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NDI (Network Device Interface) ist ein von NewTek (heute Vizrt) entwickeltes IP-basiertes Protokoll zur Übertragung von Video-, Audio- und Metadatenströmen über Standard-Ethernet-Netzwerke in Echtzeit und mit niedriger Latenz.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Broadcast & TV · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Network Device Interface, NDI HX, NDI|HX2, NDI|HX3, IP-Video

Was ist NDI?

NDI wurde 2015 von NewTek (dem Hersteller des TriCaster-Produktionssystems) eingeführt und ist seitdem zu einem de-facto-Standard für IP-basiertes Video in Produktionsumgebungen geworden. Anders als der professionelle SMPTE-Standard ST 2110 (der für hochwertige Broadcast-Infrastrukturen konzipiert ist) richtet sich NDI an ein breiteres Publikum: von Broadcast-Studios über Livestreaming-Produzenten bis hin zu Gaming und E-Sports.

Erklärung

Technische Grundlagen

NDI kodiert Videodaten mit einem proprietären Codec (SpeedHQ), der eine gute Balance zwischen Qualität und Bandbreite bietet. NDI-Streams sind vollständig unkomprimiert in Metadaten und unterstützen automatische Service Discovery via mDNS (Bonjour-Protokoll): NDI-fähige Geräte im selben Netzwerksegment können sich gegenseitig automatisch erkennen und verbinden.

NDI Vollversion (NDI 5+): Überwiegend unkomprimiert (SpeedHQ-Codec), hohe Bandbreite (~125 Mbit/s für 1080p/50). Geeignet für Produktionsnetzwerke im Studio.

NDI HX (High Efficiency):

  • NDI HX2: H.264-basiert, ca. 20–40 Mbit/s. Für mobile Geräte und Netzwerke mit begrenzter Bandbreite.
  • NDI HX3: H.265/HEVC-basiert, noch effizienter, bis 4K. Für NDI über WLAN oder WAN.

NDI Bridge: Ermöglicht NDI-Übertragung über das Internet (WAN), mit Authentifizierung und Verschlüsselung. Einsatz bei Remote-Produktionen (REMI).

NDI Tools (kostenloser Download)

NewTek/Vizrt stellt einen kostenlosen Toolset bereit:

  • NDI Studio Monitor: Empfängt und zeigt jeden NDI-Stream im Netzwerk an; nützlich für Monitoring
  • NDI Screen Capture: Wandelt den Desktop-Inhalt in einen NDI-Stream (für Präsentationen, Grafiken)
  • NDI Webcam Input: Macht jede Webcam als NDI-Quelle verfügbar
  • NDI Virtual Input: Routet NDI-Streams als virtuelle Kameraquelle in Software wie Zoom oder Teams
  • NDI Access Manager: Steuert, welche Geräte welche Streams sehen dürfen

Integration in Produktionssoftware

NDI ist nativ in viele Broadcast- und Streaming-Werkzeuge integriert:

  • OBS Studio: Plugin oder native Unterstützung (ab v29) für NDI Input/Output
  • vMix: Vollständige NDI-Integration für Input und Output
  • Blackmagic ATEM: Ab bestimmten Firmware-Versionen NDI-fähig via Konverter
  • Vizrt / TriCaster: Native NDI-Unterstützung (NewTek ist Vizrt-Tochter)
  • Adobe Premiere Pro: NDI-Plugin verfügbar
  • Resolume Avenue: NDI-Input für VJ-Software

Einsatz in der Produktion

Mehrkamera-Produktion im Netzwerk: Mehrere NDI-fähige Kameras (z. B. PTZ-Kameras mit NDI-Ausgang) können ohne SDI-Verkabelung über ein Gigabit-Netzwerk in einen Produktions-PC eingebunden werden. Dies reduziert den Verkabelungsaufwand erheblich, besonders bei temporären Setups.

Remote-Produktion (REMI): Ein Kamerateam vor Ort überträgt NDI-Streams via NDI Bridge an eine zentrale Regie, die remote schneidet und kommentiert. Ermöglicht Produktionen von verteilten Standorten aus.

Grafik-Integration: CG-Systeme (Vizrt, Singular Live) senden Grafiken als NDI-Keyer-Paar (Fill+Alpha) direkt in den Bildmischer oder in Software-Switcher.

Virtual Studio: In Kombination mit Software-Switchern (OBS, vMix) und 3D-Hintergründen ermöglicht NDI komplette virtuelle Produktionen ohne teure SDI-Hardware.

Netzwerkanforderungen

  • Bandbreite: Für 4 vollwertige NDI-Streams (1080p50): ca. 500 Mbit/s – ein dediziertes Gigabit-Netzwerk ist Minimum.
  • Latenz: Ca. 1–3 Frames (40–120 ms bei 25 fps). Akzeptabel für Postproduktion und viele Live-Anwendungen; für Ultra-Low-Latency ist NDI ungeeignet.
  • Netzwerkinfrastruktur: Empfohlen: Managed Gigabit-Switches mit IGMP-Snooping; vermeidet Netzwerkflutung durch Multicast.
  • VLAN: In größeren Installationen NDI-Traffic in separatem VLAN isolieren, um Kollisionen mit anderen Netzwerkdiensten zu vermeiden.

Beispiele

  • Ein Eventveranstalter setzt vier NDI-PTZ-Kameras (Sony SRG-300H NDI, Datavideo PTC-150NDI) ohne zusätzliche Kabelinfrastruktur ein und verbindet sie über Gigabit-LAN mit einem vMix-PC.
  • Eine Remote-Sport-Reportage überträgt NDI HX3 von einem Laptop im Pressezentrum über NDI Bridge an die Senderegie.
  • Eine Hochschule integriert NDI in ihren Medienproduktionskurs: Studierende senden Desktop-Inhalte als NDI-Stream in das gemeinsame Produktionsnetzwerk.

In der Praxis

Für professionellen Broadcast-Dauerbetrieb ist NDI SDI nicht vollständig gleichwertig: SDI ist latenzfrei, völlig unkomprimiert und nahezu universell kompatibel; NDI ist netzwerkabhängig und komprimiert. In hybriden Setups werden beide Standards kombiniert: SDI für kritische Signalwege, NDI für Monitoring und Nebenquellen.

Vergleich & Abgrenzung

ProtokollKompressionLatenzReichweiteKostenStandard
SDIKeine< 1 FrameKabel (bis 100 m)HochSMPTE
NDILeicht (SpeedHQ)1–3 FramesLAN/InternetGeringProprietär
SRTH.264/H.2650,1–3 sInternetGeringOpen Source
ST 2110Keine< 1 FrameIP-NetzwerkSehr hochSMPTE

Häufige Fragen (FAQ)

Ist NDI für den professionellen Live-TV-Einsatz geeignet? Für semiprofessionelle und mittlere Produktionen ja. Für öffentlich-rechtliche Primetime-Sendeproduktionen mit höchster Redundanzanforderung setzen die meisten Sender auf SDI oder ST 2110.

Kostet NDI etwas? Die Nutzung von NDI in eigenen Anwendungen erfordert eine SDK-Lizenz von Vizrt. Das kostenlose Tools-Paket ist für Endnutzer frei.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Vizrt/NewTek: NDI Developer Resources & SDK Documentation. Vizrt, 2024.
  • Habraken, Joe: Streaming and Video Production Handbook. Focal Press, 2020.
  • Roberts, Graham: IP Video: A Practical Guide. Routledge, 2021.
  • SMPTE: SMPTE ST 2110 – Professional Media over Managed IP Networks. SMPTE, 2022.
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