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Eine Logline ist eine prägnante 1–2-Satz-Beschreibung eines Drehbuchs oder Films, die Protagonist, zentrales Ziel, Antagonismus und den Einsatz auf den Punkt bringt – das grundlegende Werkzeug für Pitching und Entwicklung.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Dramaturgie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Pitchsatz, High Concept, One-Liner, TV Guide-Beschreibung


Was ist eine Logline?

Der Begriff "Logline" stammt aus der Fernsehproduktion: Früher wurde in Programmlisten (logs) jede Sendung mit einer kurzen Zeile (line) beschrieben. Im modernen Filmgeschäft ist die Logline das Grundinstrument für die erste Präsentation einer Idee: Bei Meetings in Produktionsfirmen, bei Agenturgesprächen, auf Pitching-Events – überall braucht ein Drehbuch eine prägnante Logline.

Blake Snyder widmet in Save the Cat (2005) ein ganzes Kapitel der Logline und nennt sie wichtiger als das fertige Drehbuch: "If you can't tell me about it in one sentence, you've got a problem." Eine starke Logline beweist, dass die Grundidee funktioniert – noch bevor eine Seite geschrieben wurde.


Erklärung

Die Logline-Formel

Es gibt verschiedene Formulierungsvorschläge, die sich in der Praxis bewährt haben:

Grundformel:

Als [Protagonist mit Problem oder Ausgangssituation] muss [Aktion/Ziel], sonst [Konsequenz/Einsatz].

Erweiterte Formel:

Als [Protagonist] in [Welt/Kontext] versucht [Ziel zu erreichen], stellt sich ihm/ihr [Antagonist/Hindernis] entgegen, sodass er/sie [inneren/äußeren Einsatz riskiert].

Die vier obligatorischen Elemente einer guten Logline:

  1. Protagonist: Wer ist er? Eine oder zwei Adjektive oder ein definierendes Merkmal – nicht der Name.
  2. Ziel: Was will er konkret erreichen? Das Ziel sollte aktiv und greifbar sein.
  3. Antagonismus: Was steht dem Ziel entgegen? Ein Gegner, eine Situation, eine innere Schwäche.
  4. Einsatz: Was verliert die Figur, wenn sie scheitert? Je höher und klarer der Einsatz, desto stärker die Logline.

Das Ironic Premise

Snyder spricht vom "Ironic Premise" oder der dramatischen Ironie in der besten Logline: Die Situation sollte ein inneres Paradox oder eine Spannung enthalten, die sofort neugierig macht. Beispiel: Ein Polizist muss den Mann jagen, der sein Sohn ist. Ein Schwindler muss den ehrlichsten Mann der Stadt überzeigen. Diese Ironie erzeugt bereits in der Logline emotionale Energie.

Was eine Logline nicht ist

  • Kein Teaser: "Ein Film über Freundschaft und Verlust" – zu vage, kein Konflikt.
  • Kein Spoiler-freies Marketing: Die Logline darf Konflikte und Wendungen andeuten.
  • Keine Szenen-Beschreibung: Nicht die erste Szene zusammenfassen, sondern den Gesamtkonflikt.

Beispiele

Hier sind Loglines für bekannte Filme – teilweise rekonstruiert, teilweise original:

  1. Alien (Ridley Scott, 1979): Die Crew eines Raumfrachters kämpft ums Überleben, nachdem ein unbekanntes Lebewesen an Bord gelangt ist und einer nach dem anderen getötet wird. — Einfach, klar, der Antagonismus (das Alien) und der Einsatz (Leben) sind sofort erkennbar.
  2. Die Verurteilten / The Shawshank Redemption (Frank Darabont, 1994): Ein zu Unrecht verurteilter Buchhalter kämpft in einem brutalen Staatsgefängnis um seine geistige Freiheit und seinen Glauben an die Menschheit – und plant insgeheim die unmöglichste Flucht seiner Zeit. — Zwei Ebenen (innerer und äußerer Einsatz) in einem Satz.
  3. Knives Out (Rian Johnson, 2019): Ein berühmter Detektiv untersucht den vermeintlichen Selbstmord eines Krimi-Autors – und entdeckt, dass alle seine habgierigen Erben Motive haben, während die einzige wahrhaft Schuldige möglicherweise die Einzige ist, die es nicht weiß. — Die Ironie (die Schuldige weiß es nicht) ist das Ironic Premise.
  4. Parasite (Bong Joon-ho, 2019): Eine arbeitslose Familie trickst sich durch Täuschung in das Haus einer wohlhabenden Familie – bis ein verborgenenes Geheimnis ihre Pläne zunichtemacht. — Klar, mit einem ironic element (das Geheimnis, das alles umdreht).
  5. Tár (Todd Field, 2022): Eine gefeierte Dirigentin sieht ihre sorgfältig aufgebaute Karriere und Identität zerfallen, als Vorwürfe des Machtmissbrauchs sie einholen. — Der Einsatz (alles, was sie aufgebaut hat) ist greifbar; der Antagonismus kommt von innen und außen.

In der Praxis

Logline als Test vor dem Schreiben: Bevor man 110 Seiten schreibt, empfiehlt Snyder: Formuliere die Logline. Wenn du sie nicht klar formulieren kannst, ist die Grundidee noch nicht ausgereift. Ein gutes Projekt hat eine Logline, die klar, spannend und einprägsam ist.

Logline im Pitching: In einem Meeting mit einer Produktionsfirma oder einem Agenten hat man typischerweise 30–60 Sekunden für die erste Präsentation. Die Logline ist diese Präsentation. Sie entscheidet, ob Interesse geweckt wird oder nicht.

Logline testen: Erzähle die Logline jemandem, der keine Ahnung von deinem Projekt hat. Fragt er neugierige Folgefragen? Dann funktioniert sie. Reagiert er mit "Okay…" und Schweigen, braucht sie Überarbeitung.


Vergleich & Abgrenzung

Die Logline unterscheidet sich vom Exposé (2–5 Seiten Handlungsbeschreibung) und vom Treatment (10–30 Seiten detaillierte Handlungsbeschreibung). Die Logline ist kürzer als alle anderen Entwicklungsdokumente und steht am Anfang jedes Pitching-Prozesses.

Sie ist auch nicht dasselbe wie der Tagline (Werbespruch für das Marketing, z. B. "In space no one can hear you scream" für Alien). Taglines sind für das Publikum gedacht; Loglines sind für die Filmindustrie gedacht.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss die Logline den Ausgang verraten? In professionellen Kontexten (Pitching an Studios, Fördergespräche) ja – die Logline ist kein Trailer, sondern eine Inhaltsbeschreibung für Fachleute. Eine Logline, die den Ausgang verschweigt, wirkt oft zu rätselhaft. Marketingversionen (Taglines) dürfen hingegen Spannung erzeugen, ohne aufzulösen.

Wie lang darf eine Logline maximal sein? Die gängige Empfehlung lautet: 1–2 Sätze, maximal 50–70 Wörter. Alles, was darüber hinausgeht, ist kein Logline mehr, sondern ein Kurzexposé. In der Praxis gilt: Kürzer ist besser. Wenn eine Logline 100 Wörter braucht, um klar zu sein, ist die Grundidee vermutlich noch zu komplex oder zu wenig fokussiert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Snyder, Blake (2005): Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need. Michael Wiese Productions, Studio City.
  • Field, Syd (2007): Das Handbuch zum Drehbuch. Zweitausendeins, Frankfurt am Main.
  • Trottier, David (1998): The Screenwriter's Bible. A Complete Guide to Writing, Formatting, and Selling Your Script. Silman-James Press, Los Angeles.
  • Hauge, Michael (2001): Writing Screenplays That Sell. HarperCollins, New York.
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