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Atlas Lens Co. Orion Anamorphic ist eine Serie 2×-anamorphotischer Cine-Festbrennweiten, hergestellt in den USA von Atlas Lens Co., bekannt für einen charakteristischen horizontalen Blau-Flare, ovales Bokeh und das breite Cinemascope-Seitenverhältnis (2.39:1) – für Indie-Filmproduktionen, die den Kino-Look mit anamorpher Optik erzielen wollen.

Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Objektive · Niveau: Fortgeschritten

Technische Daten (Atlas Orion 50mm T2 Anamorphic):

EigenschaftWert
Brennweite (anamorphisch)32, 40, 50, 65, 80 mm
Anamorphot-Faktor2× horizontal
Äquivalente Brennweite (spherisch)64, 80, 100, 130, 160 mm
Lichtstärke / T-StopT2 (32mm: T2.2)
AutofokusNein
Fokusring-Rotation270°+
Frontmaß95 mm (alle Brennweiten)
Gewicht1.175 g (50mm)
Min. Fokusabstand90 cm (50mm)
BildkreisSuper-35
BajonettPL-Mount, EF-Mount, LPL-Mount (Wechselbajonett)
Flare-CharakteristikHorizontal, blau-weiß
Straßenpreis ca.5.500–7.500 € pro Objektiv (Stand 2024/25)

Was ist die Atlas Orion Anamorphic Serie?

Die Atlas Lens Co. Orion Anamorphic Serie ist ein amerikanisches Produkt, das sich an ambitionierte Indie-Filmemacher richtet, die das cineastische Cinemascope-Format in anamorphischer Optik nutzen wollen, ohne die 50.000–100.000+ Euro teure Panavision/Cooke-Anamorphic-Sets anmieten zu müssen.

Anamorphische Optik ist eine Technik, die im Kino seit den 1950er Jahren eingesetzt wird und durch ein horizontales Komprimierungsverhältnis von 2:1 das breite Cinemascope-Seitenverhältnis auf einem schmaleren Sensor-Gate erzeugt. Beim Abfilmen wird das Bild horizontal gestaucht (anamorphisch komprimiert) und bei der Projektion oder in der Post-Produktion wieder entzerrt (de-squeezing), was das native 2.39:1 Cinemascope-Breitbildformat ergibt.

Die charakteristischen optischen Eigenschaften anamorphischer Optik – horizontale Streulichtlinien (Flares), ovales Bokeh und spezifische Verzeichnungscharakteristik – sind für viele Filmemacher ästhetisch unersetzbar und geben Filmen den unverwechselbaren „Kino-Look".

Optische Eigenschaften

Anamorphot-Faktor 2×: Das Atlas Orion komprimiert das Bild horizontal um Faktor 2. Ein 25-mm-spherisches Äquivalent wird zu einem 50-mm-Orion-anamorphisch (Brennweite nach Entsqueezen entspricht 100-mm-spherisch). Die Doppelnennung von Brennweiten ist bei anamorphischen Objektiven immer die native (komprimierte) Brennweite.

Flare-Charakteristik: Das definierendste Merkmal der Orion-Linsen. Die horizontalen Streulichtlinien (Flares) entstehen durch die elliptische Apertur und die Optikgruppen des Anamorphots. Beim Atlas Orion sind sie blau-weiß, horizontal und sehr charakteristisch. Direktes Gegenlicht oder helle Lichtquellen erzeugen dramatische Kino-Flares.

Bokeh: Das Bokeh anamorphischer Objektive ist von Natur aus oval statt kreisrund – ein direktes Ergebnis der horizontalen Komprimierung. Das ovale Bokeh ist ein weiteres unverwechselbares Kino-Merkmal. Beim Orion ist das Bokeh weich und ausdrucksstark.

Schärfe: Das Orion ist für seine Klasse scharf, jedoch bewusst nicht auf Maximalschärfe optimiert. Die Schärfe hat eine organische, filmische Qualität – nicht die sterile Perfektion moderner spherischer Optik.

Rendering: Wärmer als neutrale Konkurrenten. Die Farbwiedergabe hat einen leicht gelblich-warmem Toncharakter, der für Dramen und Romanzen ästhetisch geschätzt wird.

Verzeichnung: Anamorphische Linsen zeigen typischerweise eine leichte Kissenverzeichnung; das Orion zeigt eine moderate anamorphische Verzeichnung, die beim De-Squeezing teilweise korrigiert wird.

Beispiele – 5 Aufnahmesituationen

  1. Indie-Spielfilm im Cinemascope-Format: Für einen Spielfilm, der in 2.39:1 auf Kino-Leinwand oder als Netflix-Kinofilm veröffentlicht werden soll, sind anamorphische Objektive die authentischste Wahl. Das Orion liefert den nativen Cinemascope-Look ohne Post-Cropping.
  2. Musikvideo mit Kino-Ambitionen: Viele hochwertige Musikvideos nutzen anamorphische Optik für den charakteristischen Flare-Look, der Bandimages mit Kinofeeling aufwertet. Das Orion-Set ist für Musikvideo-Budget oft erschwinglich (über Verleihhäuser).
  3. Werbespots im Cinemascope: Für Automobilwerbung (breite Straßen, Panoramen) oder Luxusmarken-Werbung ist das 2.39:1-Format besonders attraktiv. Das Atlas Orion bietet diesen Look zu einem Bruchteil der klassischen Panavision-Miete.
  4. Short Film für Festivaleinreichung: Internationale Filmfestivals (Sundance, Berlinale) haben eine starke Tradition im Cinemascope-Format. Für Festival-Kurzfilme ist das anamorphische Format eine ästhetische Aussage.
  5. Naturfilm mit dramatischen Landschaften: 2.39:1 und dramatische Flares bei Sonnenuntergang über weiten Landschaften (Wüste, Meer, Gebirge) sind für Naturfilm und Reisedoku ein filmisches Statement.

In der Praxis

Das Atlas Orion ist für Super-35-Sensor-Bildkreis (31,1 mm Diagonale) ausgelegt und nicht für Vollformat-Sensoren (46+ mm Diagonale) geeignet – auf Large-Format-Kameras entstehen extreme Vignettierungen. Für ARRI Alexa 35 (Super 35), RED MONSTRO (Super 35), Blackmagic URSA 4.6K (Super 35) und Sony FX9 (in Super-35-Crop-Modus) geeignet.

Das Wechselbajonett-System (PL, EF, LPL) ermöglicht maximale Kameraflexibilität. De-Squeezing erfolgt in der Post: DaVinci Resolve, Final Cut Pro, Premiere unterstützen 2× De-Squeezing direkt im Editing. Für Live-Monitoring ist ein On-Set-Monitor mit 2×-De-Squeezing-Unterstützung (z.B. SmallHD Cine) notwendig.

Kompatible Kamerasysteme: ARRI Alexa Mini (Super 35, PL), RED KOMODO/MONSTRO (Super 35, PL), Sony FX9 (Super-35-Crop, EF/PL), Blackmagic URSA Mini Pro (PL/EF)

Vergleich & Abgrenzung

ObjektivFaktorPreis/ObjektivKlasse
Atlas Orion Anamorphic5.500–7.500 €Indie-Profi
Atlas Mercury Anamorphic1.5×3.900–5.500 €Indie-Starter
Cooke Anamorphic/i25.000–40.000 €Hollywood
Panavision Primo AnamorphicNur VerleihHollywood
Sirui 75mm f/1.8 Anamorphic 1.33×1.33×899 €Consumer

Atlas positioniert sich klar im Indie-Profi-Segment: erheblich günstiger als Cooke/Panavision, aber deutlich hochwertiger als Consumer-Lösungen (Sirui). Das Atlas Mercury mit 1.5× ist eine günstigere Einstiegsoption für Vollformat-Kameras.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen 1.5× und 2× Anamorphic? 2× ist das klassische Cinemascope-Format und erzeugt das native 2.39:1-Seitenverhältnis auf einem 4:3-Sensor (S35). 1.5× erzeugt ein 2.0:1-Seitenverhältnis auf S35 oder 2.39:1 auf einem Vollformat-Sensor mit 1,78:1-Ausgangsverhältnis. 1.5× ist flexibler für moderne 16:9-Vollformat-Kameras; 2× ist der authentischste Cinemascope-Faktor für S35.

Kann das Atlas Orion für Foto-Shooting verwendet werden? Grundsätzlich ja, aber der praktische Nutzen ist begrenzt: Kein AF, sehr schwer, teuer, und der De-Squeezing-Schritt in der Post macht anamorphische Fotografie umständlich. Für spezielle Foto-Kunstprojekte oder Analog-Anamorphic-Photography (an analogen Mittelformat-Kameras) gibt es nischige Anwendungsfälle.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Atlas Lens Co. Produktseite: Orion Anamorphic Series (atlaslenscoltd.com)
  • CineD: Atlas Orion Anamorphic Hands-On Review
  • Ryan Connolly: Anamorphic on a Budget – Film Riot (YouTube)
  • Filmmaker IQ: The History and Science of Anamorphic Lenses
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