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Casting Director ist die für die Suche, Auswahl und Empfehlung von Darstellern für alle Rollen eines Films zuständige Person, die als Brücke zwischen Regisseur, Produzent und Schauspielwelt fungiert.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Crew & Produktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Casting-Leiter, Besetzungsleiter, Casting Agent (teils abweichend), Head of Casting


Was ist ein Casting Director?

Der Casting Director ist der Schauspieler-Spezialist im Produktionsteam. Er kennt den deutschsprachigen (und internationalen) Schauspielermarkt in seiner ganzen Breite – von etablierten Stars bis zu unbekannten Talenten – und übersetzt die Rollenanforderungen des Regisseurs in konkrete Besetzungsvorschläge. Seine Entscheidungen prägen maßgeblich, wie ein Film wahrgenommen wird.


Erklärung

Das Casting beginnt in der Vorproduktion mit der intensiven Drehbuch-Analyse: Der Casting Director versteht jede Figur in ihrer Tiefe – Alter, physische Erscheinung, Charakter, sprachliche Besonderheiten – und entwickelt ein Casting-Konzept gemeinsam mit Regisseur und Produzent.

Dann beginnt die Recherchephase: Er sichtet Schauspieler-Datenbanken (z. B. castforward.de, Casting-Netzwerke der großen Agenturen), schaut aktuelles Theater, besucht Abschlussaufführungen von Schauspielschulen und beobachtet aktuelle Film- und Serienproduktionen. Er bespricht mit Schauspielagenturen die Verfügbarkeit und Konditionen möglicher Kandidaten.

Im Vorcasting (Vorstellung) sichtet er eigenständig erste Schauspieler in Castingsessions oder durch die Auswertung eingereichter Demoreels und Fotos. Eine Auswahl vielversprechender Kandidaten stellt er Regisseur und Produzenten im Callback oder Probedreh vor.

Der Casting Director moderiert und dokumentiert alle Castingsessions, gibt Darstellern Regieanweisungen und beobachtet, wie diese auf Feedback reagieren. Er empfiehlt die finale Besetzung und koordiniert anschließend mit dem Produzenten die Vertragsverhandlungen (die rechtliche Ebene übernimmt meist die Produktionsfirma oder ein Agent).

Auch Komparsen-Casting und Stunt-Double-Besetzung fällt in seinen Verantwortungsbereich, ebenso wie die Koordination mit dem Stunt Coordinator für physisch anspruchsvolle Rollen.


Beispiele

  1. Nina Gold (Großbritannien) und Nessie Nesslauer (Deutschland) sind bekannte Namen im europäischen Casting-Bereich; Nesslauers Arbeiten umfassen zahlreiche deutsche Kinoproduktionen und ARD/ZDF-Prestigeprojekte.
  2. Am Set: Während des Drehs schickt der Regisseur eine Nachricht: „Wir brauchen kurzfristig einen Nebenrollendarsteller mit Erfahrung in historischen Stoffen für übermorgen." Der Casting Director beginnt sofort die Suche.
  3. Zusammenarbeit mit dem Regisseur: Der Casting Director zeigt dem Regisseur fünf Clips verschiedener Schauspieler für die Hauptrolle – bei dreien leuchten die Augen des Regisseurs auf, was den nächsten Schritt definiert.
  4. Kleine vs. große Produktion: Beim Kurzfilm wirft der Regisseur selbst einen Castingaufruf in sozialen Medien; bei einem Netflix-Serienformat reist der Casting Director durch mehrere Städte und sichtet hunderte Bewerber.
  5. Karriereweg: Viele Casting Directors begannen als Casting-Assistenten oder haben einen Hintergrund als Schauspieler, Regisseur oder Theaterdramaturg. Es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung; die Bundesvereinigung Casting e.V. (BVC) bietet ein Netzwerk und Fortbildungen.

In der Praxis

Der Casting Director arbeitet mit Castingsoftware (z. B. Breakdown Express/Actors Access für internationale Produktionen, castforward.de für Deutschland), Datenbanktools, Demoreels und Videocasting-Plattformen (insbesondere seit COVID sind Online-Castings Standard). Er hält engen Kontakt zu allen größeren Schauspielagenturen in Deutschland (z. B. Agentur Grawald, Agentur Vollmer) und zur Bundesvereinigung Casting (BVC).


Vergleich & Abgrenzung

Der Schauspieleragent vertritt die Interessen eines Schauspielers und verhandelt Verträge in dessen Namen. Der Casting Director arbeitet im Auftrag der Produktion und empfiehlt Besetzungen – er verhandelt keine Verträge, sondern empfiehlt. Der Regisseur trifft die finale Besetzungsentscheidung, der Casting Director bereitet diese vor.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie läuft ein typisches Casting in Deutschland ab? Zunächst erstellt der Casting Director einen Castingaufruf (Breakdown), der an Agenturen oder öffentlich verbreitet wird. Eingereichte Bewerbungen (Foto, Lebenslauf, Demoreel) werden gesichtet; vielversprechende Kandidaten werden zu einer Szenenarbeit eingeladen, wo sie vorbereitete oder improvisierte Szenen spielen. Die besten werden dem Regisseur im Callback präsentiert.

Was kostet ein professionelles Casting in Deutschland? Die Kosten hängen stark vom Projektumfang ab. Für eine Hauptrolle in einem Kinofilm kann der Casting-Prozess mehrere Monate dauern und fünf- bis sechsstellige Summen kosten (inklusive Reisen, Räume, Assistenz). Bei TV-Serien gibt es häufig fest vereinbarte Pauschalverträge mit Casting-Büros.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Kondazian, K. (2000): The Actor's Encyclopedia of Casting Directors. Lone Eagle.
  • Lumet, S. (1995): Filme machen. Ullstein.
  • Online: Bundesvereinigung Casting e.V. (BVC)
  • Online: castforward.de – Deutsches Castingportal
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