Tascam DR-70D ist ein kompakter 4-Kanal-Recorder des japanischen Herstellers Tascam mit 4 XLR/TRS-Komboeingängen, integrierter Kamera-Montagemöglichkeit, 2-Kanal-Rückspielung zur Kamera und 24-Bit/96-kHz-Aufnahme – entwickelt als dedizierter Tonrekorder für DSLR- und Mirrorless-Videoproduktionen.
Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Audio · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: DR-70D, Tascam DR70D, DR 70 D
Was ist der Tascam DR-70D?
Der Tascam DR-70D ist ein speziell für die DSLR- und Mirrorless-Videoproduktion konzipierter Recorder. Sein markantestes Merkmal ist die Formgebung: Das Gerät ist flach und breiter als es hoch ist – ideal, um es unter einer DSLR-Kamera an einem Kamerarig oder einer Cage zu befestigen. Die 4 XLR-Eingänge ermöglichen den gleichzeitigen Anschluss von bis zu 4 Mikrofonen, während ein integrierter 3,5-mm-Kamera-Rückspielausgang das aufgenommene Signal parallel zur Kamera überträgt – zur synchronen Aufzeichnung als Backup oder für Live-Monitoring. Zielgruppe: Solo-Videografen, kleine Filmcrews ohne dedizierten Tonmixer, ENG-Teams und YouTuber mit professionellem Ton-Anspruch.
Technische Spezifikationen
Der DR-70D ist auf 4-Kanal-Simultanaufnahme ausgelegt und kombiniert professionelle XLR-Eingänge mit einer kameratauglichen Formgebung.
Eingänge: 4× XLR/TRS-Kombobuchse (Kanal 1–4; Kanäle 1+2 symmetrisch; 3+4 symmetrisch) Ausgang zur Kamera: 3,5-mm-TRS Stereo (Return to Camera) Ausgang Kopfhörer: 3,5-mm-TRS (Monitoring) Ausgang Line: 3,5-mm-TRS Stereo Phantomstrom: +24 V oder +48 V (je Kanalgruppe: 1+2 oder 3+4 schaltbar) Aufnahmeformat: WAV (44.1, 48, 96 kHz; 16 oder 24 Bit) Simultane Spuren: 4 (Einzelspuren) + Stereo-Mix-Spur = 4+2 Spuren Dynamikbereich: 107 dB (LINE IN); 80 dB (MIC, mit Phantom; TASCAM Angabe) Eigenrauschen Preamp: EIN < −128 dBV (A-gewichtet) – solide Midrange-Qualität USB: Mini-USB-B (Massenspeicher/Datentransfer; kein Audio-Interface-Modus) Speichermedium: SDXC/SDHC (bis 128 GB) Display: Monochrom-LCD mit Pegelanzeigen für alle 4 Kanäle Stromversorgung: 4× AA-Batterie (ca. 5 Stunden mit Phantom) oder USB-Mini (Dauerversorgung) Gewicht: 240 g (ohne Batterien) Abmessungen: 145 × 55 × 35 mm (optimal für DSLR-Unterseite) Dual-Record-Funktion: Sicherungsaufnahme auf niedrigerem Pegel (−12 dB) simultane Aufnahme Mono-Ausgang: Kanal 1+2 als Mono-Mix auf Kamera-Return möglich Besonderheiten: Kamera-Rückspielausgang mit zuschaltbarem 1-kHz-Testton; Level-Einstellung am Kamera-Ausgang
Die Dual-Record-Funktion ist besonders in Interviews und unvorhergesehenen Lautstärkespitzen nützlich: Das Gerät zeichnet jeden Kanal zweimal auf – einmal mit dem eingestellten Pegel und einmal mit −12 dB als Sicherungsspur. Im Schnitt kann die leisere Spur bei Übersteuerungen der Hauptspur nahtlos eingefügt werden.
Stärken & Schwächen
Stärken:
- Kamerataugliche Formgebung mit Standard-1/4"-Gewinde für Cage/Rig-Montage
- 4 XLR-Eingänge für vollständige Mehrkanal-Aufnahme
- 2-Kanal-Kamera-Rückspielausgang für synchrone Kamera-Aufnahme
- Dual-Record-Funktion als Übersteuerungsschutz
- Kompakt und leicht (240 g)
- Preis ca. 270–300 € – sehr günstig für 4-Kanal-Profi-XLR-Recorder
Schwächen:
- Kein USB-Audio-Interface-Modus (nur Datentransfer)
- Keine 32-Bit-Float-Aufnahme
- Kein Timecode-Empfang oder -Ausgabe
- Begrenzte Batterielaufzeit (5 Stunden mit Phantom)
- Eigenrauschen im Midrange (unter MixPre-3 II, aber ausreichend für Video)
- Display ist klein und monochrom – schwer ablesbar im Außeneinsatz
- Kein Bluetooth oder Companion-App
In der Praxis
Der DR-70D ist der ideale Rekorder für Solo-Videografen, die an einem DSLR-Rig arbeiten. Er sitzt unter der Kamera (Montage per 1/4"-20-Gewinde), der 3,5-mm-Kamera-Return verbindet ihn mit dem Mikrofoneingang der Kamera. Das Kamerabild enthält einen Ton-Backup auf Stereo-Mix-Basis, während der DR-70D die 4 Originalspuren getrennt aufzeichnet.
Typisches Solo-Videografen-Setup: Røde Wireless GO II-Empfänger an XLR 1 (per 3,5-mm-zu-XLR-Adapter), Røde VideoMicro II On-Camera per 3,5-mm direkt an Kamera (Backup), Tascam-Rückspielung zur Kamera für synchronen Ton-Guide auf Kamera.
Bei Interviews: Boom-Mikrofon (z. B. Røde NTG3) an XLR 1, Lavalier-Funksystem (Sennheiser EW 100 G4) an XLR 2, zweites Lavalier an XLR 3. Alle Spuren separat für die Postproduktion. Dual-Record aktiviert für Pegelschutz.
Für YouTube-Produktionen: Das DR-70D-Setup ermöglicht professionelle 4-Kanal-Aufnahmen ohne komplizierte Postproduktionssynchronisation. Da der Ton gleichzeitig auf der Kamera landet (via Return), lässt er sich einfach mit dem Bild in DaVinci Resolve oder Premiere Pro synchronisieren.
Vergleich & Abgrenzung
vs. Zoom H6 Essential: Der H6 Essential (ca. 380 €) hat 4 XLR-Eingänge + Kapselsystem, 32-Bit-Float und USB-Interface. Der DR-70D ist günstiger und formoptimiert für DSLR-Kamera-Montage, hat aber keine 32-Bit-Float. Für reine DSLR-Sets ist das DR-70D praktischer; für flexible Nutzung (Interface + Feldaufnahme) das H6 Essential.
vs. Tascam DR-60D MkII: Der DR-60D MkII ist das günstigere Geschwistermodell (ca. 180 €) mit nur 2 XLR-Eingängen. Für 1–2-Mikrofon-Setups ausreichend. Für 3–4 Mikrofone ist der DR-70D die notwendige Erweiterung.
vs. Sound Devices MixPre-3 II: Der MixPre-3 II (ca. 750 €) hat bessere Preamps, 32-Bit-Float und Timecode, ist aber fast dreimal so teuer. Für semiprofessionelle DSLR-Produktionen ist der DR-70D eine sehr gute Wahl; für professionelle Filmproduktion ist der MixPre-3 II überlegen.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich den DR-70D unter einer Sony Alpha Kamera montieren? Ja. Der DR-70D hat ein Standard-1/4"-20-Unterseiten-Gewinde. Er kann direkt an das Kamerabodenstativ-Gewinde geschraubt werden oder über einen Kamera-Cage (z. B. SmallRig Sony A7-Cage) per Seitenschiene angebracht werden. Der Kamera-Return-Kabel (3,5-mm-zu-3,5-mm) verbindet das DR-70D mit dem Mikrofoneingang der Sony. Funktioniert mit Sony A7-Serie, Canon EOS R-Serie, Nikon Z-Serie und Fujifilm X-Serie.
Unterstützt das DR-70D Timecode für die Synchronisation mit Filmkameras? Nein. Das DR-70D hat keine dedizierte Timecode-Unterstützung (LTC In/Out). Für Timecode-Sync in professionellen Produktionen sind Geräte wie der Sound Devices MixPre-3 II oder der Zoom F4/F6 notwendig. Im DSLR-Kontext ist Timecode-Sync jedoch seltener erforderlich – die Synchronisation erfolgt meist manuell per Klatsche oder über Dual-System-Syncing in DaVinci Resolve.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Tascam: DR-70D Reference Manual, tascam.com, 2022
- Farace, Joe: Microphones for Digital Video, Amherst Media, 2019
- Rubin, Michael: Nonlinear: A Field Guide to Digital Video and Film Editing, 4. Aufl., Triad, 2000
