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Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender (ARD Mediathek, ZDF Mediathek) sind Online-Videoplattformen, auf denen Rundfunkinhalte nach der Ausstrahlung als Video-on-Demand kostenlos abrufbar sind und zunehmend auch exklusive Inhalte erstveröffentlicht werden.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Broadcast & TV · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Online-Mediathek, Sendungsmediathek, öffentlich-rechtliches Streaming, Catch-up-TV

Was sind Mediatheken?

Mediatheken entstanden in den 2000er-Jahren als digitale Erweiterung des linearen Fernsehens: Zuschauer sollten Sendungen nicht mehr verpassen müssen, sondern sie jederzeit nachholen können (Catch-up-TV). Aus diesem Ansatz sind die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender zu vollwertigen Streaming-Plattformen gewachsen, die mit privaten Diensten wie Netflix oder Amazon Prime Video in direktem Wettbewerb stehen.

Erklärung

ARD Mediathek

Die ARD Mediathek (ardmediathek.de) bündelt die Inhalte aller ARD-Landesrundfunkanstalten (WDR, BR, NDR, MDR, SWR, RBB, HR, SR, Radio Bremen) sowie des Deutschlandradios. Sie ist die größte öffentlich-rechtliche Streaming-Plattform in Deutschland.

Inhalte:

  • Sendungen nach Ausstrahlung (7 Tage bis maximal 6 Monate Verfügbarkeit)
  • Eigenproduktionen exklusiv für die Mediathek (ARD-Originals)
  • Live-Streams aller ARD-Programme
  • Audioinhalte und Radiosendungen
  • Barrierefreiheit: Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprachenvideos

Technik: Die ARD Mediathek wird von Degeto und ARD-technischen Einheiten (WDR mediagroup, MDR, BR) gemeinsam betrieben. Die Infrastruktur nutzt AWS (Amazon Web Services) für CDN und Inhaltsauslieferung. Das zugrunde liegende Video-Player-Framework basiert auf HLS mit adaptiver Bitrate.

Nutzung: Im Jahr 2023 verzeichnete die ARD Mediathek über 5 Milliarden Videostarts (ARD-Jahresbericht 2023).

ZDF Mediathek

Die ZDF Mediathek (zdf.de/serien) bietet Inhalte des ZDF, des ZDFneo (jüngeres Publikum) und ZDFinfo. Die ZDF Mediathek gilt als technisch und gestalterisch fortschrittlich und hat in den letzten Jahren erheblich in digitale Strategien investiert.

Besonderheiten:

  • Viele Sendungen stehen 12 Monate oder länger bereit (Ausnahme: Lizenzrecht)
  • Starke Eigenproduktionen und ZDF-Originals (z. B. „Bad Banks", „Das Versprechen")
  • Integration in HbbTV für Smart-TV-Geräte
  • ZDF-App für alle gängigen Plattformen (iOS, Android, Samsung Tizen, Apple tvOS, Roku)

Nutzungsrechte: Eine zentrale Herausforderung

Nutzungsrechte sind die wichtigste Einschränkung für Mediatheken. Viele Inhalte können nicht langfristig oder unbegrenzt angeboten werden, weil:

  1. Lizenzverträge mit Rechteinhabern: Für Filme, Serien, Sportübertragungen und Musik gelten zeitlich begrenzte Lizenzverträge. Nach Ablauf der Lizenz muss der Inhalt aus der Mediathek entfernt werden.
  2. Territoriale Beschränkungen: Lizenzen gelten oft nur für Deutschland oder die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Im Ausland erscheinen Inhalte als „nicht verfügbar in Ihrem Land" (Geoblocking).
  3. GEMA und GVL: Für Musik in Sendungen müssen Lizenzen bei der GEMA (Komponisten/Textautoren) und GVL (ausübende Künstler) abgerechnet werden. Für Online-Streaming gelten andere Tarife als für lineare Ausstrahlung.
  4. Nebenwirkung der 7-Tage-Regel: Bis 2018 durften ARD/ZDF-Inhalte nur 7 Tage in der Mediathek bleiben (sog. „7-Tage-Regel"), um die Presse nicht zu gefährden. Der neue Medienstaatsvertrag (MStV 2020) hat diese Regel gelockert: presseneutrale Inhalte können dauerhaft online bleiben.

Streaming-Strategie ÖR: Wettbewerb mit Netflix & Co.

Öffentlich-rechtliche Mediatheken stehen vor der Herausforderung, jüngere Zielgruppen (18–35 Jahre) anzusprechen, die lineares Fernsehen kaum noch nutzen.

Strategische Ansätze:

  • ÖR-Originals: Exklusive Serien und Dokumentationen, die zuerst in der Mediathek erscheinen (Erstveröffentlichung statt Catch-up). Beispiele: „Dark" (Netflix-Koproduktion, aber ARD-Erstausstrahlung), „Das Netz – Wer regiert das Internet?" (ARD Mediathek)
  • Personalisierung: KI-gestützte Empfehlungsalgorithmen (ähnlich Netflix), die Inhalte auf individuelle Interessen zuschneiden
  • Kooperationen: ARTE (deutsch-französischer Kultursender) bietet Inhalte in der ARD Mediathek; PBS (USA) kooperiert für internationale Dokumentationen
  • ARD Audiothek: Bündelt alle ARD-Hörfunk-Podcasts und -Sendungen als Audio-Streaming-App – strategisches Gegengewicht zu Spotify

funk – Das Content-Netzwerk: Für das jüngste Publikum (14–29 Jahre) betreiben ARD und ZDF gemeinsam funk (funk.net), eine Plattform für digitale Formate. Funk-Inhalte werden primär auf YouTube, Instagram und TikTok veröffentlicht – nicht auf der linearen TV-Frequenz.

Technische Infrastruktur

Mediatheken arbeiten mit einem komplexen technischen Stack:

  • Transcoding: Eingehende Produktionsdateien (MXF, ProRes) werden in mehrere HLS-Qualitätsstufen konvertiert (360p, 480p, 720p, 1080p; teils 4K)
  • DRM: Für Pay-Content und lizenzpflichtige Inhalte wird DRM eingesetzt (Widevine, FairPlay)
  • CDN: AWS CloudFront oder Akamai für weltweite Auslieferung
  • Player-Framework: Video.js, JW Player oder Custom-Player mit HLS.js
  • Metadaten: EBUCore-Standard für Programminformationen; EPG-Integration für lineare Sender

Beispiele

  • „Bad Banks" (ZDF/Arte): Wurde gleichzeitig in der ZDF Mediathek veröffentlicht und erst danach im linearen ZDF ausgestrahlt – ein Paradigmenwechsel in der ÖR-Strategie.
  • Tagesschau-App: Ergänzung zur ARD Mediathek speziell für Nachrichteninhalte; eine der meistgenutzten Nachrichten-Apps in Deutschland.
  • funk: Erreicht über 9 Millionen Social-Media-Follower und produziert Hunderte Formate für die Generation Z, ohne eigene TV-Frequenz.

In der Praxis

Produzenten, die Inhalte für ÖR-Mediatheken liefern, müssen Delivery Specs einhalten: Meist MXF OP1a, XDCAM HD oder IMF-Package, plus separate Untertitel-Datei (EBU STL oder SRT), Metadaten-Lieferung und Rechte-Clearance-Dokumentation. ARD und ZDF haben spezifische Online-Lieferrichtlinien, die von den technischen Sendeeinheiten bereitgestellt werden.

Häufige Fragen (FAQ)

Sind ARD und ZDF Mediathek kostenlos? Ja, beide Mediatheken sind kostenlos und werbefrei zugänglich. Sie werden durch den Rundfunkbeitrag (18,36 Euro/Monat, Stand 2025) finanziert.

Warum sind manche Sendungen nur 7 Tage verfügbar? Das liegt an Lizenzverträgen (z. B. für Spielfilme oder Sportrechte), die eine längere Online-Verbreitung nicht erlauben. Eigenproduktionen können inzwischen dauerhaft in der Mediathek bleiben.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • ARD: ARD-Jahresbericht 2023. ARD, 2024.
  • ZDF: ZDF Jahrbuch 2023. ZDF, 2024.
  • Schultz, Tanjev (Hrsg.): Journalistik: Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation. UVK, 2019.
  • Medienstaatsvertrag (MStV) 2020: Staatsvertrag zur Modernisierung der Medienordnung in Deutschland. Hamburg u. a., 2020.
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