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UV-Lack ist ein lösungsmittelfreier, fotochemisch aushärtender Lack, der durch intensive Ultraviolett-Strahlung innerhalb von Millisekunden vollständig polymerisiert und auf Druckprodukten eine kratzfeste, hochglänzende oder mattglänzende Schutzschicht erzeugt.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: UV-Glanzlack, UV-Mattlack, Hochglanzlack, Photopolymerlack


Was ist UV-Lack?

UV-Lack gehört zur Gruppe der strahlungshärtenden Beschichtungsstoffe und unterscheidet sich fundamental von wässrigen Dispersionslacken oder lösungsmittelhaltigen Systemen: Statt durch Verdunstung trocknet UV-Lack durch eine chemische Reaktion – die Polymerisation. Dabei verbinden sich flüssige Monomere und Oligomere unter dem Einfluss von UV-Strahlung augenblicklich zu einem festen, dreidimensionalen Polymernetz.

Das Ergebnis ist eine außergewöhnlich harte, kratz- und abriebfeste Oberfläche mit intensivem Tiefenglanz, der deutlich über dem eines Dispersionslacks liegt. UV-Lacke können sowohl vollflächig als auch partiell (→ Spot-UV) aufgetragen werden und eröffnen damit eine breite Palette an gestalterischen Möglichkeiten.

In der industriellen Druckproduktion ist UV-Lack sowohl als Inline-Veredelung (direkt in der Druckmaschine) als auch als Offline-Veredelung (in separater Lackiermaschine) etabliert. Der hohe Energiebedarf der UV-Lampen und die notwendige UV-Infrastruktur machen UV-Lack teurer als Dispersionslack, rechtfertigen aber den deutlich höheren Veredelungseffekt.


Funktionsprinzip

Die Härtung von UV-Lack beruht auf der fotoinitiierten radikalischen Polymerisation:

  1. Lackauftrag: Der UV-Lack wird über Walzen, Raster oder Siebdruckschablone auf den Bedruckstoff aufgebracht. Die Schichtstärke liegt typischerweise bei 5–20 g/m², je nach gewünschtem Effekt und Auftragssystem.
  2. UV-Bestrahlung: Unmittelbar nach dem Auftrag durchläuft der beschichtete Bogen eine UV-Härtungsanlage mit Quecksilberdampflampen oder modernen LED-UV-Lampen (365–395 nm Wellenlänge). Die Photoinitatoren im Lack absorbieren die UV-Strahlung und setzen Radikale frei.
  3. Polymerisation: Die Radikale initiieren eine Kettenreaktion, bei der die flüssigen Monomere zu einem festen, vernetzten Polymerfilm aushärten – innerhalb weniger Millisekunden.
  4. Sofortige Weiterverarbeitung: Da keine Trocknungszeit erforderlich ist, können UV-lackierte Bogen direkt gestapelt, geschnitten und weiterverarbeitet werden.

LED-UV vs. konventionelle UV-Lampen: Moderne LED-UV-Systeme arbeiten mit geringerem Energieaufwand, erzeugen weniger Wärme und haben längere Lebensdauern. Sie eignen sich besonders für wärmeempfindliche Materialien und ermöglichen wirtschaftlicheres Drucken.


Typische Einsatzgebiete

  1. Hochwertige Buchcover: Romane, Bildbände und Fachbücher mit UV-lackierten Covern wirken wertiger und sind gleichzeitig besser geschützt als mit Dispersionslack behandelte Exemplare.
  2. Luxusverpackungen: Parfümboxen, Premium-Schokoladenverpackungen und Kosmetikschachteln nutzen UV-Glanzlack, um Qualität und Exklusivität visuell zu kommunizieren.
  3. Visitenkarten und Businessdrucksachen: Hochglanz-Visitenkarten mit UV-Vollflächenlack hinterlassen einen repräsentativen ersten Eindruck.
  4. Kataloge und Magazine: Hochwertige Produktkataloge, insbesondere für Mode, Automotive oder Schmuck, setzen UV-Lack ein, um Farben brillanter und Fotos plastischer erscheinen zu lassen.
  5. POS-Displays und Werbemittel: Am Point of Sale eingesetzte Druckmaterialien profitieren von der hohen Abriebfestigkeit und Kratzresistenz des UV-Lacks bei intensiver Nutzung.

Vorteile & Kosten

MerkmalDetail
MehrkostenCa. 15–35 % Aufschlag auf den Druckpreis bei Vollflächenlackierung
MindestmengenAb ca. 500–1.000 Exemplaren wirtschaftlich; für kleinste Auflagen ggf. Digitaldruck mit UV
LieferzeitIn der Regel kein Mehraufwand bei Inline-UV; als Offline-Schritt +1–2 Tage
GlanzgradSehr hoher Tiefenglanz (Glanzmessung bis 90+ GU); auch UV-Mattlack verfügbar
HaptikGlatt, kühl, hochwertig; Soft-Touch-UV-Lack: samtartig
KratzfestigkeitSehr hoch – deutlich besser als Dispersionslack
UmweltLösungsmittelfrei, aber UV-Energieeinsatz; Recycling eingeschränkt bei hoher Schichtstärke

Sondervarianten: Neben klassischem UV-Glanzlack gibt es UV-Mattlack (kontrastreich matt), Soft-Touch-UV-Lack (samtige Haptik), strukturierten UV-Lack (Linsen-, Sand-, Ledertextur) und geruchlosen UV-Lack für Lebensmittelverpackungen.


In der Praxis

Datenvorbereitung für Gestalter:

  • Vollflächiger UV-Lack: Keine separate Druckdaten-Ebene nötig – der Lack wird auf die gesamte Fläche aufgebracht.
  • Partieller UV-Lack (Spot-UV): Eine eigene Ebene im PDF anlegen (Sonderfarbe, z. B. Pantone-Bezeichnung „Spot UV" oder „Drucklack"), die nur die zu lackierenden Bereiche als 100 % Farbfläche enthält. → Siehe Eintrag Spot-UV-Lack.
  • Lackaussparungen: Bereiche, die nicht lackiert werden sollen (z. B. für Stempel, Beschriftung, Klebebereiche), müssen explizit im Druckauftrag kommuniziert und ggf. als Ausspar-Ebene definiert werden.
  • Mindestlinienstärke und -fläche: Sehr feine Linien (unter 0,5 pt) können im UV-Lack verlaufen. Mindestfläche für Spot-UV: ca. 3 × 3 mm.
  • Untergrund beachten: UV-Lack auf dunklem Untergrund erzeugt einen spektakulären Glanzeffekt (Hochglanz auf Schwarz). Auf hellem Papier ist der Effekt subtiler.

Wichtig für Weiterverarbeitung: UV-lackierte Flächen können das Falzen und Rillen erschweren (Bruchgefahr bei dickem Papier). Bei Faltprodukten sollten Falzstellen vorab gerillt und ggf. vom Lack ausgespart werden.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalDispersionslackUV-Lack (vollflächig)Spot-UV-LackKaschierung
GlanzgradSeidenmatt–leicht glänzendSehr hoher GlanzSelektiver HochglanzHoch
KostenGünstigMittel–hochHochHoch–sehr hoch
HaptikNeutralGlattGlatt (partiell)Folig glatt oder soft
KratzfestigkeitMittelSehr hochSehr hoch (Spot)Sehr hoch
GestaltungsmöglichkeitenGeringMittelHochMittel

Häufige Fragen (FAQ)

Kann UV-Lack auf jedem Papier eingesetzt werden? UV-Lack haftet auf den meisten gestrichenen und ungestrichenen Papieren sowie Kartons. Auf ungestrichenen Naturpapieren kann die Haftung reduziert sein; ein Voranstrich (Primer) oder Dispersionslack als Untergrund verbessert die Adhäsion. Auf stark saugenden Papieren läuft der Lack ein und der Glanzeffekt ist geringer.

Ist UV-Lack wasserfest und lebensmitteltauglich? UV-lackierte Oberflächen sind wasserabweisend und wischfest. Für direkten Lebensmittelkontakt sind spezielle Low-Migration-UV-Lacke erforderlich, die den Anforderungen der EU-Verordnungen entsprechen.

Wie unterscheidet sich LED-UV von konventionellem UV? LED-UV-Systeme arbeiten mit spezifischen Wellenlängen (meist 385 oder 395 nm) statt dem Breitband-Spektrum konventioneller Quecksilberdampflampen. Sie starten sofort, haben keine Aufwärmzeit, sind energieeffizienter und erzeugen weniger Wärme. Bestimmte herkömmliche UV-Lacke sind jedoch nicht vollständig LED-UV-kompatibel – eine Abstimmung mit der Druckerei ist sinnvoll.

Kann man über UV-Lack schreiben? Auf UV-Glanzlack haftet weder Kugelschreiber noch Stempelfarbe gut. Wenn Beschriftbarkeit erforderlich ist, sollten die entsprechenden Bereiche vom Lack ausgespart werden.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
  • Online: Fogra – Merkblätter zu UV-Lacken und UV-Härtung – www.fogra.org
  • Online: VDMA Fachverband Druckmaschinen – Broschüre UV-Technologie – www.vdma.org
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