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Zirkulare Polarisationsfilter (CPL) sind Schraubfilter aus zwei übereinanderliegenden Schichten – einem linearen Polarisator und einer Viertelwellen-Platte –, die linear polarisiertes Licht aus der Umgebung (Reflexionen von Wasser, Glas, Laub) eliminieren und dabei Himmelfarben sättigen sowie Kontrast erhöhen, ohne die Autofokus- und Belichtungsautomatik moderner Kameras zu beeinträchtigen.

Rubrik: Equipment · Unterrubrik: Zubehör & Verbrauchsmaterial · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Polfilter, Polarizer, PL-Filter, Zirkular-PL, C-PL


Was ist ein Zirkularer Polarisationsfilter?

Der CPL ist einer der wenigen Filtertypen, dessen Wirkung sich nicht durch Nachbearbeitung in der Software simulieren lässt. Reflexionen auf Wasser, Glas, feuchten Steinen oder Blättern können durch keinen Regler in Lightroom oder Premiere Pro nachträglich entfernt werden – nur ein physischer Polarisationsfilter vor dem Objektiv erzielt diesen Effekt. Das macht den CPL zum wichtigsten optischen Zubehör nach dem ND-Filter. Zirkulare Polarisationsfilter (im Gegensatz zu linearen) sind für moderne Kameras mit halbdurchlässigen Spiegeln (Phasendetektion-AF) konzipiert: Die Viertelwellen-Platte zirkuliert das polarisierte Licht, sodass die AF- und AE-Sensoren einwandfrei funktionieren.


Technische Eigenschaften

Aufbau: Linearer Polarisator (erste Schicht, fest) + λ/4-Platte / Viertelwellen-Verzögerungsglied (zweite Schicht, direkt dahinter)

Wirkprinzip: Licht aus natürlichen Quellen ist unpolarisiert. Wenn es von nichtmetallischen Oberflächen (Wasser, Glas, Kunststoff, feuchter Fels) unter dem Brewster-Winkel (~56° bei Wasser) reflektiert wird, entsteht vollständig linear polarisiertes Licht. Der CPL blockiert dieses polarisierte Reflexionslicht, während das restliche Licht (z. B. direkte Szenenbeleuchtung) weitgehend ungehindert passiert.

Effektstärke je nach Ausrichtung:

  • Maximaler Effekt: Kamera-Aufnahmewinkel ≈ 90° zur Lichtquelle (Sonne)
  • Kein Effekt: Kamera direkt zur Lichtquelle gerichtet oder im 0°/180°-Winkel
  • Richtungsabhängig: Rotierende Außenfassung erlaubt individuelle Einstellung

Belichtungskorrektur: CPL-Filter reduzieren das eintreffende Licht um 1,5–2 Blendenstufen (je nach Filterqualität), was in der Belichtungsplanung berücksichtigt werden muss.

Führende Hersteller und Produkte:

HerstellerModellMaterialPreis (77 mm)Stärke
B+WXS-Pro Digital MRC Nano CPLSchott-Glas~120 €Profi
HoyaHD Nano CIR-PLHD-Glas~100 €Semi-Profi
NiSiTrue Color Pro Nano CPLOptical Glass~90 €Semi-Profi
Breakthrough PhotographyX4 CPLCorning Glas~160 €Profi
UrthCPL Plus+OEM-Glas~55 €Einsteiger
TiffenUltra Clear CPLTiffen-Glas~80 €Mittelklasse

Schichten / Vergütung:

  • MRC (Multi-Resistant Coating): Nano-Beschichtung gegen Wasser, Öl, Kratzer
  • AGC (Anti-Ghost Coating): Reduziert Gegenlicht-Ghosting und Flare
  • MegaOPTIX-Glas (Breakthrough Photography): Optisches Spezialglas mit Transmission > 98%

Schlank-Bauform (Slim / Ultra-Slim): Wichtig bei Weitwinkelobjektiven (< 24 mm VF), da normale CPL-Filter vignettieren können. Slim-CPLs (z. B. B+W Slim, Hoya Pro-Slim) sind ca. 2 mm flacher.

Markierungen auf dem Filterrand: Die Außenfassung ist mit Griffmulden (Rändelung) versehen. Keine festen Rastermarken – die Einstellung ist stufenlos und je nach Szene individuell.


Stärken & Schwächen

Stärken:

  • Unverzichtbarer Effekt: Reflexionseliminierung nicht durch Software ersetzbar
  • Himmelssättigung: Blauer Himmel wird kräftiger, Wolken heben sich ab
  • Wassertransparenz: Unterwasser-Strukturen durch Reflexionseliminierung sichtbar
  • Pflanzliches Grün gesättigter (wachshaltige Blattoberfläche reflektiert polarisiertes Licht)
  • Kompatibel mit moderner Autofokus-Technik (zirkular, nicht linear)
  • Schraub-Filter: kein separates Haltersystem nötig

Schwächen:

  • 1,5–2 Blendenstufen Lichtverlust (bei schwachem Licht problematisch)
  • Effekt winkelabhängig: kein Nutzen bei frontaler Beleuchtung
  • Bei Ultraweitwinkel Vignettierung (→ Slim-Variante nötig)
  • Richtiges Einstellen erfordert Übung (erst drehen, dann im Sucher kontrollieren)
  • Kein Einsatz mit Vari-ND zusammen sinnvoll (→ X-Effekt)
  • Hohe Qualitätsunterschiede zwischen Herstellern: günstige CPL zeigen Farbstich und Kontrastabfall

In der Praxis

Landschaftsfotografie: An einem sonnigen Tag mit Seen oder Bächen ermöglicht der CPL, Unterwassersteine und -pflanzen sichtbar zu machen, die sonst von Himmelsspiegelungen überblendet werden. Die Einstellung erfolgt: CPL aufschrauben, auf Schärfeebene eingestellt durch den Sucher schauen, Filter langsam drehen bis die Reflexionen verschwinden und die Wasserfarbe sich sättigt.

Architekturfotografie: Glasfronten von Gebäuden reflektieren normaler Weise den Himmel. Mit einem CPL lässt sich – je nach Winkel – das Innere des Gebäudes statt des Himmelsreflexes aufnehmen, was für Immobilienfotografie und Architekturdokumentation wertvoll ist.

Videoproduktion: CPL-Filter sind auch im Video-Bereich sinnvoll, besonders bei Outdoor-Interviews vor Glasfronten oder auf Wasser. Hier wird der CPL vor Produktionsbeginn eingestellt und dann festgezurrt. Bei Nutzung mit einem Stativsystem empfiehlt sich ein integrierter CPL-Halter (z. B. NiSi V7).

Himmelspolarisation: Am effektivsten bei 90°-Winkel zur Sonne. Daumenregel: Zeige-Finger in Richtung Sonne, Daumen senkrecht dazu – der Bereich, auf den der Daumen zeigt, wird am stärksten polarisiert. Das "Polarisations-Band" des Himmels liegt kreisförmig 90° um die Sonne.


Vergleich & Abgrenzung

EffektCPLND-FilterVari-ND
ReflexionseliminierungJaNeinTeilweise (da auch Polarisator)
Belichtungsreduzierung1,5–2 Stopvariabelvariabel
HimmelskontrastJaNeinNein
FarbsättigungJaNeinNein
Simulierbar in PostNeinNeinNein (bei Reflexion)

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen linearem und zirkularem Polarisationsfilter? Lineare Polarisationsfilter sind günstiger, aber stören bei modernen Spiegelreflexkameras und Spiegellosen den Autofokus und die Belichtungsmessung (halbdurchlässige Spiegel oder Phasendetektion-AF erkennen lineares Licht falsch). Zirkulare Polarisationsfilter fügen eine Viertelwellen-Platte hinzu, die das polarisierte Licht wieder zirkuliert – für moderne Kamerasysteme immer die richtige Wahl.

Muss ich beim Drehen des CPL die Kamera-Belichtung korrigieren? Nein, in der Regel nicht. Die interne Belichtungsmessung der Kamera kompensiert den Lichtverlust automatisch (in Automatikmodi). Bei manueller Belichtung: CPL einsetzen und Belichtung um 1,5–2 Blenden öffnen bzw. Verschlusszeit verlängern.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • B+W Filterfabrik: Technische Beschreibung CPL / Polarisationsfilter, bwfilter.de, 2024
  • Breakthrough Photography: The Science of Polarization in Photography, breakthroughphotography.com, 2023
  • DPReview Buying Guide: Best Circular Polarizing Filters 2024, dpreview.com, 2024
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Zirkularer Polarisationsfilter (CPL) – Anwendung, Effekte und Empfehlungen — Wiki | Lazi Akademie Esslingen