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Zickzackfalz (auch: Leporellofalz, Ziehharmonikafalz, Akkordeonfalz) ist eine Faltungsmethode, bei der die Falzrichtung nach jedem Falz wechselt – das Produkt falzt sich abwechselnd nach vorne und nach hinten, sodass es wie eine Ziehharmonika auseinandergezogen werden kann.

Rubrik: Drucktechnik & Printproduktion · Unterrubrik: Weiterverarbeitung & Bindung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Leporellofalz, Ziehharmonikafalz, Akkordeonfalz, Faltbuchabschnitt (bei Buchintegration), W-Fold (Sonderfall)


Was ist Zickzackfalz?

Der Zickzackfalz ist die einfachste und gleichzeitig vielseitigste mehrstufige Faltungsmethode. Im Gegensatz zum Wickelfalz – bei dem jede Seite um die vorherige gewickelt wird – wechselt beim Zickzackfalz die Faltrichtung nach jedem Falzschritt: erst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links usw. Das Ergebnis ist ein Stapel von Panels, die wie Ziehharmonikabälge auseinandergezogen werden können, ohne dass einzelne Seiten über andere gerollt werden müssen.

Der Vorteil: Alle Panels können exakt gleich breit sein – keine Stufung wie beim Wickelfalz. Das vereinfacht die Gestaltung erheblich und ermöglicht sehr lange, bandförmige Produkte wie Stadtpläne, Touristenkarten, Konzertprogramme mit vielen Seiten und die klassischen Leporellos der Buchkunst.

Der Begriff „Leporello" stammt aus dem Opernbereich: In Mozarts Don Giovanni führt der Diener Leporello eine lange Liste der Liebschaften seines Herrn auf einem langen, zusammengefalteten Papierband. Seitdem bezeichnet man bandförmige, mehrfach im Zickzack gefaltete Druckprodukte als Leporellos.


Funktionsprinzip

Ein Zickzackfalz entsteht durch abwechselnde, gegenläufige Parallelfalze:

Beispiel: 6-seitiger Zickzackfalz:

  1. Ein langer Druckbogen liegt flach aus.
  2. Erster Falz (Bergfalz, nach oben): Das rechte Drittel wird nach hinten oben gefalzt.
  3. Zweiter Falz (Talfalz, nach unten): Das verbleibende, jetzt rechts liegende Drittel wird nach vorne unten gefalzt.
  4. Ergebnis: Drei Panels, gleichmäßig übereinander liegend, die ziehharmonikaartig aufgezogen werden können.

Beliebige Seitenanzahl: Der Zickzackfalz ist auf beliebig viele Seiten erweiterbar: 4, 6, 8, 10, 12 und mehr. Begrenzt wird dies nur durch die Papierdicke (zu viele Lagen werden unhandlich) und die Maschinenfähigkeit der Falzmaschine.

Falzmaschinen: Zickzackfalze werden auf Schwertfalzmaschinen oder Falztaschenmaschinen produziert, wobei Schwertfalzmaschinen für Zickzackfalze besonders geeignet sind, da sie die abwechselnden Faltrichtungen effizient realisieren können.

Papierbahn vs. Einzelbogen: Bei der Rollendruckproduktion (Web-Offset, Digitaldruck auf Rolle) können Zickzackfalze direkt in der Drucklinie produziert werden – die Papierbahn wird am Ende des Druckvorgangs direkt gefalzt. Dies ist besonders wirtschaftlich bei sehr großen Auflagen (Zeitschriften, Kataloge).


Typische Einsatzgebiete

  1. Stadtpläne und Touristenkarten: Der Klassiker unter den Zickzackfalzprodukten. Große Karten im Zickzackfalz können auf handliches Hosentaschenformat gefalzt werden und dennoch vollständig ausgebreitet werden.
  2. Leporellos und Fotobücher: In der Fotografie-Industrie und der Kunstdruckproduktion beliebte Form für Fotomini-Bücher, bei denen die Bilder auf einem durchgehenden Band abgedruckt sind.
  3. Konzertprogramme und Spielpläne: Theater- und Opernhäuser verwenden Zickzackgefalzte Programme für kompaktes Format mit vielen Seiten.
  4. Produktdokumentationen und Anleitungen: Mehrsprachige Kurzanleitungen, die kompakt beigelegt werden und vollständig ausgebreitet alle Informationen zeigen.
  5. Kinderbilderbücher (Leporello-Format): Im Kinderbuchbereich traditionelle Form für Fibeln, ABC-Bücher und Tierfriese – sowohl zum Aufstellen als auch zum Durchblättern nutzbar.

Vorteile & Kosten

MerkmalDetail
MehrkostenGering: Falzen im Standardpreis enthalten oder sehr günstig (10–50 € Rüstkosten)
MindestmengenKeine besonderen Anforderungen; ab 100 Exemplaren wirtschaftlich
LieferzeitKein wesentlicher Mehraufwand; typisch 1 Tag zusätzlich
Papiereignung90–135 g/m² ideal; dicke Papiere erfordern Vorrillung
Gleiche SeitenbreitenJa – alle Panels können gleich breit sein (Vorteil gegenüber Wickelfalz)
Varianten4-seitig bis beliebig; W-Fold als Sonderform für 8+ Seiten

In der Praxis

Datenvorbereitung für Gestalter:

1. Gleiche Panelbreiten möglich: Im Gegensatz zum Wickelfalz müssen die Panels eines Zickzackfalzes nicht abgestuft werden. Alle Panels können identische Breite haben – das vereinfacht die Gestaltung erheblich.

2. Seitenreihenfolge beachten: Beim Zickzackfalz gibt es Vorderseiten und Rückseiten, die beim Auseinanderziehen des Produkts jeweils sichtbar sind. Die Reihenfolge der Panels auf Vorder- und Rückseite muss logisch aufeinander abgestimmt sein. Ein physisch zusammengefalteter Papier-Dummy (Handmuster) hilft, Fehler zu vermeiden.

3. Falzlinien als Hilfslinien anlegen: Falzlinien als Hilfslinien in der Gestaltungssoftware (InDesign, Illustrator) eintragen. Bei Papieren über 150 g/m² als Rilllinie-Ebene in den Druckdaten anlegen (Sonderfarbe „Rillinie").

4. Lesbarkeit beim Auseinanderziehen: Beim Zickzackfalz können Vorder- und Rückseite jeweils als zusammenhängende Panoramaabbildungen gestaltet werden – beide Seiten sind vollständig sichtbar, wenn das Produkt vollständig ausgebreitet ist. Alternativ kann jedes Panel einzeln gestaltet werden.

5. Offene vs. geschlossene Kante: Beim Zickzackfalz endet das Produkt entweder mit einer geschlossenen Kante (letztes Panel ist eine Rückseite) oder einer offenen Kante (letztes Panel ist eine Vorderseite). Je nach Designanforderung die Kantenlogik überprüfen.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalZickzackfalzWickelfalzParallelfalz
FaltrichtungAbwechselndImmer gleich (einrollend)Alle in eine Richtung (übereinander)
ÖffnungsbewegungZiehharmonika (ausziehen)AufrollenAufklappen
Gleiche SeitenbreitenJaNein (Stufung nötig)Ja
Typisches ProduktStadtplan, Leporello, KonzertprogrammDL-Flyer, ProspektMailing, Fensterkuvert
SeitenzahlBeliebig gerade4, 6, 84, 6

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Seiten kann ein Zickzackfalz haben? Theoretisch beliebig viele – solange die Falzmaschine die Anzahl der Falze bewältigt und die Stapeldicke des gefalteten Produkts handhabbar bleibt. Praktisch sind 6–12 Seiten der häufigste Bereich; bei Landkarten auch 16–24 Seiten. Bei sehr vielen Seiten empfiehlt sich Vorrillung aller Falzkanten.

Was ist ein Leporello? Ein Leporello ist ein Zickzackfalz-Produkt, bei dem alle Panels aneinander hängen und das Produkt in voller Länge aufgefaltet werden kann. Der Begriff kommt aus der Buchkunst und Fotografie. In der Druckpraxis werden die Begriffe Leporello und Zickzackfalz oft synonym verwendet.

Ist ein Zickzackfalz dasselbe wie ein Fächerfalz? In der Praxis wird Zickzackfalz manchmal als „Fächerfalz" bezeichnet. Im strengen Sinne beschreibt „Fächerfalz" jedoch eine Sonderform, bei der die Panels fächerartig nach außen aufklappen – das Produkt öffnet sich fächerförmig, nicht linear. In der Druckerei-Kommunikation am besten mit einer Skizze oder einem Dummy verdeutlichen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kipphan, Helmut (2000): Handbuch der Printmedien. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Teschner, Helmut (2020): Druck- und Medientechnik. Christiani Verlag, Konstanz.
  • Online: Flyeralarm – Falztechnik-Übersicht – www.flyeralarm.com
  • Online: Printi – Gestaltungstipps für Faltflyer – www.printi.de
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