Wickelfalz (auch: Rollenfalz oder Wickelbroschüre) ist eine Faltungsmethode, bei der jede folgende Seite um die vorherige nach innen gefalzt wird – ähnlich wie das Aufrollen eines Blatts Papier –, was zu einem kompakten Endformat führt, bei dem die inneren Seiten zunehmend schmalergesetzt werden müssen.
Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Rollenfalz, Orgelfalz (nicht zu verwechseln mit Zickzackfalz), Wickelbroschüre, French Fold (Sonderfall)
Was ist Wickelfalz?
Der Wickelfalz ist neben dem Zickzackfalz (Leporello) und dem Parallelfalz die häufigste Faltungsart für mehrseitige Printprodukte wie Flyer, Prospekte und Faltbroschüren. Er entsteht, indem ein Druckbogen nacheinander immer um die gleiche Richtung gefalzt wird – jede neue Seite umhüllt sozusagen die vorherige von außen.
Der Name „Wickelfalz" rührt von dieser einwickelnden Bewegung her: Wenn man sich vorstellt, wie ein Papier von links nach rechts eingerollt wird, ergibt sich ein Wickelfalz. Im fertigen Zustand liegt der Inhalt kompakt übereinander, wobei jede innere Lage etwas kürzer ist als die äußere – weil sie sich um das Volumen der darunterliegenden Lagen wickeln muss.
Diese geometrische Eigenschaft ist der zentrale Gestaltungshinweis: Die Innenpanels eines Wickelfalz-Flyers müssen im Vergleich zu den Außenpanels um 2–4 mm (je nach Papierdicke) schmaler angelegt werden. Andernfalls wellt oder wulstet der fertige Flyer.
Typische Wickelfalz-Produkte sind 6-seitige DL-Flyer (dreifach gefalzt auf DIN-Langformat), 8-seitige Broschüren und 10-seitige Prospekte. Auch der klassische Reisekatalog-Prospekt im A4-Format, dreifach gefalzt zum DL-Format für Kuverts, ist in der Regel ein Wickelfalz.
Funktionsprinzip
Ein Wickelfalz entsteht durch aufeinanderfolgende, gleichsinnige Parallelfalze:
Beispiel: 6-seitiger Wickelfalz (dreifach DL-Flyer):
- Ein A4-Bogen wird zweifach gefalzt.
- Erster Falz: Das rechte Drittel des Bogens wird nach links gefalzt – das Papier liegt nun auf dem mittleren Drittel.
- Zweiter Falz: Das linke Drittel (jetzt außen) wird nach rechts (nach innen) gefalzt – es wickelt sich um das rechte Drittel.
- Ergebnis: Ein kompaktes DL-Format (ca. 99 × 210 mm) mit drei Außenpanels und drei Innenpanels.
Falzmaschine: Wickelfalze werden auf Falzmaschinen produziert, die über sogenannte Falztaschen oder Schwertfalzwerke verfügen. Die Falztaschen-Falzmaschinen sind besonders für Wickelfalze geeignet, da der Bogen bei jedem Falzschritt in eine Tasche geführt wird und sich dadurch automatisch falzt.
Abstimmung der Seitenbreiten: Bei Wickelfalz müssen die inneren Panels um die Papierdicke schmaler sein als die äußeren. Faustregel: Pro Lage ca. 1,5–2,5 mm Kürzung (abhängig von der Papierdicke, typisch bei 100–135 g/m²). Bei sehr dicken Papieren (über 170 g/m²) ist eine Vorrillung der Falzkanten erforderlich.
Typische Einsatzgebiete
- DL-Flyer (Dreifachfalz): Das am häufigsten verwendete Format für Informationsflyer, Veranstaltungsankündigungen und Produktbroschüren – passt in Standard-DL-Briefumschläge.
- A4-Prospekte (Dreifach auf DIN-A5): Produkt- und Leistungsinformationen für Kataloge und Messematerialien, oft mit aufwändiger Druckveredelung.
- Restaurantspeisekarten (Dreifach-Querfalz): Im Querformat gedruckte Speisekarten, die kompakt auf DIN-A5 gefalzt werden.
- Einladungskarten mit Innenseiten: 4-seitige (einmal gefalzte) oder 6-seitige Einladungsbroschüren für Firmenevents.
- Reiseführer-Faltpläne: Stadtpläne und Touristenkarten im Wickelfalz ermöglichen handliches, portemonnaie-freundliches Format.
Vorteile & Kosten
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Mehrkosten | Gering: Falzen ist in der Regel im Druckpreis enthalten oder sehr günstig (ca. 20–50 € Rüstkosten) |
| Mindestmengen | Keine besonderen Anforderungen; ab 100 Exemplaren wirtschaftlich |
| Lieferzeit | Kein wesentlicher Mehraufwand; typisch 1–2 Tage zusätzlich |
| Papiereignung | Am besten mit 90–135 g/m²; dickere Papiere erfordern Vorrillung |
| Varianten | 4-seitig (1 Falz), 6-seitig (2 Falze), 8-seitig (3 Falze) |
In der Praxis
Datenvorbereitung für Gestalter:
1. Seitenbreiten stufenweise kürzen: Das innerste Panel eines Wickelfalz-Flyers muss um die kumulierte Papierdicke kürzer sein als das äußerste Panel. Bei einem 6-seitigen DL-Flyer auf 115 g/m²:
- Außenpanel: 99 mm breit
- Mittelpanel: 98 mm breit
- Innenpanel: 97 mm breit
(Richtwerte; genaue Kürzungsmaße von der Druckerei erfragen)
2. Seitenabfolge beim Wickelfalz korrekt anlegen: Die Seitenreihenfolge im Wickelfalz unterscheidet sich von der Lesefolge. Eine technische Flyer-Vorlage (Template) der Druckerei verwenden oder den Seitenaufbau anhand einer Falzmuster-Skizze prüfen. Fehler in der Seitenreihenfolge sind die häufigste Ursache für falsch gedruckte Flyer.
3. Falzmarken und Rilllinien: Im Druckdaten-Dokument werden die Falzlinien als Hilfslinien eingetragen (nicht als Druckelement). Bei Papieren über 150 g/m² müssen Rilllinien als Sonderfarbe auf einer eigenen Ebene angelegt werden (→ Rillung).
4. Sicherheitsabstand zu Falzkanten: Wichtige Texte und Logos sollten mindestens 5 mm von der Falzlinie entfernt sein. Farbflächen, die über Falzkanten laufen, müssen nahtlos übergehen (kein Versatz erkennbar nach dem Falzen).
5. Anschnitt beachten: Außerhalb aller Außenkanten 3 mm Anschnitt einplanen. Nicht-beschneidbare Elemente (Informationskästen, QR-Codes) mindestens 5 mm von jedem Rand freihalten.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Wickelfalz | Zickzackfalz | Parallelfalz |
|---|---|---|---|
| Faltrichtung | Immer gleich (einrollend) | Wechselweise (zickzack) | Alle Falze in gleicher Richtung (jedoch anders als Wickel) |
| Auffalten | Muss entrollt werden | Zieharmonika-artig | Klappt auseinander |
| Gleiche Seitenbreiten | Nein (Stufung nötig) | Ja (alle gleich breit) | Ja (alle gleich breit) |
| Typisches Produkt | Informationsflyer, DL-Broschüre | Leporello, Landkarte | Fensterkuvert, Mailing |
| Anzahl Seiten | 4, 6, 8, 10 | 6, 8, 10, beliebig | 4, 6 |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie unterscheidet sich der Wickelfalz vom Zickzackfalz? Beim Wickelfalz falzt jede Seite um die vorherige – das Ergebnis muss aufgerollt werden. Beim Zickzackfalz (Leporello) wechselt die Faltrichtung nach jeder Lage, sodass das Produkt wie eine Ziehharmonika auseinandergezogen wird. Zickzackfalze ermöglichen, dass alle Panels gleich breit sind – beim Wickelfalz müssen die Innenpanels kürzer sein.
Was ist der Unterschied zwischen Wickelfalz und Rollenfalz? Die Begriffe werden in der Praxis oft synonym verwendet. Im strengen Sinne bezeichnet „Rollenfalz" manchmal einen 4-seitigen einfachen Parallelfalz, während „Wickelfalz" für mehrfach übereinander gerollte Falze steht. In der Druckerei klären, welches Format gemeint ist.
Kann man einen Wickelfalz-Flyer selbst gestalten? Ja, aber man benötigt eine korrekte Vorlage (Template) der Druckerei. Häufiger Fehler: Alle Panels gleich breit anlegen – das führt zu Wulstbildung oder Auseinanderspringen des fertigen Flyers. Am besten eine Druckerei-Vorlage (PDF oder AI) als Basis verwenden.
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Weiterführend
- Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
- Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
- Online: Flyeralarm – Falzvarianten im Überblick – www.flyeralarm.com
- Online: Cewe Print – Gestaltungsvorlagen Faltflyer – www.cewe-print.de
