Voigtländer NOKTON ist eine Serie lichtstark manuell fokussierender Festbrennweiten des japanischen Herstellers Cosina unter der historischen deutschen Marke Voigtländer, erhältlich für Leica-M-Mount und Sony-E-Mount, und bietet klassisch-optisches Rendering mit modernen Vergütungen zu einem deutlich günstigeren Preis als Leica-Eigenprodukte.
Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Objektive · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Voigtländer NOKTON Vintage Line, Voigtländer NOKTON Classic, COSINA Voigtländer, Leica-M-kompatible Cosina-Objektive
Was ist die Voigtländer NOKTON Serie?
Die Marke Voigtländer geht auf ein 1756 in Wien gegründetes Optikhaus zurück, ist seit den 1990er Jahren im Besitz des japanischen Optikherstellers Cosina und wird ausschließlich von Cosina in Japan gefertigt. NOKTON ist die Bezeichnung für Voigtländers lichtstarke Festbrennweiten (typischerweise f/1.0–f/1.5), während Ultron die f/2.0-Klasse und Heliar die Standardfestsbrennweiten bezeichnen. Die NOKTON-Serie für Leica-M-Mount und Sony-E-Mount positioniert sich als hochwertige Alternative zu echten Leica-Objektiven (ca. 3.000–10.000 EUR) zu Preisen von 400–1.100 EUR. Zielgruppe: Leica-M-Fotografen mit begrenztem Budget, Sony-E-Mount-Nutzer mit Vorliebe für manuelles Fokussieren und klassischen Look, und Fotografen, die an spiegellosen Kameras M-Mount-Optiken adaptieren.
Eigenschaften & Spezifikationen
Repräsentative NOKTON-Modelle für Leica M und Sony E:
| Modell | Mount | Blende | Elemente/Gruppen | Filter | Nahgrenze | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|---|
| NOKTON 50mm f/1.0 Aspherical | Leica M | f/1.0 | 9/7 | 58 mm | 0,70 m | 470 g |
| NOKTON 35mm f/1.2 Aspherical III | Leica M | f/1.2 | 9/6 | 58 mm | 0,50 m | 350 g |
| NOKTON Classic 35mm f/1.4 | Leica M | f/1.4 | 8/5 | 43 mm | 0,70 m | 210 g |
| NOKTON 50mm f/1.5 Aspherical II | Leica M | f/1.5 | 8/5 | 49 mm | 0,90 m | 270 g |
| NOKTON 75mm f/1.5 Aspherical | Leica M | f/1.5 | 9/7 | 58 mm | 0,70 m | 320 g |
| NOKTON 21mm f/1.4 Aspherical | Sony E | f/1.4 | 13/10 | 52 mm | 0,24 m | 430 g |
| NOKTON 40mm f/1.2 Aspherical SE | Sony E | f/1.2 | 10/7 | 58 mm | 0,35 m | 345 g |
| NOKTON 60mm f/0.95 | MFT | f/0.95 | 10/7 | 58 mm | 0,17 m | 450 g |
NOKTON-Objektive sind vollständig manuell ohne jede elektronische Kopplung (außer bei neueren Sony-E-Mount-Modellen, die EXIF übertragen). Für Leica-M-Mount-Modelle gilt der standardisierte M-Bajonett-Kupplungsmechanismus mit Entfernungsmesserkupplung. Die Bauweise ist solide mit Metalltubus und Messingbajonett. Fokusring: sehr langer, präziser Drehweg von ca. 90–200°, typisch für M-Mount-Optiken. Blendenlamellen: 12 bei Aspherical-Modellen. Die NOKTON Classic-Linie (35mm f/1.4, 50mm f/1.5) verwendet absichtlich eine leicht vereinfachte optische Konstruktion, um einen leicht vintagehaften Rendering-Charakter zu erzeugen.
Optische Qualität
NOKTON-Objektive bieten ein charakteristisches Rendering, das zwischen modernem und klassisch-vintagehaftem Erscheinungsbild liegt. Die Aspherical-Versionen (z. B. NOKTON 35mm f/1.2 Aspherical III) sind bei Offenblende bereits gut korrigiert und liefern scharfe Bilder mit minimal sphärischer Aberration. Die Classic-Versionen haben dagegen bewusst mehr Glow bei Offenblende, der dem Bild bei f/1.4 eine sanfte, leicht verträumte Qualität verleiht. Das 50mm f/1.0 Aspherical ist das lichtststärkste M-Mount-Objektiv überhaupt und übertrifft Leica Noctilux 50mm f/1.0 in der Schärfe bei offener Blende (laut optischer Tests) – bei ca. einem Zehntel des Preises. Bokeh ist für Leica-M-Nutzer typisch: rund, natürlich, nicht kreischend.
In der Praxis
NOKTON-Objektive haben eine treue Fangemeinde unter Street-Fotografen, die mit Leica M10, M11 oder den Sony A7-Kameras mit M-Mount-Adapter arbeiten. An der Sony A7R V mit Focus-Peaking und 14,8× Vergrößerung im EVF ist das manuelle Fokussieren mit NOKTON sehr komfortabel. Die Sony-E-Mount-nativen NOKTON-Modelle (21mm, 40mm, 60mm SE) übertragen EXIF-Daten und ermöglichen Digital-Korrektur-Profile in Lightroom/Capture One. Der günstige Preis gegenüber Leica macht NOKTON besonders für Einstieg in das M-Mount-System attraktiv. Für Video: langer Fokusweg und MF-Präzision ideal für Fokuspulling.
Vergleich & Abgrenzung
Leica Summilux-M 35mm f/1.4 ASPH: Überlegenes optisches Rendering, bessere Komakorrektur bei f/1.4, aber ca. 4.500 EUR. NOKTON 35mm f/1.2 Aspherical III kostet ca. 900 EUR. Zeiss Loxia (Sony E): AF-freie Sony-E-Mount-Festbrennweiten von Zeiss mit elektrischer Kopplung, aber nur wenige Brennweiten, teurer. Sigma Art (Sony E): Autofokus, aber kein M-Mount-Design. Voigtländer ULTRON: Günstigere f/2.0-Linie aus dem Cosina-Portfolio für wer weniger Lichtstärke benötigt.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich Voigtländer NOKTON M-Mount-Objektive an einer Sony-Alpha-Kamera verwenden? Ja, über einen Leica-M-auf-Sony-E-Adapter (z. B. Metabones, K&F Concept, Novoflex). Ohne Entfernungsmesser-Kopplung nutzt man Focus-Peaking oder Vergrößerung im EVF. EXIF-Daten werden nicht übertragen (Brennweite muss manuell in der Kamera eingestellt werden, um optimale IBIS-Nutzung zu ermöglichen). Einige Adapter mit elektronischem Chip können EXIF simulieren.
Wie unterscheidet sich NOKTON Classic von NOKTON Aspherical? NOKTON Classic verwendet ältere optische Formeln (weniger Elemente, einfachere Konstruktion) und erzeugt einen leicht vintagehaften Glow bei Offenblende. NOKTON Aspherical nutzt eine oder mehrere asphärische Linsen für bessere Korrektur sphärischer Aberration bei Offenblende und ist insgesamt moderner und schärfer. Classic ist typischerweise auch leichter und günstiger.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Cosina/Voigtländer: NOKTON Produktseite (voigtlaender.de, 2024)
- SteveHuffPhoto.com: Voigtländer NOKTON Classic 35mm f/1.4 Testbericht (Steve Huff, 2016)
- Buchempfehlung: Thorsten Overgaard – Leica Photographers (Thorsten von Overgaard, 2020)
