Canon Cinema EOS C70 ist eine kompakte Cinema-EOS-Kamera mit Super-35-DGO-Sensor, nativem RF-Mount, 4K-Videoaufnahme bis 120p und über 16 Blendenstufen Dynamikumfang durch den Dual-Gain-Output-Sensor für professionelle Filmproduktionen.
Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Kameras · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: C70, Cinema EOS C70
Was ist die Canon Cinema EOS C70?
Die Canon Cinema EOS C70 ist Canons kompakteste Cinema-EOS-Kamera und das erste Cinema-EOS-Modell mit nativem RF-Mount. Sie positioniert sich zwischen der professionellen EOS R5 C und der größeren C300 Mark III und richtet sich an Solo-Filmemacher, Dokumentarfilmer und kommerzielle Videoproduktionen. Das Herzstück ist der DGO-Sensor (Dual Gain Output), der durch simultane Auslesung mit zwei verschiedenen Verstärkungen an zwei Ausgängen einen außergewöhnlichen Dynamikumfang von über 16 Blendenstufen ermöglicht – ohne die für gestackte Sensoren typischen Nachteile. Mit dem RF-Mount und der kompakten Bauform ergänzt sie Canons Cinema-Linie für mobile, flexible Produktionen.
Technische Spezifikationen
- Sensor: 4K Super-35 DGO-CMOS (Dual Gain Output, 26,2 × 13,8 mm)
- Effektive Auflösung: 8,85 MP (4.096 × 2.160 nativ)
- Dynamikumfang: über 16 Blendenstufen (dank DGO-Technologie, Sony-Angabe)
- ISO-Bereich: 100–102.400 (erweiterbar); Dual-Basis-ISO: 800 und 3.200
- Videoauflösung: Cinema 4K (4.096 × 2.160) bis 60p; 4K UHD (3.840 × 2.160) bis 60p; 4K 120p (im Crop-Modus 2K-Upscale); Full HD bis 120p
- RAW-Ausgabe: 12-Bit RAW über HDMI (an externes Gerät)
- Farbtiefe: 10 Bit intern (4:2:2); 12 Bit RAW extern
- Farbprofile: C-Log 2, C-Log 3, Rec.709, HLG, PQ
- Codecs: Cinema RAW Light (12 Bit, über RAW-Ausgabe), XF-AVC (10 Bit 4:2:2, Intra und Long GOP)
- Objektivanschluss: Canon RF-Mount nativ (kompatibel mit EF über Adapter)
- Autofokus: Dual Pixel CMOS AF, kamerabreite Phasendetektions-AF
- Bildstabilisierung: Dual IS II (elektronisch + OIS der RF-Objektive)
- Anschlüsse: 2× Mini-XLR (mit 48V Phantomspeisung), HDMI Typ A (Full), USB-C, 3,5-mm-Kopfhörer, Fernbedienungsanschluss, Timecode-Eingang
- Sucher: optionaler Sucher (EVF-V50) erhältlich; kein integrierter Sucher
- Monitor: 3,45-Zoll-LCD, 2,76 Mio. Punkte, schwenkbar
- Speicher: Dual-Slot (CFexpress Typ B und SD UHS-II)
- Kühlung: Aktiver Lüfter
- Akku: LP-E6NH
- Abmessungen: 160 × 138 × 116 mm (mit Griff)
- Gewicht: ca. 1,01 kg (mit Akku, ohne Objektiv)
- Wetterschutz: Staub- und Feuchtigkeitsschutz
Stärken & Schwächen
Stärken:
- DGO-Sensor mit über 16 Blendenstufen für außergewöhnlichen Dynamikumfang
- Nativer RF-Mount für das komplette Canon-RF-Objektiv-Ökosystem
- Aktiver Lüfter für unbegrenzte Aufnahmedauer
- Timecode-Eingang für Multi-Kamera-Synchronisation
- Mini-XLR am Body ohne zusätzliches Zubehör
Schwächen:
- Super-35-Sensor (kein Vollformat) – Crop-Faktor ca. 1,5× gegenüber Kleinbild
- 4K 120p nur im Crop-Modus mit 2K-Upscale
- Kein integrierter ND-Filter (im Gegensatz zu Sony FX6)
- Kein integrierter EVF
- Teurer als die Sony FX3 bei geringerem Sensor-Format
Für wen geeignet?
Die Canon C70 ist ideal für Dokumentarfilmer, ENG-Kameraleute und kommerzielle Videoproduktionen im Canon-RF-Ökosystem. Kameraleute, die bereits in RF-Objektive investiert haben, können diese direkt ohne Adapter nutzen. Für Produktionen, bei denen extremer Dynamikumfang besonders wichtig ist – etwa Aufnahmen in Innenräumen mit Außenfenstern –, bietet der DGO-Sensor einzigartige Vorteile gegenüber Standard-CMOS-Sensoren. Für Hochzeits- und Eventfilmer, die Canon-Ökosystem bevorzugen und professionellen Ton benötigen, ist die C70 eine ausgezeichnete Wahl. Weniger geeignet für Großformat-Produktionen, die Vollformatsensor erfordern.
In der Praxis
Im Canon-Workflow nutzt die C70 das gleiche XF-AVC-Format wie die C300 Mark III und C500 Mark II, was eine nahtlose Multi-Kamera-Integration ermöglicht. Für Canon-Cinema-Workflows empfiehlt sich DaVinci Resolve oder Adobe Premiere Pro mit Canon-eigenen LUTs für C-Log-2- und C-Log-3-Material. Für Außenaufnahmen ist eine externe Matte-Box mit ND-Filtern notwendig. Als Objektive eignen sich Canon-RF-Cine-Prime-Objektive oder die Cinema-Prime-Summicrons im EF-Mount über Adapter. Der Timecode-Eingang ermöglicht Multi-Kamera-Setups mit professionellem Ton-Equipment (Timecode-Box wie Ambient ACL 204).
Vergleich & Abgrenzung
- Canon Cinema EOS C300 Mark III: Bietet ebenfalls DGO-Sensor, aber im größeren Cinema-EOS-Body mit PL- und EF-Mount, mehr professionellen Anschlüssen und ausgereifterem Filmproduktions-Workflow. Kein RF-Mount nativ.
- Sony FX6: Vollformatsensor, internem ND-Filter, ähnlichem Preisniveau. Kein DGO, aber höhere Lichtstärke durch größeren Sensor.
- Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K G2: Super-35/MFT-Sensor, RAW intern, viel günstigerer Preis, aber ohne professionelles Produktions-Ökosystem.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der DGO-Sensor und warum ist er besonders? DGO steht für Dual Gain Output. Der Sensor liest jedes Pixel gleichzeitig mit zwei verschiedenen Verstärkungsgraden aus und kombiniert diese Informationen digital, um einen extrem großen Dynamikumfang zu erzielen. Dieses Verfahren unterscheidet sich von HDR-Verfahren mit mehrfacher Belichtung und ermöglicht über 16 Blendenstufen bei gleichzeitig niedrigem Rauschen – ohne die Bewegungsartefakte von Multi-Exposure-Methoden.
Kann man EF-Cinema-Objektive an der C70 verwenden? Ja, über den Canon Adapter EF-EOS R lassen sich EF- und EF-S-Objektive verwenden. Ein spezieller Cinema-Adapter ermöglicht die Nutzung von EF-Cinema-Objektiven mit PL-Kontakten. Allerdings ist beim RF-Mount die direkte Kommunikation mit RF-Objektiven optimaler.
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Weiterführend
- Canon Inc.: Cinema EOS C70 Technische Spezifikationen, Canon Inc., 2020
- cinema5D: „Canon EOS C70 – Real World Review", cinema5d.com, 2021
