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Volumen-Papier ist ein Papier mit besonders hohem spezifischem Volumen (cm³/g), das bei gleicher Grammatur dicker, leichter und haptisch wertiger wirkt als Standardpapier.

Rubrik: Drucktechnik · Unterrubrik: Papier & Materialien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: voluminöses Papier, Werkdruckpapier, bulky paper, high-bulk paper

Was ist Volumen-Papier?

Das spezifische Volumen ist das Verhältnis von Papierdicke zu Papiergewicht und wird in cm³/g angegeben. Standardpapier hat ein Volumen von etwa 1,0–1,1 cm³/g. Ein Papier ab 1,2 cm³/g gilt als „voluminös", ab 1,5 cm³/g als „hoch voluminös". Konkret heißt das: Ein 90 g/m² Werkdruckpapier mit 1,8-fachem Volumen ist dicker als ein 100 g/m² Standardpapier — wiegt aber weniger. Volumen-Papier wird vor allem im Buchdruck eingesetzt, weil ein dickeres Papier mehr Buchrücken bei gleicher Seitenzahl erzeugt und das Buch wertiger aussehen lässt. Gleichzeitig wird der Postversand günstiger.

Erklärung

Volumen-Papier entsteht durch eine luftigere Faserverbindung im Papier-Herstellungsprozess: Längere, gröbere Fasern, weniger Pressdruck im Kalander und teils mineralische Füllstoffe geringer Dichte erzeugen ein Papier mit mehr Mikroluft im Inneren. Die bekanntesten voluminösen Papiere sind Munken (Arctic Paper), Salzer Werkdruck, Holmen Book und EOS (Stora Enso). Sie werden vor allem in Buchverlagen verwendet — Romane, Sachbücher, Lyrikbände — und in hochwertigen Imagebroschüren. Volumen-Papiere sind in der Regel ungestrichene Naturpapiere, weil die Strichschicht das Volumen reduzieren würde. Die Oberfläche ist warmweiß bis cremefarben und leicht rau, ideal für Lesetexte, weil die Augen weniger geblendet werden. Im Druck verhält sich Volumen-Papier wie Naturpapier: Tonwertzuwachs ist höher, Bilder wirken weicher und nicht so brillant wie auf gestrichenem Papier — das ist im Romandruck aber gewünscht, weil dort Text dominiert.

Beispiele

  • Beispiel 1: Roman 304 Seiten in Munken Premium Cream 90 g/m² 1.8-faches Volumen — Buchrücken ca. 22 mm, fühlt sich satt an.
  • Beispiel 2: Kinderbuch 32 Seiten in Holmen Book Cream 100 g/m² 2.0-faches Volumen — wirkt deutlich dicker als nötig, wertet das schmale Buch auf.
  • Beispiel 3: Lyrikband 96 Seiten in Munken Pure 120 g/m² 1.5-faches Volumen — feiner Hauch von Volumen ohne aufgeblähten Eindruck.
  • Beispiel 4: Imagebroschüre eines Architekturbüros mit Werkdruckpapier 120 g/m² 1.4-fach — kombiniert Lesefreundlichkeit mit Wertigkeit.
  • Beispiel 5: Magazinkonzept mit bewusst voluminösem Papier (Cover Magazin, 03 Magazin) — die taktile Erfahrung wird zum Markenzeichen.

In der Praxis

Volumen-Papier ist der entscheidende Hebel im Buchdesign, wenn du eine bestimmte Buchblockdicke erreichen willst. Vor jedem Buchprojekt rechnest du: Seitenzahl × Papierdicke = Buchblockdicke. Beispiel: 250 Seiten × 0,11 mm Standardpapier = 27,5 mm Rücken. Wechselst du auf 1,8-faches Volumen-Papier (0,16 mm pro Blatt), bekommst du 40 mm Rücken — das Buch wirkt sofort dreimal so substanziell. Wichtig: Volumen-Papier-Bücher müssen mit Fadenheftung gebunden werden, da die offene Faserstruktur bei Klebebindung schlechter hält. Für Druckpartner relevant: Volumen-Papier hat oft Längsfaser oder Schmalbahn — frag den Drucker, ob seine Maschine die richtige Laufrichtung verarbeitet. Im PDF-Setup achtest du auf Output-Intent „ISO Uncoated" oder „PSO Uncoated v3 (Fogra52)", weil Werkdruckpapier ungestrichen ist.

Vergleich & Abgrenzung

Volumen-Papier wird mit dickem Papier oder Naturpapier verwechselt — beides ist aber nicht dasselbe.

MerkmalVolumen-PapierStandardpapier gleicher Grammatur
spezifisches Volumen1,3–2,0 cm³/g1,0–1,1 cm³/g
Dicke bei 100 g/m²0,13–0,20 mm0,10 mm
Gewicht (gleiche Seitenzahl)leichterschwerer
Haptikluftig, voluminösdicht, fest
EinsatzBücher, PremiumMagazine, Mailings

Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet „1,8-faches Volumen"? Die Angabe bedeutet, dass das Papier 1,8-mal so dick ist wie ein Referenzpapier mit Volumen 1,0 bei gleicher Grammatur. Ein 90 g/m² Papier mit 1,8-fachem Volumen ist also etwa so dick wie ein 162 g/m² Standardpapier — wiegt aber nur 90 g/m².

Warum nutzen Buchverlage Volumen-Papier? Drei Gründe: Es wirkt wertiger (dickerer Buchrücken), ist leichter (besseres Lese-Handling und günstigerer Versand) und liest sich angenehmer (ungestrichene, warmweiße Oberfläche reflektiert weniger Licht). Romanverlage setzen es fast immer ein.

Weiterführend

  • Arctic Paper (2024): Munken Design Range — Papierhandbuch. arcticpaper.com
  • Hochuli, Jost (2020): Buchgestaltung als Denkschule. Hermann Schmidt Verlag.
  • Verband Deutscher Papierfabriken (2024): Papier-ABC. vdp-online.de
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