Tiefdruck ist ein Druckverfahren, bei dem das Druckbild in Form kleiner Näpfchen in einen Metallzylinder graviert wird, die beim Druckvorgang Farbe aufnehmen und direkt auf den Bedruckstoff abgeben.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Druckverfahren · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Rotationstiefdruck, Intaglio (im Wertpapierdruck), Gravürdruck, Rakeldruck
Was ist Tiefdruck?
Tiefdruck ist das Hochauflagenverfahren schlechthin. In der Zeitschriftenindustrie war Tiefdruck jahrzehntelang das Standardverfahren für Hochglanzmagazine wie Stern, Bunte oder Spiegel in Auflagen von einer Million Exemplaren und mehr. Im Verpackungsdruck dominiert er bei Flexiblen Verpackungen, Tapeten und dekorativen Folien. Das Kennzeichen: Das Druckbild ist physisch in den Druckzylinder eingraviert – ein unveränderliches, hochpräzises Druckwerkzeug, das für Millionen Drucke ausgelegt ist. Die Druckformherstellung ist teuer, die Stückkosten bei Hochauflagen dafür extrem gering.
Funktionsprinzip
Der Druckzylinder aus Stahl wird galvanisch mit einer Kupferschicht überzogen. In diese Kupferoberfläche werden mittels Elektronenstrahl-Gravur (EDG), Laserdirektkopier (LDC) oder elektromechanischer Gravur Näpfchen eingraviert. Die Näpfchen variieren in Tiefe (4–60 µm) und Fläche und erzeugen so unterschiedliche Grauwertstufen (im Tiefdruck entspricht Tiefe = Farbmenge = Tonwert). Moderne Tiefdruckzylinder haben bis zu 60 Linien pro Zentimeter (entspricht ca. 150 lpi), was eine sehr feine Tonwertauflösung ermöglicht.
Im Druckprozess taucht der Zylinder in ein Farbbad mit dünnflüssiger Lösemitteltinte. Die Farbe füllt alle Näpfchen. Eine Rakel streicht überschüssige Farbe von der Zylinderoberfläche ab; nur in den Näpfchen verbleibt Farbe. Wenn der Zylinder auf das Substrat trifft (Papier, Folie), wird die Farbe durch Kapillarwirkung und Druck aus den Näpfchen gesaugt und auf das Substrat übertragen. Die Trocknung erfolgt durch Verdampfung des Lösemittels in einem Trocknerkanal.
Merkmale der Tiefdruckfarbe: Sehr dünnflüssig (niedrige Viskosität, 15–25 Sekunden im Fordbecher), schnell trocknend. Lösemittelbasiert (Toluol, Ethylacetat) oder wasserbasisiert. Das Lösemittel wird im Druckwerk aus Umweltschutzgründen fast vollständig rückgewonnen und wiederverwertet.
Druckgeschwindigkeit: 10–15 Meter pro Sekunde, was 750–1.000 m/min entspricht. Bei einem Format von ca. 600 mm Umfang ergibt das bis zu 100.000+ Exemplare pro Stunde (je nach Seitenanzahl).
Typisches Erkennungsmerkmal: Tiefdrucktexte zeigen beim Vergrößern eine charakteristische Sägezahnkante (Treppenstufen), weil kleine Schriftzeichen aus Näpfchen zusammengesetzt werden.
Einsatzgebiete
- Hochglanzmagazine und TV-Programmhefte – Auflagen 500.000 bis 5 Millionen; gleichmäßige Bildqualität über die gesamte Auflage
- Versandhauskataloge – Otto, Quelle (historisch); Tausende Seiten in Millionenauflage
- Flexible Lebensmittelverpackungen – Joghurtdeckel, Chipstüten, Tiefkühlverpackungen
- Tapeten und Dekorfolie – Dekorative Musterdrucke auf Kunststoff-, Metall- und Papiersubstraten (Möbeloberflächen)
- Wertpapierdruck – Banknoten, Briefmarken (Stichtiefdruck als Spezialform; extrem sicherheitsrelevant)
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Exzellente und gleichmäßige Druckqualität über lange Auflagen (Zylinder hält 10–15 Mio. Drucke)
- Sehr gute Farbkonstanz: keine Qualitätsschwankungen über Millionen Exemplare
- Extrem hohe Druckgeschwindigkeit (750–1.000 m/min)
- Sehr niedrige Stückkosten bei Hochauflagen (ab 200.000–500.000 Exemplare)
- Breite Substratpalette: Papier, Folien, Aluminiumfolien, Verbundmaterialien
Nachteile:
- Sehr hohe Druckformkosten (Gravurzylinder 2.000–10.000 Euro pro Farbe)
- Vorlaufzeiten 4–8 Wochen für Zylinderherstellung
- Wirtschaftlich erst ab Auflagen von 200.000+ Exemplaren
- Lösemitteleinsatz und Lösemittelrückgewinnungsanlage nötig (Investition, Betriebskosten)
- Keine variablen Daten möglich
- Änderungen an Druckformen nicht möglich (Zylinder muss neu graviert werden)
In der Praxis
Mindestauflage: Sinnvoll ab ca. 200.000 bis 500.000 Exemplaren; optimaler Einsatzbereich ab 1 Million aufwärts.
Kosten: Sehr hohe Anlaufkosten (Zylindergravur, Einrichten); niedrigste Stückkosten aller Verfahren bei Hochauflagen. Gesamtkosten für eine 500.000er Auflage eines 100-seitigen Magazins können mit Tiefdruck günstiger sein als mit Rollenoffset.
Lieferzeit: 4–8 Wochen ab Druckfreigabe (Gravur der Zylinder + Produktion).
Druckdaten-Anforderungen für Gestalter:
- Farbmodus: CMYK (ISO Gravure; Profil PSRgravureSCv32012 oder ähnlich)
- Auflösung Bilder: 300 dpi bei Endformat; Tiefdruck verzeiht wenig Bewegungsunschärfe in Bilddaten
- Beschnitt (Bleed): 5 mm (breit wegen Schnitttoleranz bei Rollenproduktion)
- Tonwertverteilung: Lichter (Highlights) in Tiefdruck können nicht unter 10–15 % Tonwert gedruckt werden (keine Näpfchen = kein Druck) → sehr helle Töne verschwinden
- Schriften: ab 8 pt empfohlen; kleine Schriften zeigen Sägezahneffekt
- Dateiformat: PDF/X-4 oder PDF/X-1a; teils liefern Druckereien eigene Preflight-Profile
Vergleich & Abgrenzung
Tiefdruck vs. Rollenoffset: Rollenoffset ist bei Auflagen bis 300.000–500.000 wirtschaftlicher; darüber gewinnt oft Tiefdruck. Druckqualität bei Halbtonbildern auf gestrichenen Papieren ist im Tiefdruck oft noch gleichmäßiger und farbintensiver.
Tiefdruck vs. Flexodruck: Flexodruck hat niedrigere Druckformkosten und ist bei flexiblen Verpackungen die Alternative; Tiefdruck bietet höhere Qualität und Farbstabilität, ist aber teurer in der Vorstufe.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum gibt es immer weniger Tiefdruckereien? Die Verlagerung von Hochauflagen-Zeitschriften ins Digitale (Online-Publikationen, Tablets) hat Auflagen stark reduziert. Viele Zeitschriften liegen heute unter 100.000 Exemplaren und werden damit für Tiefdruck unwirtschaftlich. Rollenoffset und Heatset-Offset haben in diesem Segment Marktanteile gewonnen. Im Verpackungssektor ist Tiefdruck noch stark; für Papierprodukte ist er ein auslaufendes Verfahren.
Wie erkennt man Tiefdruck? Vergrößern Sie eine kleine Schrift (unter 8 pt) im Tiefdruckerzeugnis: Sie sehen ein charakteristisches Treppenmuster an den Buchstabenkanten, das durch die Näpfchenstruktur entsteht. Vollflächige Farben dagegen wirken sehr gleichmäßig und tief. Ein weiteres Merkmal: Der Griff der Druckseite fühlt sich leicht rau an (die Farbe liegt erhaben).
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Weiterführend
- Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
- European Rotogravure Association (ERA) (2020): Gravure in Europe – Status Report. ERA, München.
- Online: European Rotogravure Association – www.era.eu.com
- Online: Bundesverband Druck und Medien (bvdm) – www.bvdm-online.de
