Papiergrammatur ist das Flächengewicht eines Papiers in Gramm pro Quadratmeter (g/m²) – die zentrale Kennzahl, die Dicke, Steifigkeit, Haptik und Druckeignung eines Papiers beschreibt.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Papier & Materialien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Flächengewicht, Grammatur, Basis-Gewicht, gsm (grrams per square metre), Papiergewicht
Was sind Papiergrammaturen?
Wenn ein Drucker oder Gestalter von „80 Gramm Papier" spricht, meint er Papier mit einem Flächengewicht von 80 g/m². Das bedeutet: Ein Quadratmeter dieses Papiers wiegt genau 80 Gramm. Diese Maßeinheit ist international standardisiert (DIN EN ISO 536) und ermöglicht einen objektiven Vergleich unabhängig von Papierformat oder Dicke.
Die Grammatur ist nicht identisch mit der Dicke: Ein voluminöses Naturpapier (80 g/m²) kann dicker sein als ein kalandriertes Hochglanzpapier (90 g/m²). Die tatsächliche Dicke wird in Mikrometern (µm) oder Millimetern gemessen und als Caliper bezeichnet.
Eigenschaften & Spezifikationen
Standardgrammaturen und Anwendungsbereiche:
| Grammatur | Materialtyp | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| 40–60 g/m² | Seidenpapier, Transparentpapier | Laternenpapier, Einschlagpapier |
| 60–80 g/m² | Zeitungspapier, LWC | Zeitungen, Massendrucksachen |
| 80 g/m² | Kopierpapier Standard | Bürodruck, Bücher |
| 90–100 g/m² | Offsetpapier | Bücher, Zeitschriften innen |
| 115–135 g/m² | Gestrichenes Papier | Flyer, Broschüren |
| 150–170 g/m² | Schweres gestrichenes | Kataloge, Prospekte |
| 200–250 g/m² | Leichter Karton | Postkarten, Buchumschläge |
| 300–400 g/m² | Karton | Visitenkarten, Faltschachteln |
| ab 600 g/m² | Pappe | Buchdeckel, Verpackungskarton |
Volumen und Bulk: Für Bücher ist neben der Grammatur der Bulk-Faktor (Volumen, cm³/g) entscheidend. Hochvolumiges Papier hat bei gleicher Grammatur eine größere Dicke:
- Standard-Offset 90 g/m²: ca. 100–110 µm Dicke
- Hochvolumen-Naturpapier 90 g/m²: ca. 130–150 µm Dicke
- Dünndruck 60 g/m² (Bibeldruck): ca. 45–55 µm
Gewichtsberechnung: Mit der Grammatur lässt sich das Gewicht einer Druckauflage berechnen:
- Papierfläche (m²) = Bogen-Breite (m) × Bogen-Höhe (m)
- Gesamtgewicht = Anzahl Bogen × Papierfläche × Grammatur (g/m²)
Beispiel: 1.000 Bogen A3 (0,297 m × 0,420 m) auf 115 g/m²: 1.000 × 0,1247 m² × 115 g/m² = 14.341 g ≈ 14,3 kg
Einsatzgebiete
- Büropapier und Kopieren: 80 g/m² ist der weltweite Standard – kompatibel mit praktisch allen Druckern und Kopierern.
- Buchpapier: 70–90 g/m² ungestrichenes Papier; voluminöse Sorten (Bulk 1,3+) für Sachbücher.
- Werbemittel und Kataloge: 115–150 g/m² gestrichenes Papier für lebendige Bildwiedergabe.
- Verpackungen: 200–450 g/m² Karton für Faltschachteln, Tragetaschen.
- Premiumdrucksachen: 300–400 g/m² für Visitenkarten, Grußkarten, Einladungen.
Drucktechnische Besonderheiten
Maschinenkompatibilität: Jede Druckmaschine hat Spezifikationen für die maximale und minimale Grammatur. Zu dünne Papiere (< 60 g/m²) können im Einzug knittern; zu schwere Kartons (> 400 g/m²) können nicht um die Druckzylinder gebogen werden.
Gewicht und Versandkosten: Ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Zeitschriften werden mit der geringstmöglichen Grammatur produziert, die noch ausreichende Qualität liefert – LWC 60–70 g/m² ist der Standard für massenproduzierte Magazine.
Papierdicke berechnen: Die Dicke ergibt sich aus Grammatur und Bulk-Faktor: Dicke (µm) = Grammatur (g/m²) × Bulk (cm³/g)
Wichtig: Grammatur ist immer das oven-dry-Gewicht (bei 105 °C getrocknet), gemessen nach DIN EN ISO 536. Feuchtigkeitsschwankungen können das tatsächliche Gewicht leicht verändern.
In der Praxis
Grammatur wählen – Faustregeln:
- Für Einzelblätter (nur vorne bedruckt): 80–115 g/m²
- Für Faltblätter und Flyer: 115–170 g/m²
- Für Softcover-Umschläge: 250–300 g/m² + Laminat
- Für Hardcover-Buchblock: 80–90 g/m²
- Für Visitenkarten: 350–400 g/m²
Gewichtsklassen im Handel: Papierhändler führen Grammaturlisten je Papiersorte. Standardlager-Grammaturen für gestrichenes Papier: 90, 115, 135, 150, 170, 200, 250, 300 g/m². Sondergrammaturen (z. B. 120, 160, 220 g/m²) sind auf Bestellung erhältlich.
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Definition | Einheit |
|---|---|---|
| Grammatur (g/m²) | Flächengewicht | g pro m² |
| Caliper / Dicke | Physikalische Dicke | µm oder mm |
| Bulk-Faktor | Volumen = Dicke/Grammatur | cm³/g |
| Steifigkeit | Widerstand gegen Biegung | mNm |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum ist 80-g/m²-Kopierpapier dünner als 80-g/m²-Buchpapier? Obwohl beide 80 g/m² wiegen, ist ihr Volumen unterschiedlich. Kopierpapier wird stark kalandriert (geglättet) und hat einen niedrigen Bulk-Faktor (ca. 0,95 cm³/g), also eine Dicke von ca. 76 µm. Voluminöses Buchpapier hat einen Bulk von ca. 1,3 cm³/g und ist damit ca. 104 µm dick – bei gleichem Gewicht deutlich dicker und steifer.
Was bedeutet „80 g/m² reicht nicht aus" für Doppelseitig-Druck? Bei 80-g/m²-Papier besteht Durchscheinungsgefahr (Show-through / Shadowing): Die Rückseite ist durch das Papier leicht erkennbar. Für doppelseitig bedruckte Bücher und Broschüren sollte die Opazität > 92 % sein, was bei dünneren Grammaturen durch Volumen (Bulk) oder besondere Opazitätsstreichmittel erreicht wird.
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Weiterführend
- DIN EN ISO 536:2020 – Papier und Pappe – Bestimmung des Flächengewichts. Beuth Verlag, Berlin.
- Kipphan, H. (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag.
- Online: Fogra – Technische Informationen zu Papier und Druck –
- Online: Papierwissen.de – Grammaturtabellen und Anwendungsübersichten –
