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Rillung (auch: Rillinie, Crease) ist ein Weiterverarbeitungsschritt, bei dem eine linienförmige Kerbe oder Falzvertiefung in Papier, Karton oder Wellpappe eingedrückt wird, ohne das Material zu durchtrennen – mit dem Ziel, ein sauberes, kontrolliertes und knitterfreies Falzen entlang dieser Linie zu ermöglichen.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Rillinie, Rillen, Crease, Kreuzrillung, Rill- und Falzlinie, Prägefalz


Was ist Rillung?

Wenn Papier oder Karton gefalzt wird, entstehen an der Falzkante Spannungen in der Papierstruktur. Bei dünnem Papier (bis ca. 150 g/m²) sind diese Spannungen gering und das Papier falzt problemlos – die Fasern können nachgeben. Bei dickem Papier, Karton und Wellpappe ist die Spannung jedoch so hoch, dass die Papierfasern an der Falzkante brechen: Es entsteht ein unschönes, weißliches Aufplatzen der bedruckten Oberfläche (Knitterfalz oder Falzbruch).

Die Rillung verhindert dies: Durch das Eindrücken einer Kerblinie wird die Papierstruktur an der vorgesehenen Falzstelle vorgeschwächt und kontrolliert verdichtet. Das Papier falzt dann genau entlang der Rilllinie und die Fasern brechen nicht unkontrolliert auf.

Rillung ist damit ein entscheidender Schritt in der Weiterverarbeitung jedes Druckprodukts aus Papier über 150–170 g/m² oder aus Karton. Faltschachteln, Broschürenumschläge, Buchdeckel, Klappkarten und Verpackungen wären ohne Vorrillung nicht sauber zu falten.

Die Rillung gehört zu den günstigsten und schnellsten Weiterverarbeitungsschritten und wird in der Regel ohne großen Mehraufwand in die Stanzform oder die Falzmaschine integriert.


Funktionsprinzip

Die Rillung erzeugt eine Vertiefung im Papier, indem ein stumpfes Stahlmesser (das Rillmesser) mit kontrolliertem Druck gegen eine Gegenfläche (Rillnut oder Matrize) in den Bedruckstoff gepresst wird. Das Material wird dabei zusammengedrückt, nicht geschnitten – das ist der wesentliche Unterschied zur Perforation (unterbrochener Schnitt) und zur Stanzung (vollständiger Schnitt).

Werkzeuge:

  • Rillmesser: Stumpfes, rundes oder spitz zulaufendes Stahlprofil je nach Material und gewünschtem Ergebnis.
  • Rillnut (Gegenrille): Nutförmige Gegenform, in die das Papier beim Rillen gedrückt wird. Breite und Tiefe der Nut bestimmen die Qualität des Falzes.

Durchführung:

  1. Integration in die Stanzform: Das Rillmesser wird direkt neben dem Stanzmesser in den Holzrahmen der Stanzform eingesetzt. Stanzung und Rillung erfolgen in einem Durchlauf.
  2. Falzmaschinen-Vorrillung: In Falzmaschinen kann eine Vorrillung vor dem eigentlichen Falzvorgang eingefügt werden. Besonders für Visitenkarten, Einladungskarten und schwere Umschläge.
  3. Manuelle Rillung: Für kleine Auflagen und Muster ist Handrillung mit einem Falzbein oder speziellen Rillwerkzeugen möglich.

Rilliefe und Rillbreite:

  • Zu flaches Rillen: Unvollständige Schwächung – der Falz bricht trotzdem auf.
  • Zu tiefes Rillen: Das Papier wird zu stark geschwächt und kann einreißen oder die Rillstelle wird auf der Sichtseite sichtbar.
  • Optimale Tiefe: ca. 50–70 % der Papierdicke.

Typische Einsatzgebiete

  1. Faltschachteln: Jede Verpackung aus Faltkarton enthält mehrere Rilllinien für die verschiedenen Faltseiten, Klebeklappen und Verschlussklappen.
  2. Klappkarten und Grußkarten: Die Falzkante einer Geburtstags- oder Einladungskarte aus 300–400 g/m²-Karton muss vorgerillt sein, um knitterfrei zu falzen.
  3. Buchdeckel und Softcover-Einbände: Der Einband einer broschürierten Publikation erhält Rillinien an den Positionen der Vorder- und Rückdeckelfalze.
  4. Briefumschläge und Kuverts: Falzklappen und Siegelklappen werden vorgerillt, damit die Maschinen- und Handverarbeitung problemlos funktioniert.
  5. POS-Aufsteller und Displays: Aufstellerbögen aus Wellpappe oder Karton werden entlang aller Falzkanten gerillt, bevor sie zusammengebaut werden.

Vorteile & Kosten

MerkmalDetail
MehrkostenSehr gering: oft in der Stanzform integriert (kein Aufpreis); separate Rillung: ca. 3–8 %
MindestmengenKeine besonderen Mindestmengen
LieferzeitKein nennenswerter Mehraufwand bei Integration in Stanzform
NotwendigkeitZwingend bei Papieren über 150–170 g/m² und Kartons
Rillung bei DigitaldruckBesonders wichtig: Toner/Tinte auf Digitaldruckpapier neigt stärker zu Falzbrüchen als Offsetdruck

In der Praxis

Datenvorbereitung für Gestalter:

1. Rillinie als Sonderfarbe anlegen: Rilllinien werden im Druckdaten-PDF als Vektorlinien auf einer separaten Ebene angelegt, mit einer definierten Sonderfarbe (z. B. „Rilllinie", „Crease", „Rill"). Diese Linien werden nicht gedruckt – sie dienen als technische Anweisung für Stanzformhersteller oder Buchbinderei.

2. Rilllinien exakt auf Falzpositionen setzen: Die Rilllinie markiert den Mittelpunkt des späteren Falzes. Gestalterisch bedeutet dies: Designelemente (Fotos, Farbflächen), die über den Falz hinausgehen, müssen einen ausreichenden Versatz haben, damit sie nach dem Falzen weiterhin korrekt erscheinen.

3. Kreuzrillung (Doppelrillung) bei sehr dicken Materialien: Bei sehr dickem Karton (über 400 g/m²) oder Wellpappe wird manchmal eine Kreuzrillung angewendet: zwei parallele Rilllinien mit geringem Abstand, zwischen denen sich der Falz bildet. Dies verhindert Aufplatzen auch bei sehr hoher Materialspannung.

4. Rillrichtung und Falzrichtung: Die Rillung wird immer auf der Innenseite des späteren Falzes eingedrückt – d. h. auf der Seite, zu der hin gefalzt wird. Bei Außenfalzen (Gebirgsfalz) und Innenfalzen (Talfalz) liegt die Rillung entsprechend auf unterschiedlichen Seiten.

5. Wichtig beim Digitaldruck: Toner-basierte Digitaldrucke sind anfälliger für Falzbrüche als Offsetdrucke, da der Toner die Papierstruktur versiegelt. Für Digitaldrucke auf Papieren ab 150 g/m² ist Rillung daher besonders wichtig und sollte aktiv bei der Druckerei angefragt werden.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalRillungPerforierungStanzung
MaterialschnittNein (nur Kerbe)Teilweise (Zahnlöcher)Vollständig
ZweckFalzvorbereitungAbreißnahtAußenkontur/Fenster
ErgebnisVorbereitete FalzkanteTrennnahtAusgeschnittene Form
ErkennbarkeitNur bei genaum HinsehenSichtbare PunktlinieSichtbare Kante
NotwendigkeitAb 150 g/m² empfohlenNur wenn Abreißen nötigNur bei Sonderformaten

Häufige Fragen (FAQ)

Ab welchem Papiergewicht ist Rillung notwendig? Als Faustregel gilt: Ab 150–170 g/m² sollten Falzstellen vorgerillt werden. Bei lackierten oder kaschierten Papieren schon ab 120 g/m², da die Lackschicht die Reißfestigkeit erhöht. Bei Digitaldrucken wird Rillung ab 130 g/m² empfohlen.

Ist Rillung bei Offsetdruck und Digitaldruck unterschiedlich? Ja. Offsetdruckfarben ziehen in das Papier ein und sind flexibler. Toner aus dem Digitaldruck liegt als aufgebranntes Pulver auf der Oberfläche und ist spröder. Daher platzt Toner an Falzkanten ohne Vorrillung leichter ab. Rillung ist beim Digitaldruck noch wichtiger als beim Offsetdruck.

Was ist eine Kreuzrillung? Bei der Kreuzrillung werden zwei parallele Rilllinien mit einem kleinen Abstand gesetzt (ca. 1–2 mm je nach Kartonstärke). Zwischen diesen beiden Linien liegt die eigentliche Falzkante. Diese Technik ermöglicht saubere Falze bei sehr dicken Materialien und wird oft bei Verpackungskartons ab 350 g/m² eingesetzt.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
  • Online: bvdm – Technische Richtlinien Druckweiterverarbeitung – www.bvdm-online.de
  • Online: Printipedia – Rillung und Falztechnik – www.printipedia.de
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Rillung – Falzvorbereitung für dicke Papiere und Karton — Wiki | Lazi Akademie Esslingen