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Voigtländer Nokton 35mm f/1.2 ist eine manuell fokussierte Vollformat-Weitwinkel-Festbrennweite für das Sony-E-Mount-Bajonett, in Kleinserien gefertigt von Cosina (Japan), bekannt für ihr charakteristisches Rendering, analoge Haptik und einen ungewöhnlich günstigen Preis für ein Nischenpremiumprodukt.

Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Objektive · Niveau: Fortgeschritten

Technische Daten:

EigenschaftWert
Brennweite35 mm
Lichtstärkef/1.2
AutofokusNein (manuell)
EXIF-KommunikationJa (CPU-Chip)
Filtergewinde58 mm
Gewicht370 g (Aspherical III)
Länge / Durchmesser60,6 mm / 65,8 mm
Min. Fokusabstand30 cm
Abbildungsmaßstab0,13×
Blendenlamellen12 (kreisrund)
Optisches Schema10 Elemente in 6 Gruppen
WetterschutzNein
Verfügbare VersionenNokton Classic 35mm f/1.4, Nokton 35mm f/1.2 Aspherical III
Straßenpreis ca.679–799 € (Stand 2024/25)

Was ist das Voigtländer Nokton 35mm f/1.2?

Voigtländer ist eine der ältesten Kamera- und Objektivmarken weltweit (gegründet 1756 in Wien), die heute unter dem japanischen Hersteller Cosina gefertigt wird. Die Nokton-Linie repräsentiert Voigtländers hochlichtstarke Festbrennweiten-Reihe, und das Nokton 35mm f/1.2 ist das lichtstärkste 35-mm-Objektiv im Voigtländer-Lineup für Sony E-Mount.

Das Nokton 35mm f/1.2 Aspherical III (aktuelle Version, ca. 2021) ist eine Weiterentwicklung der vorherigen Versionen mit verbesserter optischer Korrektur durch eine asphärische Linse. Es verfügt über einen eingebauten CPU-Chip, der EXIF-Daten (Brennweite, Blende) an die Sony-Kamera übermittelt und damit eine korrekte Belichtungsmessung und Stabilisierungsunterstützung ermöglicht.

Das Objektiv ist vollständig manuell: kein Autofokus, kein Bildstabilisator. Das spricht Fotografen an, die bewusst langsamer arbeiten wollen – Straßenfotografen, die mit Zone-Focus arbeiten, Filmer, die manuelle Fokussteuerung bevorzugen, und Vintage-Enthusiasten, die die haptische Erfahrung des analogen Fotografierens schätzen.

Optische Eigenschaften

Das optische Design der Aspherical-III-Version umfasst 10 Elemente in 6 Gruppen mit einer asphärischen Linse für die Korrektur sphärischer Aberrationen.

Schärfe: Bei f/1.2 bietet das Nokton eine für seine Klasse typisch moderatere Schärfe – weich mit einem charakteristischen Glühen (Glow) um Lichter, das viele als ästhetisch ansehen. Ab f/2.8 wird die Schärfe deutlich besser; bei f/5.6 ist das Objektiv für handwerkliche Aufgaben ausreichend scharf.

Bokeh: Das charakteristischste Merkmal. Das Nokton 35mm f/1.2 erzeugt bei offener Blende ein sehr charakteristisches, wirbelndes Bokeh mit einem leicht sphärischen Rendering. Unschärfebälle haben bei den äußeren Bereichen einen leichten Drall (Swirl-Effekt), was für viele Fotografen zu einem unverwechselbaren Bildstil führt. Dieses „schöne Unperfekte" ist für Vintage-Liebhaber ein Feature, nicht ein Bug.

Vignettierung: Bei f/1.2 sehr starke Vignettierung (bis 3 EV), die zum Look beiträgt. Ab f/2.8 deutlich geringer.

Verzeichnung: Für ein 35-mm-Objektiv sehr geringe Verzeichnung.

Rendering vs. moderne Optik: Das Nokton verzichtet auf die extreme Korrektheit moderner computeroptimierter Designs. Es besitzt eine organischere, analoge Charakteristik, die in der digitalen Perfektion von Sony-GM- oder Sigma-Art-Objektiven nicht zu finden ist.

Beispiele – 5 Aufnahmesituationen

  1. Street Photography nach alter Schule: Zone-Fokus bei f/5.6 bis f/8 mit gesetztem Fokus auf ~2–3 m ermöglicht schnelle Street-Aufnahmen ohne Autofokus-Verzögerung. Das charakteristische Rendering verleiht Straßenbildern einen filmischen Look.
  2. Portraitfotografie mit Charakter: Bei f/1.2 bis f/2 entsteht ein Glüh-Effekt um Lichter (besonders Haare), der digitale Fotos mit analogem Film-Look verbindet. Für kreative Portraitsessions, die nicht „klinisch scharf" sein sollen.
  3. Nachtfotografie in der Stadt: f/1.2 bei ISO 800 sichert Aufnahmen in sehr dunklen Umgebungen. Die charakteristischen Bokeh-Bälle aus Straßenlaternen wirken bei dieser Optik besonders dekorativ.
  4. Analog-Look für Social Media: Viele Content-Creator suchen nach einem „ungekünstelten", filmähnlichen Look für Instagram oder TikTok. Das Nokton liefert ihn optisch nativ, ohne digitale Filter.
  5. Dokumentarfilm im Stil der 1970er: Für Filmemacher, die bewusst einen Vintage-Film-Ästhetik anstreben – Schärfeverlauf, Vignettierung, Rendering –, ist das Nokton ein authentischeres Werkzeug als digitale Filter.

In der Praxis

Der manuelle Fokus erfordert Übung und Sorgfalt, besonders bei f/1.2 mit einer Tiefenschärfe von wenigen Zentimetern auf kurze Entfernungen. Focus Peaking und die Fokusvergrößerung (MF Assist) in Sony-Alpha-Kameras sind unverzichtbare Hilfsmittel.

Das Gehäuse aus Metall ist für ein 370-g-Objektiv außergewöhnlich solide. Fokusring und Blendenring haben eine für Voigtländer typisch seidenweiche, gedämpfte Bewegung. Die Blendenklickstufen können an einigen Versionen deaktiviert werden (für geräuschlosen Video-Betrieb).

Kompatible Kameras: Alle Sony E-Mount-Kameras (Vollformat und APS-C). Bei APS-C-Kameras entspricht die Brennweite 52,5 mm Äquivalent.

Vergleich & Abgrenzung

ObjektivAFGewichtCharakterPreis ca.
Voigtländer Nokton 35mm f/1.2Nein370 gVintage799 €
Sigma 35mm f/1.4 Art DG DNJa640 gModern899 €
Zeiss Loxia 35mm f/2Nein340 gNeutral1.199 €
Sony FE 35mm f/1.8Ja280 gModern699 €
7Artisans 35mm f/0.95Nein355 gVintage179 €

Das Nokton ist das einzige Objektiv seiner Klasse, das f/1.2, Vollformat-Kompatibilität, EXIF-Kommunikation und Voigtländer-Reputation kombiniert. Das Zeiss Loxia 35mm ist optisch „korrekter", hat aber nur f/2. Das 7Artisans ist deutlich günstiger, aber mit erheblichen optischen Kompromissen.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist das Voigtländer Nokton 35mm für tägliche Verwendung praktikabel, wenn man Autofokus gewöhnt ist? Es erfordert Gewöhnung. Erfahrene Streetfotografen mit Zone-Fokus-Technik kommen sehr gut damit zurecht. Für schnelle, unvorhersehbare Situationen (Kinder, Sport) ist das Fehlen des AF ein echter Nachteil. Viele Nutzer verwenden das Nokton bewusst als „slow down"-Objektiv für kreative Projekte.

Warum gibt es mehrere Versionen des Nokton 35mm f/1.2? Voigtländer hat das Nokton 35mm f/1.2 in mehreren Revisionen produziert (I, II, III). Die aktuelle Aspherical-III-Version verbessert die sphärischen Aberrationen deutlich. Ältere Versionen haben ein etwas weicheres Rendering bei Offenblende. Für Puristen kann die ältere Version sogar begehrter sein.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Voigtländer/Cosina-Produktseite: Nokton 35mm F1.2 Aspherical III (cosina.co.jp)
  • Phillip Reeve: Voigtländer Nokton 35mm f/1.2 III Review
  • Marc Alcock: Nokton 35mm f/1.2 E-Mount – Long-term Review
  • Lenstip.com: Voigtländer Nokton 35mm F1.2 Aspherical III Test
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