwarz (kein Grau)
  • Dateiformat: PDF, TIFF, JPEG (hochwertig); Farbmanagement-Profile mitliefern

Vergleich & Abgrenzung

Sublimation vs. DTG (Direct to Garment): DTG druckt direkt auf das Textil ohne Transferpapier und kann auch auf Baumwolle drucken; Farben liegen auf der Oberfläche und können mit der Zeit einreißen. Sublimation gibt brillantere Farben und ist auf Polyester dauerhafter, aber auf Baumwolle nicht möglich.

Sublimation vs. Thermotransfer: Thermotransfer klebt eine Folienschicht auf das Substrat; Sublimation bettet Farbe in das Substrat ein. Thermotransfer fühlt sich plastisch an; Sublimation ist nicht tastbar. Für Weichheit und Qualität gewinnt Sublimation; für Sondermaterialien ist Thermotransfer flexibler.

Sublimation vs. Siebdruck: Siebdruck bietet deckende Farben auf dunklen Stoffen, mehr Farboptionen (Metallic, Fluoreszenz) und ist auf nicht-Polyester möglich. Sublimation bietet fotorealistische Verläufe, kein Mehrgewicht und weicheres Finish.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich eine Sublimations-Tasse in die Spülmaschine geben? Ja, in der Regel sind sublimierte Keramiktassen spülmaschinenfest. Die Farbe ist in der Polyesterbeschichtung eingebettet und wird durch normale Spülvorgänge nicht beschädigt. Aggressive Reinigungsmittel, Scheuerpads oder sehr lange Heißspülprogramme können die Beschichtung langfristig schwächen. Handwäsche verlängert die Lebensdauer.

Warum können dunkle Shirts nicht sublimiert werden? Sublimationstinte ist transparent und mischt sich optisch mit der Substratfarbe. Auf weißem Polyester erscheinen die Farben brillant. Auf schwarzem Polyester werden die transpárenten Farben durch das Schwarz absorbiert und sind kaum sichtbar. Es gibt kein deckungsfähiges Weiß in der Sublimation. Für dunkle Textilien ist Siebdruck (mit Weißunterdruckschicht) oder DTG (mit Vorbehandlung) besser geeignet.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Leach, Robert H. et al. (2007): The Printing Ink Manual. Kluwer Academic Publishers.
  • Online: Sawgrass Technologies (Sublimationstinten-Hersteller) – www.sawgrassink.com
  • Online: Epson SureColor Sublimation (Druckerdaten) – www.epson.de
  • Online: Fachverband Medien und Werbetechnik (FMW) – www.fmw-online.de
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