← Zurück zu Drucktechnik
Dispersionslack ist ein wässriger, dünn aufgetragener Schutzlack, der nach dem Druckvorgang auf Papier oder Karton aufgebracht wird, um die Oberfläche vor Abrieb, Schmutz und Feuchtigkeit zu schützen und ihr ein einheitliches Erscheinungsbild zu verleihen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Wasserlack, Acryllack, Inline-Lack, Schutzlack


Was ist Dispersionslack?

Dispersionslack ist die am häufigsten eingesetzte Druckveredelung und in nahezu jeder professionellen Druckerei Standard. Er besteht aus einer wässrigen Acrylat-Dispersion – winzige Kunststoffpartikel sind in Wasser suspendiert – und wird nach dem eigentlichen Druckprozess auf den noch feuchten oder bereits getrockneten Bogen aufgetragen. Im Gegensatz zu UV-Lacken und Lösungsmittellacken ist Dispersionslack weitgehend geruchsneutral, enthält keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und gilt als vergleichsweise umweltverträglich.

Die Bezeichnung „Dispersionslack" leitet sich vom physikalischen Prinzip ab: Polymere sind fein im Wasser dispergiert (verteilt) und bilden beim Trocknen durch Wasserverdunstung einen zusammenhängenden Schutzfilm. Je nach Rezeptur und Auftragsdicke entsteht ein matter, seidenmatter oder leicht glänzender Effekt – der Hochglanz typischer UV-Lacke wird jedoch nicht erreicht.

Dispersionslack ist in der Regel Bestandteil des Standard-Druckpreises bei hochwertigen Offsetdrucken und stellt damit keine Sonderveredelung im eigentlichen Sinne dar, sondern eher eine Grundschutzmaßnahme.


Funktionsprinzip

Der Dispersionslack wird im Druckwerk oder einer nachgeschalteten Lackiereinheit direkt auf dem Druckbogen aufgebracht. In Offsetdruckmaschinen mit integrierter Lackiereinheit (Inline-Lackierung) geschieht dies unmittelbar nach dem letzten Druckwerk – die Maschine druckt und lackiert in einem einzigen Durchlauf.

Prozessschritte:

  1. Vorbereitung: Der Lack wird in ein Vorratsbehältnis der Lackiereinheit gefüllt. Viskosität und pH-Wert werden geprüft und ggf. mit Wasser eingestellt.
  2. Auftrag: Über ein Rasterwalzensystem (ähnlich dem Farbwerk im Offsetdruck) oder eine glatte Walze wird der Lack gleichmäßig auf den Bedruckstoff übertragen. Die Auftragsdicke beträgt je nach Maschine 2–8 g/m².
  3. Trocknung: Der Lack trocknet physikalisch durch Wasserverdunstung. Trocknereinheiten (Infrarot, Heißluft) beschleunigen diesen Prozess. Anders als UV-Lack erfordert Dispersionslack keine spezielle UV-Lampe.
  4. Stapeln und Weiterverarbeitung: Dank rascher Trocknung können die Bogen zügig gestapelt und weiterverarbeitet werden, ohne zu kleben oder abzusetzen.

Die Lackschicht ist flexibel, kratzresistent und verhindert das Absetzen von Druckfarbe (Anti-Offset-Wirkung). Auf Rückseiten oder weiterverarbeiteten Bereichen kann der Lack partiell ausgespart werden, wenn etwa anschließend geklebt oder gestempelt werden soll.


Typische Einsatzgebiete

  1. Broschüren und Kataloge: Der Dispersionslack schützt Umschläge vor Griffspuren und Abrieb bei häufigem Handling – Standard bei Messe-Katalogen und Produktbroschüren.
  2. Verpackungen und Faltschachteln: Lebensmittelverpackungen und Kosmetikboxen erhalten durch Dispersionslack eine saubere, geschlossene Oberfläche, die auch für lebensmittelrechtliche Anforderungen relevant ist.
  3. Postkarten und Flyer: Günstige Massendrucksachen profitieren von der wirtschaftlichen Schutzwirkung, ohne dass aufwändige UV-Veredelung nötig wäre.
  4. Buchdeckel (Softcover): Taschenbücher und Softcover-Einbände erhalten durch Dispersionslack einen grundlegenden Schutz bei niedrigen Kosten.
  5. Formulare und Geschäftsberichte: Auch weniger hochwertige Drucksachen, die beschreibbar bleiben müssen, werden mit mattem Dispersionslack versehen.

Vorteile & Kosten

MerkmalDetail
MehrkostenOft im Standardpreis enthalten; als Sondervariante ca. 3–8 % Aufschlag
MindestmengenKeine besonderen Mindestmengen, da in der Druckmaschine integrierbar
LieferzeitKein Mehraufwand bei Inline-Lackierung; als separater Schritt +1 Tag
GlanzgradMatt, seidenmatt oder leicht glänzend – kein Hochglanz wie UV-Lack
UmweltWässrig, niedrige VOC-Emissionen, gut recyclingfähig
HaftungGut auf Papier und Karton; eingeschränkt auf Kunststoff-Folien

Nachteile: Dispersionslack erreicht nicht die Brillanz und den Tiefenglanz von UV-Lack. Bei sehr intensiver Beanspruchung (z. B. Transportverpackungen) ist er weniger abriebfest als Kaschierungen.


In der Praxis

Für Gestalter: Dispersionslack ist in der Regel kein separates Druckdaten-Element – er wird vollflächig aufgebracht und erfordert keine gesonderte Ebene in der Druckdatei. Ausnahmen:

  • Lackaussparungen: Soll eine Fläche unlackiert bleiben (z. B. für nachträgliche Stempelung oder Laminierung), muss dies im Auftrag kommuniziert werden. In einigen Drucksystemen wird eine gesonderte Auspar-Ebene benötigt.
  • Partieller Dispersionslack: Bei selektivem Auftrag (Kombination mit Mattlack und Glanzbereichen) ist eine separate Lack-Maske als Sonderfarbe (z. B. Pantone-Sonderfarbe „Lack") in der PDF-Datei anzulegen.
  • Klebebereiche freihalten: Wird das Produkt anschließend geklebt (Faltschachteln, Versandumschläge), müssen die Klebelaschen im Drucklayout als lackierfreie Zonen markiert werden.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalDispersionslackUV-LackKaschierung
GlanzSeidenmatt bis leicht glänzendHochglanz oder MattglanzHochglanz oder Mattglanz
KostenGünstigMittelTeuer
HaptikKaum wahrnehmbarGlatt, klarWeich (Soft-Touch) oder glatt
UmweltGutMittel (UV-Strahlung, Photoinitatoren)Aufwendig (Folie, nicht recyclingfähig)
RecyclingGutGutEingeschränkt

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich Dispersionslack in den Druckdaten anlegen? In der Regel nein. Dispersionslack wird vollflächig aufgebracht und ist kein separates Druckdaten-Element. Lediglich wenn Teilbereiche ausgespart werden sollen, ist eine Absprache mit der Druckerei und ggf. eine Lack-Maske nötig.

Ist Dispersionslack für Lebensmittelverpackungen geeignet? Für indirekten Lebensmittelkontakt (Außenseite einer Verpackung) ist Dispersionslack in der Regel geeignet, sofern er den einschlägigen Normen (z. B. EuPIA-Leitlinien) entspricht. Für direkten Lebensmittelkontakt sind gesonderte Zertifizierungen erforderlich.

Kann man über Dispersionslack nachträglich schreiben oder stempeln? Auf mattem Dispersionslack ist Kugelschreiber und Stempel in der Regel gut möglich. Auf glänzendem Dispersionslack kann die Haftung von wasserbasierten Stempelfarben eingeschränkt sein.

Wie unterscheidet sich Dispersionslack von Offsetlack? Offsetlack (auch Drucklack) wird über das Farbwerk der Druckmaschine aufgetragen und ist ölbasiert. Dispersionslack wird in der Lackiereinheit aufgebracht und ist wässrig. Dispersionslack bildet einen gleichmäßigeren Film und trocknet schneller.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
  • Online: Fogra Forschungsgesellschaft Druck e. V. – Merkblätter zu Drucklacken – www.fogra.org
  • Online: bvdm – Bundesverband Druck und Medien – www.bvdm-online.de
← Zurück zu Drucktechnik
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Dispersionslack – Wässriger Schutzlack für Druckprodukte — Wiki | Lazi Akademie Esslingen