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Drehbuch-Formatierung bezeichnet die technisch-formale Standardisierung von Spielfilm-Drehbüchern: spezifische Schriftart, Seitenränder, Einzüge und Elementstruktur, die weltweit in der Filmindustrie als Standard gelten.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Dramaturgie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Skript-Format, Screenplay-Format, Industriestandard-Format


Was ist Drehbuch-Formatierung?

Das Drehbuch-Standardformat entstand in den 1920er- und 1930er-Jahren in Hollywood und hat sich seitdem kaum verändert. Es ist kein arbiträrer Stilkodex, sondern ein praktisches Werkzeug: Das Format erlaubt es, die Spielzeit eines Films grob abzuschätzen (1 Seite ≈ 1 Minute), erleichtert die Kommunikation zwischen Autor, Regie und Produktion und ermöglicht die automatische Erstellung von Produktionsdokumenten (Drehlisten, Breakdown Sheets).

Abweichungen von diesem Format gelten in der professionellen Filmwelt als Signal mangelnder Erfahrung. Selbst wenn ein Drehbuch inhaltlich stark ist, kann unprofessionelle Formatierung dazu führen, dass es nicht ernstgenommen wird – besonders bei Einreichungen bei Produktionsfirmen, Agenturen oder Förderprogrammen.


Erklärung

Die Grundregel: 1 Seite = 1 Minute

Die bekannteste Regel der Drehbuchformatierung: Eine korrekt formatierte Seite entspricht ungefähr einer Minute Laufzeit. Diese Regel ist nicht exakt (Actionszenen und Dialogszenen haben unterschiedliche Spielzeiten), aber als grober Richtwert zuverlässig. Ein Spielfilm-Drehbuch hat typischerweise 90–120 Seiten.

Diese Faustregel funktioniert nur, wenn das Format korrekt eingehalten wird – Schriftart, Schriftgröße, Seitenränder und Elementeinzüge müssen stimmen.

Schriftart: Courier New, 12pt

Die Schriftart ist Courier New (oder der nahezu identische Courier), 12 Punkt. Courier ist eine Monospace-Schriftart (jeder Buchstabe hat dieselbe Breite), die bei standardisierten Seitenrändern exakt die richtige Seiten-zu-Minuten-Relation ergibt. Das ist kein ästhetisches Urteil – Courier im Drehbuch ist ein Produktionswerkzeug.

Nicht verwenden: Arial, Times New Roman, Calibri oder andere Proportionalschriften.

Seitenränder

  • Oben: 1 Zoll (2,54 cm)
  • Unten: 1 Zoll (2,54 cm)
  • Links: 1,5 Zoll (3,81 cm) – breiter für Bindung
  • Rechts: 1 Zoll (2,54 cm)

Alle guten Drehbuchformatierungs-Softwareprogramme setzen diese Werte automatisch.

Die Elemente des Drehbuchs und ihre Einzüge

Das Drehbuch besteht aus mehreren formatierten Elementen, die spezifische Einzüge haben:

ElementLinker EinzugBreite
Szenen-Kopf (Slug Line)0 cmvolle Breite
Action Line (Szenenanweisung)0 cmvolle Breite
Figuren-Name (Character Cue)8,9 cm (3,5")zentriert über Dialog
Dialog3,8 cm (1,5")bis 6 cm (2,4")
Klammer (Parenthetical)6,4 cm (2,5")begrenzt
Übergang (Transition)rechtsbündig

Szenen-Kopf: INT. KÜCHE – NACHT (GROSSBUCHSTABEN, kein Einzug)

Action Line: normale Beschreibung der Handlung, Schauspieler werden bei erster Erwähnung in GROSSBUCHSTABEN geschrieben

Figuren-Name: MARIA (GROSSBUCHSTABEN, eingerückt)

Dialog: direkt unter dem Figurennamen, eingerückt

Klammer (Parenthetical): Knappe Regie-Anweisung in Klammern, zwischen Figurenname und Dialog oder innerhalb des Dialogs. Sparsam einsetzen!

Übergang: SCHNITT: oder ÜBERBLENDE: – werden im modernen Drehbuch kaum noch verwendet, da Übergänge Regie-Entscheidungen sind. Ausnahmen: SCHNITT ZU: für besonders beabsichtigte Schnitte.

Sonstige Formatierungsregeln

Kontinuierlicher Dialog: Wenn eine Figur spricht und die Seite umbricht, steht am Ende der Seite (WEITER) und auf der neuen Seite wird der Dialog unter dem wiederholten Figurennamen mit (FORTS.) weitergeführt.

Szenen-Überschriften für Subszenen: Für Mini-Szenen innerhalb einer Szene (z. B. Schnittfolgen) kann man Zwischen-Überschriften (Secondary Scene Headings) in einfachem Fettdruck verwenden.

Seitennummerierung: Oben rechts, ab Seite 2.

Titelseite: Titel (zentriert, ca. 1/3 von oben), "Written by" / "Von", Autorenname, Kontakt unten links.

Drehbuchsoftware im Vergleich

Final Draft (ca. 250 USD, Kauflizenz) Industriestandard in Hollywood. Wird von den meisten Produktionsfirmen als Standard akzeptiert. Viele erweiterte Produktionsfunktionen. Steile Lernkurve. Nicht kostenlos.

Celtx (kostenlos/freemium, cloud-basiert) Sehr populär in der Ausbildung und für kleinere Produktionen. Enthält Planungstools (Casting, Storyboard, Budget). Die kostenlose Version ist für Grundnutzung ausreichend; die Pro-Version bietet mehr. Voll integriert mit anderen Produktionsdokumenten.

WriterDuet (freemium/Abo) Besonders stark: Echtzeit-Kollaboration. Mehrere Personen können gleichzeitig am selben Drehbuch schreiben und kommentieren. Cloud-basiert. Sehr beliebt in Writers Rooms und für Remote-Zusammenarbeit.

Fountain (kostenlos, Open Source) Ein Markup-Format, das in jedem Texteditor geschrieben werden kann und dann in korrektes Drehbuchformat konvertiert wird. Sehr flexibel, erfordert aber technisches Grundwissen. Ideal für Autorinnen und Autoren, die keine spezifische Software kaufen wollen.

Google Docs + Vorlage Für Einsteiger: Kostenlose Drehbuch-Vorlagen für Google Docs ermöglichen korrektes Format ohne Software-Investition. Eingeschränkt, aber für Lernzwecke ausreichend.


Beispiele

Korrekt formatiertes Beispiel:

``` INT. WOHNKÜCHE – NACHT

Das Licht flackert. ANNA (40er, erschöpft) sitzt am Tisch. Vor ihr: ein leeres Weinglas, ein voller Aschenbecher.

Ihr Handy vibriert. Sie dreht es um. Schaut nicht hin.

ANNA Ich weiß, dass du draußen bist.

Pause.

ANNA (FORTS.) Du brauchst nicht anzuklopfen. ```

Beispiele für korrektes Format in bekannten Drehbüchern: Das veröffentlichte Drehbuch von Chinatown (Robert Towne, 1974) gilt als Goldstandard der Formatierung und des Stils. The Shawshank Redemption (Frank Darabont, 1994) – ebenfalls veröffentlicht und frei verfügbar – ist ein exzellentes Studienobjekt für korrekte Formatierung und Beschreibungssprache.


In der Praxis

Software-Empfehlung für Einsteiger:

  1. Celtx (kostenlos, cloud-basiert, alle Grundfunktionen) oder
  2. WriterDuet (kostenlos für Einzelpersonen, exzellente Kollaborationsfunktion)
  3. Final Draft erst dann, wenn professionelle Einreichungen geplant sind

Das Titelblatt: Viele Einreichungen haben spezifische Anforderungen an das Titelblatt. Bei Förderprogrammen (FFF Bayern, Medienboard Berlin-Brandenburg, Filmförderungsanstalt FFA) immer die spezifischen Einreichungshinweise beachten – manchmal wird ein genormtes Titelblatt-Format vorgegeben.


Vergleich & Abgrenzung

Drehbuchformat unterscheidet sich von Treatment-Format (Handlungsübersicht, Fließtext, keine Formatierungsregeln) und vom Exposé-Format (Kurzform der Handlung, ca. 2–5 Seiten). Diese Dokumente haben keine verbindliche Formatierung.

Im Vergleich zum Hörspiel-Skript oder Theaterstück gibt es signifikante Unterschiede in Formatierung und Terminologie – diese Formate haben eigene, länderspezifische Standards.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich wirklich Courier 12pt verwenden oder ist das veraltet? In professionellen Kontexten: ja. Die Courier-Konvention ist kein ästhetisches Relikt, sondern hat eine Funktion (Seiten-Minuten-Verhältnis). In der Ausbildung und für persönliche Projekte ist die Wahl freier – aber wer in die Industrie einsteigen möchte, sollte das Format von Anfang an internalisieren.

Was kostet Final Draft und gibt es günstigere Alternativen? Final Draft kostet ca. 200–250 EUR (Einzelkauf). Günstigere Alternativen: WriterDuet (kostenlose Basisversion), Celtx (kostenlose Basisversion), Fade In (ca. 80 EUR). Für Studierende gibt es häufig Rabatte. Für den Einstieg reicht Celtx oder WriterDuet vollständig aus.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Field, Syd (2007): Das Handbuch zum Drehbuch. Zweitausendeins, Frankfurt am Main.
  • Trottier, David (1998): The Screenwriter's Bible. A Complete Guide to Writing, Formatting, and Selling Your Script. Silman-James Press, Los Angeles.
  • Snyder, Blake (2005): Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need. Michael Wiese Productions, Studio City.
  • Blankenship, Luke (2011): The Hollywood Standard. The Complete and Authoritative Guide to Script Format and Style. Michael Wiese Productions, Studio City.
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