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Weißgrad beschreibt die Helligkeit und den Blauton einer Papieroberfläche (ISO-Helligkeit in Prozent); Opazität beschreibt die Lichtundurchlässigkeit eines Papiers – beide Werte sind entscheidend für Druckqualität und Lesbarkeit.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Papier & Materialien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: ISO-Helligkeit, Papierweißgrad, Brightness, Lichtundurchlässigkeit, Show-through, Durchscheinen


Was sind Weißgrad und Opazität?

Beide Werte beschreiben optische Eigenschaften von Papier, die für den Druck entscheidend sind:

Weißgrad (ISO Brightness): Gemessen nach ISO 2470, beschreibt die Reflexion von Licht bei 457 nm (blauviolettes Licht) auf der Papieroberfläche. Werte werden in Prozent angegeben. Je höher der Weißgrad, desto strahlend-weißer wirkt das Papier.

  • 104–106 % ISO: Optisch aufgehelltes Papier (OBA bringen Werte über 100 %)
  • 92–100 % ISO: Sehr weißes Kopierpapier und gestrichenes Papier
  • 80–92 % ISO: Naturpapier, cremiges Buchpapier
  • 55–75 % ISO: Recyclingpapier, graues Papier

CIE-Weißgrad: Ein zweites Weißmaß (DIN 53145), das das gesamte sichtbare Spektrum berücksichtigt und zudem den Blauanteil gewichtet. Strenger als ISO Brightness; wird häufig für Papierspezifikationen in der EU verwendet.

Opazität: Gemessen nach ISO 2471, beschreibt das Verhältnis der Lichtreflexion eines einzelnen Blatts über einer schwarzen Unterlage im Vergleich zu einer weißen Unterlage. Werte in Prozent:

  • 98–100 %: Vollständig opak, kein Durchscheinen
  • 92–97 %: Geringe Transparenz, für doppelseitigen Druck geeignet
  • 85–91 %: Merkliches Durchscheinen bei dunkel bedruckten Rückseiten
  • < 85 %: Stark durchscheinend (nur für einseitigen Druck geeignet)

Eigenschaften & Spezifikationen

Wie wird Weißgrad gemessen? Im Labor mit einem Spektrophotometer (z. B. Datacolor Elrepho). Das Gerät beleuchtet die Probe mit Licht bei 457 nm und misst die reflektierte Lichtmenge. Bei Werten über 100 % wird mehr Licht reflektiert als eingestrahlt – durch optische Aufheller (OBA), die UV-Strahlung in sichtbares blaues Licht umwandeln.

Optische Aufheller (OBA – Optical Brightening Agents): OBA sind fluoreszierende Substanzen, die Tageslicht-UV-Strahlung absorbieren und als blaues Licht (440–450 nm) wieder abgeben. Das menschliche Auge nimmt das Papier dadurch als blütenweiß wahr. Unter UV-Licht (Schwarzlicht) leuchten OBA-haltige Papiere deutlich.

Problem mit OBA: Optische Aufheller verblassen über Jahre (Vergilbung durch UV-Zerfall). Für Archivmaterialien, Kunstdrucke und langlebige Druckprodukte werden säure- und OBA-freie Papiere bevorzugt.

Einfluss auf Farbwiedergabe:

  • Hohes Papierweiß → Farben wirken leuchtender, Kontrastverhältnis ist größer
  • Warmton-Papier (naturweiß) → Farben wirken wärmer, Blautöne gedämpfter
  • Recyclingpapier (grau) → Farben wirken dumpfer, Schwärze wirkt besser

Einsatzgebiete

  1. Hochwertige Magazinproduktion: Gestrichenes Papier mit Weißgrad 90–96 % und Opazität 92–96 % für brillante Fotoreproduktionen beidseitig.
  2. Bücher und Fachpublikationen: Naturpapier 80–88 % ISO für augenschonende Langzeitlesbarkeit, Opazität > 92 % für doppelseitigen Textdruck.
  3. Archivmaterialien: OBA-freies Papier (Weißgrad 80–88 %, aber stabil) für Originalunterlagen, Urkunden, Künstlerdrucke.
  4. Recyclingpapier im Büro: 80–90 % ISO-Helligkeit – in modernen Deinking-Produkten kaum sichtbarer Unterschied zu Frischfaserpapier.
  5. Technische Dokumente und Pläne: Hohe Opazität essenziell für großformatige technische Zeichnungen, die auf Lichtpause oder Display gezeigt werden.

Drucktechnische Besonderheiten

Weißgrad und Farbkalibrierung: Die ICC-Farbprofile für Druckprozesse (z. B. PSO Coated v3, ISO Coated v2) berücksichtigen den Papierton. Bei unterschiedlichem Papierweiß weicht die reproduzierte Farbe ab – Softproofing und ICC-Profile müssen auf den tatsächlichen Papierweißgrad abgestimmt sein.

Tonwertzuwachs und Opazität: Ein opakes Papier druckt schärfere Töne – die Farbe dringt nicht in Schichten tiefer, die durchscheinen. Transparenteres Papier zeigt mehr Farbwechselwirkungen zwischen Vorder- und Rückseite (Durchschein-Problem bei doppelseitig bedruckten Magazinen).

Fluoreszierende Aufheller im UV-Druck: UV-härtende Druckfarben enthalten selbst UV-absorbierende Komponenten. Auf stark OBA-haltigem Papier kann die Fluoreszenz des Papiers die UV-Aushärtung beeinflussen – in der UV-Druck-Praxis zu beachten.


In der Praxis

Weißgradvergleich: Das beste Werkzeug ist ein einfaches Schwarzlicht (UV-Lampe). OBA-haltiges Papier leuchtet hell-blau. OBA-freies Papier zeigt keine Fluoreszenz. Dieser Test funktioniert zuverlässig im Direktvergleich.

Opazitätstest: Text auf ein Blatt Papier drucken, dann das zu testende Papier darüberlegen und gegen eine helle Lampe (oder ein Fenster) halten. Ist der Text gut erkennbar, ist die Opazität zu gering für doppelseitigen Druck.

Papierspezifikationen lesen: In Datenblättern von Papierherstellern (z. B. Sappi, Mondi) finden sich immer: ISO Brightness (%), Opacity (%), Caliper (µm) und Grammatur (g/m²). Diese vier Werte beschreiben das Papier vollständig.


Vergleich & Abgrenzung

PapiersorteWeißgrad (ISO)OpazitätBemerkung
Kopierpapier Premium102–106 %88–92 %Hohe OBA, gutes Weiß
Gestrichenes Bilderdruck90–96 %90–96 %Premiumdruck
Naturpapier (Munken)82–90 %90–97 %Kein OBA, cremefarben
Recyclingpapier (Blauer Engel)80–90 %88–94 %Kein OBA, nachhaltig
Zeitungsdruck55–68 %85–90 %Grauton, gering opak

Häufige Fragen (FAQ)

Warum leuchten manche Papiere unter Schwarzlicht? Optische Aufheller (OBA) absorbieren ultraviolettes Licht und emittieren es als sichtbares blaues Licht. Das lässt das Papier unter UV-Schwarzlicht hell leuchten. Papiere ohne OBA (z. B. Naturpapiere oder Recyclingpapiere nach Blauem Engel) leuchten nicht – dieser Test ist ein einfacher Feldtest für die Anwesenheit von OBA.

Was bedeutet Opazität 92 % für den Buchdruck? 92 % Opazität bedeutet, dass 8 % des Lichts das Papier durchdringen. Bei einem doppelseitig bedruckten Buchblock mit dunkel bedruckten Seiten ist ein leichtes Durchscheinen der Rückseite sichtbar. Für Fließtext-Bücher ist das akzeptabel; für Fotobücher oder Kunstkataloge wäre eine höhere Opazität (> 95 %) wünschenswert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • ISO 2470-1:2016 – Paper, board and pulps – Measurement of diffuse blue reflectance factor. ISO, Genf.
  • ISO 2471:2008 – Paper and board – Determination of opacity (paper backing). ISO, Genf.
  • Kipphan, H. (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag.
  • Online: Fogra – Papierkennwerte und Farbprofile –
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