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Spot-UV-Lack (auch: partieller UV-Lack) ist eine selektive Druckveredelung, bei der UV-aushärtender Lack gezielt nur auf bestimmte Bereiche eines Druckprodukts aufgebracht wird – typischerweise auf Logos, Schriften oder Bildelemente – und so einen markanten optischen Kontrast zwischen glänzenden und matten Flächen erzeugt.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Partieller UV-Lack, Drucklack partiell, Selektivlackierung, Reliefglanzlack


Was ist Spot-UV-Lack?

Spot-UV ist eines der wirkungsvollsten gestalterischen Mittel in der Druckveredelung: Auf einem ansonsten matt oder seidenmatt lackierten oder kaschierten Untergrund werden einzelne Elemente mit einem hochglänzenden UV-Lack akzentuiert. Das Ergebnis ist ein visuell und haptisch faszinierendes Wechselspiel zwischen glänzend und matt, das Betrachter sofort anzieht und das Produkt aus der Masse hervorhebt.

Der Begriff „Spot" stammt aus dem Englischen und bedeutet „Punkt" oder „Stelle" – die Lackierung erfolgt also punktuell, nicht vollflächig. Der zugrundeliegende UV-Lack ist identisch mit dem bei der Vollflächenlackierung verwendeten Produkt; der Unterschied liegt ausschließlich in der selektiven Applikation.

Spot-UV wird in der Praxis häufig mit einem matten Untergrund kombiniert – entweder Mattlack, Mattkaschierung oder mattem Dispersionslack –, da der Kontrast auf einem matten Grund am deutlichsten wirkt. Auf bereits glänzendem Untergrund ist der Effekt kaum wahrnehmbar.


Funktionsprinzip

Spot-UV-Lack wird in der Regel über eines von zwei Verfahren aufgebracht:

Siebdruckverfahren (Offline): Das häufigste Verfahren für Spot-UV. Eine Siebdruckschablone wird mit der Lackmaske des gewünschten Motivs belichtet. Der UV-Lack wird durch das Sieb gepresst und nur auf den offenen, nicht abgedeckten Bereichen auf den Bedruckstoff übertragen. Anschließend erfolgt die UV-Härtung unter UV-Lampen. Siebdruck ermöglicht eine besonders hohe Lackschichtstärke (bis 30–50 µm) und damit einen besonders plastischen, dreidimensional wirkenden Effekt.

Flexo- oder Offsetlackierung mit Formdruck (Inline oder Offline): Alternativ kann Spot-UV über eine Rasterwalze oder eine Druckform ähnlich dem Flexodruck aufgebracht werden. Dieses Verfahren ist schneller und günstiger, erreicht aber eine geringere Schichtstärke und damit einen weniger prominenten Effekt als der Siebdruck.

Prozessschritte (Siebdruck-Route):

  1. Druckdatei mit separater Spot-UV-Ebene wird an die Druckerei übergeben.
  2. Die Siebdruckschablone wird aus der Spot-UV-Maske belichtet.
  3. Bogen werden matt lackiert oder kaschiert (Untergrund).
  4. Spot-UV-Lack wird über das Sieb aufgetragen.
  5. UV-Härtung unter UV-Lampeneinheit.
  6. Qualitätskontrolle und Weiterverarbeitung (Schneiden, Binden).

Typische Einsatzgebiete

  1. Buchcover und Umschläge: Logo oder Titelschrift im Hochglanz auf mattem Cover – ein Klassiker der Buchveredelung für Belletristik und Sachbücher im mittleren bis oberen Preissegment.
  2. Visitenkarten: Spot-UV auf dem Firmenlogo oder einem Designelement auf Mattfolienkarte erzeugt höchste Wertigkeit und haptische Qualität.
  3. Einladungskarten und Hochzeitsdrucksachen: Monogramme, Ornamente oder Illustrationen im Spot-UV auf Büttenkarton sind besonders beliebt.
  4. Produktverpackungen im Luxussegment: Parfüm-, Uhren- und Schmuckverpackungen setzen Spot-UV ein, um das Markenlogo taktil erlebbar zu machen.
  5. Imagebroschüren und Geschäftsberichte: Deckblätter mit Spot-UV-Firmenlogo kommunizieren Professionalität und Qualitätsanspruch.

Vorteile & Kosten

MerkmalDetail
MehrkostenCa. 25–60 % Aufschlag auf den Druckpreis; abhängig von Komplexität der Lackkmaske
MindestmengenWirtschaftlich ab ca. 300–500 Exemplaren (Siebdruck-Rüstkosten); Digitaldruck ab Kleinstauflage
Lieferzeit+2–4 Werktage (separater Veredelungsschritt)
EffektSehr hoher visueller Impact; Kontrast zwischen Glanz und Matt ist das Kerndesignelement
KombinationBesonders wirkungsvoll auf Mattfolie oder Mattlack-Untergrund
HaptikSpürbare Erhebung bei Siebdruck-Spot-UV (3D-Effekt)

In der Praxis

Datenvorbereitung – das Wichtigste für Gestalter:

1. Separate Spot-UV-Ebene anlegen: Im Druckdaten-PDF muss eine eigene Ebene ausschließlich für den Spot-UV-Bereich angelegt werden. Die zu lackierenden Flächen werden als 100 % Schwarz oder als definierte Sonderfarbe (z. B. Pantone-Sonderfarbe mit Bezeichnung „Spot UV", „Drucklack" oder „Lack") angelegt. Diese Ebene ist NUR für die Lackmaske – kein CMYK-Inhalt darf dort vorhanden sein.

2. Passgenauigkeit / Register: Da Spot-UV in einem separaten Druckschritt erfolgt, kann es zu Passungenauigkeiten von ±0,3–0,5 mm kommen. Gestalter sollten:

  • Den Spot-UV-Bereich minimal größer anlegen als das darunter liegende Druckobjekt (Überdrucken / Trapping ca. 0,3 mm).
  • Sehr feine Linien (unter 0,5 pt) und sehr kleine Schriften (unter 6 pt) vermeiden, da diese im Siebdruckprozess auslaufen können.
  • Keine negativen (ausgestanzten) Flächen unter 3 × 3 mm verwenden.

3. Untergrund definieren: Der Spot-UV-Effekt ist auf mattem Untergrund am stärksten. In der Druckdatei sollte der Untergrund (Mattlack, Mattkaschierung) klar kommuniziert und ggf. separat als Layer definiert werden.

4. Proof und Andruck: Ein Papierproof kann den Spot-UV-Effekt nicht realitätsgetreu simulieren. Für anspruchsvolle Aufträge empfiehlt sich ein Andruck oder Musterbogen bei der Druckerei.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalSpot-UVUV-VollflächenlackHeißfolienprägungBlindprägung
SelektivitätJa (partiell)Nein (vollflächig)Ja (partiell)Ja (partiell)
EffektGlanz auf MattVollflächiger GlanzMetallischer GlanzReliefdruck ohne Farbe
HaptikLeichte ErhebungGlattFlach bis leicht erhabenDeutlich erhaben
KostenMittel–hochMittelHochMittel
DesignelementJaNeinJaJa

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Spot-UV und Heißfolienprägung? Spot-UV erzeugt Glanz durch eine transparente Lackschicht, während Heißfolienprägung metallische oder farbige Folien mittels Wärme und Druck auf den Bedruckstoff transferiert. Beide sind selektive Veredelungen und lassen sich sogar kombinieren – zunächst Folienprägen, dann Spot-UV darüber für maximalen Luxuseffekt.

Wie dick ist die Spot-UV-Lackschicht? Bei Siebdruck liegt die Lackschichtstärke bei 20–50 µm, was zu einer taktil spürbaren Erhebung führt. Bei Flexo- oder Offsetlackierung beträgt die Schichtstärke nur 5–15 µm; der haptische Effekt ist dabei kaum wahrnehmbar.

Kann Spot-UV auch auf dunklem oder schwarzem Papier eingesetzt werden? Ja – besonders effektvoll. Auf tiefem Schwarz (Volltonfarbe oder Tiefdruckkarton) erzeugt transparenter UV-Lack einen „Black on Black"-Effekt: Das Logo ist nur im Lichteinfall sichtbar und wirkt extrem exklusiv. Dies ist eine beliebte Technik in der Luxusverpackungsgestaltung.

Muss ich Spot-UV separat bestellen? Ja. Spot-UV ist grundsätzlich eine Sonderveredelung und wird separat berechnet. Sie muss beim Druckauftrag explizit angegeben und die entsprechende Druckdaten-Ebene muss geliefert werden.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
  • Online: Sappi Europe – Leitfaden Druckveredelung für Designer – www.sappi.com
  • Online: Messe Stuttgart – Drupa-Wissensdatenbank Druckveredelung – www.drupa.de
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