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Falzarten sind die definierten Methoden, mit denen ein Druckbogen durch maschinelles oder manuelles Falten in eine gewünschte Form gebracht wird, um Broschüren, Flyer, Faltblätter oder Beilagen zu erzeugen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Papier · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Falzmethoden, Faltarten, Papierfalzung, Folding Types (engl.)

Was sind Falzarten?

Das Falzen ist einer der grundlegendsten Schritte in der Druckweiterverarbeitung. Dabei wird ein bedruckter Bogen an einer oder mehreren Stellen gebrochen, sodass definierte Seiten entstehen. Die Wahl der Falzart bestimmt das Format, die Seitenzahl, die Lesbarkeit und den Produktionsaufwand eines Printprodukts. Industrielle Falzmaschinen unterscheiden zwischen Messerschlag- und Taschenfalzprinzip.

Erklärung

Es gibt vier grundlegende Falztypen, aus denen sich alle gängigen Varianten ableiten:

1. Einfachfalz (Mittelfalz / Kreuzfalz)

Der einfachste Falz teilt einen Bogen in zwei gleich große Hälften. Ein DIN-A4-Bogen wird zu einem vierseitigen DIN-A5-Produkt. Typisch für einfache Flyer und Einladungskarten. Zwei Seiten liegen innen, zwei außen.

2. Parallelfalz

Beim Parallelfalz verlaufen alle Falzkanten parallel zueinander. Die wichtigsten Varianten sind:

  • Wickelfalz (Rollenfalz): Jede Seite wird in dieselbe Richtung gefalzt, sodass sich das Produkt wie eine Rolle aufrollt. Typisch für Leporellos, Messebeilagen und mehrseitige Faltblätter mit drei oder mehr Panels. Wichtig: Innere Panels müssen kürzer angelegt werden, damit das Papier nicht bricht.
  • Zickzackfalz (Leporellofalz, Akkordeonfalz): Die Falze wechseln ihre Richtung abwechselnd, sodass das Produkt wie eine Ziehharmonika auseinandergezogen werden kann. Ideal für lange Timelines, Panoramakarten, Speisekarten. Alle Panels können gleich breit sein.
  • Fensterfalz: Beide äußeren Seiten werden zur Mitte hin gefalzt, ohne sich zu überlappen. Ergibt ein symmetrisches Faltblatt mit sechs Seiten.

3. Kreuzbruchfalz

Bei diesem Falz wird der Bogen zunächst einmal gefalzt, dann ein weiteres Mal quer zur ersten Falzkante. Entstehen Produkte mit 4, 8, 16 oder mehr Seiten. Der Kreuzbruchfalz ist die Grundlage für klassische Broschüren- und Buchbogen. Mehrfach angewendet entstehen Falzbögen mit 64 oder mehr Seiten.

4. Kombinations- und Sonderfalze

Durch Kombination der oben genannten Grundprinzipien entstehen komplexe Falzvarianten wie der Zickzack-Parallelfalz, der Kartenfalz oder mehrteilige Leporellos für Kataloge und Museumsführer.

Technische Besonderheiten

Beim Falzen schwerer Papiere (ab ca. 170 g/m²) ist eine vorherige Rillung unbedingt notwendig, um Risse im Falzbereich zu vermeiden. Die Faserrichtung des Papiers sollte möglichst parallel zur Hauptfalzkante verlaufen, um Spannungsrisse zu minimieren.

Beispiele

  1. Werbeflyer (Wickelfalz, 6-seitig): Klassisches Format für Produktinformationen; drei gleich breite Panels, inneres Panel minimal kürzer.
  2. Stadtplan (Zickzackfalz, 12-seitig): Aufklappbar zu einem Panorama, wieder zusammenfaltbar wie ein Akkordeon.
  3. Broschüre (Kreuzbruchfalz, 8 Seiten): Zwei Falzbrüche erzeugen acht Seiten für Produktkataloge oder Jahresbericht-Einlagen.
  4. Restaurantspeisekarte (Fensterfalz): Symmetrischer Aufbau, beide äußeren Seiten öffnen sich zur Mitte.
  5. Messebroschüre (Leporello/Zickzack, 8 Panels): Vollständig ausklappbar als Wandposter nutzbar, zusammengefaltet handlich.

In der Praxis

Druckvorbereitung: Bei Wickelfalz und Zickzackfalz müssen die Panels unterschiedliche Breiten erhalten. Für einen sechsseitigen Wickelfalz gilt: Das innerste Panel ist ca. 2–3 mm schmaler als die äußeren. Druckdateien sollten alle Seiten als separate Seiten angelegt werden, nicht als eine breite Fläche — es sei denn, die Druckerei gibt andere Anforderungen vor.

Anschnitt: Standardmäßig 3 mm Beschnitt pro Seite. Bei mehrteiligen Falzprodukten immer auf die Seitenausrichtung achten.

Kosten: Einfacher Mittelfalz ist kostengünstig und in großen Auflagen sehr effizient. Mehrfachfalze erhöhen die Maschinenrüstzeit und damit die Kosten. Für kleine Auflagen unter 500 Stück lohnt sich maschinelles Falzen meist erst ab dem Einfachfalz; aufwändigere Falze werden oft auf halbautomatischen Maschinen oder manuell ausgeführt.

Mindestmengen: Abhängig vom Dienstleister, aber ab 100 Stück sind die meisten Falzarten verfügbar. Sonderfalze oft erst ab 500–1000 Stück.

Fallstricke: Falsche Seitenreihenfolge in der Druckdatei ist der häufigste Fehler. Immer einen Dummy aus Kopierpapier falten, bevor die Datei angelegt wird. Faserrichtung bei schwerem Papier beachten.

Vergleich & Abgrenzung

FalzartPanelsRichtungTypische Anwendung
Mittelfalz4parallelEinladung, einfacher Flyer
Wickelfalz6+parallel, gleiche RichtungWerbeflyer, Leporello
Zickzackfalz6+parallel, wechselndStadtplan, Speisekarte
Kreuzbruchfalz8+gekreuztBroschüre, Buchbogen
Fensterfalz6parallel, zur MitteMenükarte, Einladung

Der Wickelfalz erfordert im Gegensatz zum Zickzackfalz unterschiedliche Panelbreiten. Der Kreuzbruchfalz erzeugt geordnete Seiten für gebundene Produkte, während Parallelfalze offene Faltblätter erzeugen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie bereite ich Druckdaten für den Wickelfalz vor? Legen Sie jedes Panel als separate Seite in Ihrer Designsoftware an. Das innerste Panel ist ca. 2–3 mm schmaler. Vergeben Sie Anschnitt (Bleed) von 3 mm an allen Außenkanten. Prüfen Sie die Seitenreihenfolge, indem Sie vorab einen Dummy aus Kopierpapier falten und beschriften.

Wann lohnt sich maschinelles Falzen wirtschaftlich? Ab einer Auflage von etwa 200–500 Stück ist maschinelles Falzen günstiger als manuelles Falten. Bei großen Auflagen (10.000+) sinken die Stückkosten erheblich. Für sehr kleine Auflagen (unter 100 Stück) kann manuelles Falten mit einem Falzwerkzeug wirtschaftlicher sein.

Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (Hrsg.): Handbuch der Printmedien. Springer, Heidelberg 2000, Kapitel Weiterverarbeitung.
  • Fachverband Druck (Hrsg.): Drucktechnische Informationsblätter: Falzen und Schneiden. Bundesverband Druck und Medien, Berlin 2018.
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