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Ein Subplot (Nebenhandlung) ist eine sekundäre Erzähllinie in einem Film oder Drehbuch, die parallel zur Haupthandlung verläuft und diese emotional vertieft, thematisch spiegelt oder dramaturgisch ergänzt.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Dramaturgie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Nebenhandlung, B-Story, C-Story, Teilhandlung, Nebenstrang


Was ist ein Subplot?

Nahezu jeder Spielfilm enthält mehr als eine Handlungsebene. Die Haupthandlung (A-Story) verfolgt das zentrale Ziel der Protagonistin oder des Protagonisten. Subplots sind davon zu unterscheidende, eigenständige Erzähllinien, die eigene Figuren, Konflikte und Ziele haben können, aber immer in Beziehung zur Haupthandlung stehen.

Blake Snyder nennt in seinem BS2-Modell die "B-Story" explizit als eigenen Beat (Seite 30): Sie beginnt kurz nach dem Ende des ersten Akts und trägt das emotionale Thema des Films. Oft ist sie eine Liebesgeschichte oder eine Freundschaft, die zeigt, was der Protagonist wirklich braucht – nicht nur was er will.

Robert McKee betont in Story (1997), dass Subplots eine der wichtigsten Methoden sind, um einem Film emotionale Komplexität zu verleihen. Figuren, die nur in der Haupthandlung existieren, wirken flach. Subplots geben Nebenfiguren Tiefe und erlauben es, Aspekte des Themas zu erkunden, die in der Haupthandlung keinen Platz haben.


Erklärung

Typen von Subplots

Emotionale B-Story / Liebesgeschichte Die häufigste Form. Während die Hauptfigur ein äußeres Ziel verfolgt, entwickelt sich parallel eine romantische oder freundschaftliche Beziehung. Diese Beziehung zeigt oft, was die Figur emotional braucht. Beispiel: In einem Actionfilm verfolgt der Held den Antagonisten (A-Story), während er gleichzeitig eine Beziehung repariert oder aufbaut (B-Story).

Thematischer Spiegel Der Subplot spiegelt das Hauptthema aus einer anderen Perspektive. Wenn die Hauptfigur lernt, Verantwortung zu übernehmen, zeigt ein Subplot-Charakter, was passiert, wenn man Verantwortung verweigert. Diese Dopplung vertieft das Thema, ohne es zu predigen.

Komischer Subplot Besonders in Dramen und Thrillern wird ein leichterer Nebenhandlungsstrang eingesetzt, um Spannungsventile zu schaffen und das Publikum zu entlasten. Shakespeare meisterte diese Technik mit seinen komischen Nebenszenen in Tragödien.

Antagonisten-Subplot Der Antagonist hat eigene Szenen, die seine Motivation und Perspektive zeigen. Dies macht ihn mehrdimensionaler und die Konfrontation dramatisch reicher. Besonders in Seriendramaturgie verbreitet.

Technische Anforderungen

Ein guter Subplot hat:

  • Eine eigene Einleitung, einen Mittelteil und eine Auflösung
  • Eine emotionale Verbindung zur Haupthandlung
  • Eine Konvergenz mit der A-Story – spätestens im dritten Akt müssen alle Handlungsstränge zusammenlaufen

Beispiele

  1. Forrest Gump (Robert Zemeckis, 1994): Die A-Story verfolgt Forrests außergewöhnliches Leben durch die amerikanische Geschichte. Die B-Story ist seine lebenslange Liebe zu Jenny, die das Thema von Verlust, Sehnsucht und Treue trägt. Beide Handlungen konvergieren erst im letzten Drittel vollständig.
  2. Jurassic Park (Steven Spielberg, 1993): Die A-Story ist das Dinosaurier-Überlebensabenteuer. Der Subplot um Dr. Grants anfängliche Ablehnung von Kindern (und seine wachsende Verbundenheit mit Tim und Lex) ist der emotionale Kern, der seine Wandlung zeigt.
  3. Die Verurteilten / The Shawshank Redemption (Frank Darabont, 1994): A-Story ist Andys Weg zur Freiheit. Die B-Story ist Reds Reise von Hoffnungslosigkeit zu Hoffnung – die eigentliche emotionale Geschichte des Films, die im Epilog vollständig aufgelöst wird.
  4. Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994): Hier ist die Subplot-Struktur besonders komplex: Keine der Handlungslinien ist eindeutig die "A-Story". Stattdessen hat jeder Subplot (Vincent und Mia, Butch, Jules Bekehrung) annähernd gleiches Gewicht – was die Erzählung fragmentiert und postmodern macht.
  5. Notting Hill (Roger Michell, 1999): A-Story ist die unwahrscheinliche Liebesgeschichte zwischen William und Anna. Der Subplot um Williams Mitbewohner Spike und seine komischen Eskapaden ist ein klassischer Komik-Subplot, der Spannungsventil und Charakterfolie zugleich ist.

In der Praxis

Wie viele Subplots sind sinnvoll? Bei einem 110-minütigen Spielfilm empfehlen die meisten Drehbuchlehrer 1–3 Subplots. Mehr als drei Nebenhandlungen führen oft zu Fragmentierung und verminderter emotionaler Bindung.

Die Konvergenz-Regel: Subplots müssen sich spätestens im dritten Akt auflösen und ihre Bedeutung für die Haupthandlung offenbaren. Ein Subplot, der einfach ausläuft ohne Konvergenz, wirkt wie ein nicht eingelöstes Versprechen.

Verknüpfung mit dem Thema: Frage bei jedem Subplot: Was sagt er über das zentrale Thema meines Films aus? Wenn der Subplot nichts zum Thema beiträgt, ist er möglicherweise überflüssig.


Vergleich & Abgrenzung

Ein Subplot unterscheidet sich von einer Szene durch seine eigene narrative Struktur über mehrere Szenen hinweg. Er unterscheidet sich von der A-Story durch sein sekundäres Gewicht – er trägt den Film nicht allein, sondern vertieft ihn.

Im Serienformat werden Subplots als "B-Plot" und "C-Plot" bezeichnet und sind in der Regel auf eine Episode begrenzt, können aber auch über mehrere Folgen laufen (episodischer vs. serieller Subplot).


Häufige Fragen (FAQ)

Kann ein Subplot die Haupthandlung übertrumpfen? Es ist selten, aber möglich. In manchen Filmen wird die B-Story emotional so stark, dass Zuschauer sie als eigentliche Hauptgeschichte wahrnehmen. Das ist per se keine Schwäche – solange es beabsichtigt ist. Bei The Shawshank Redemption argumentieren manche, dass Reds Geschichte die emotionalere A-Story ist.

Was passiert, wenn ein Subplot nicht aufgelöst wird? Dramaturgisch entsteht ein "ungezündetes Tschechow'sches Gewehr" – eine Erwartung, die nicht eingelöst wird und beim Publikum Frustration hinterlässt. Jeder Subplot, den man beginnt, muss zumindest eine emotionale oder thematische Auflösung finden. Offene Subplots sind nur dann legitim, wenn sie eine bewusste Aussage machen (z. B. über die Unvollständigkeit des Lebens).


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • McKee, Robert (1997): Story. Substance, Structure, Style and the Principles of Screenwriting. HarperCollins, New York.
  • Snyder, Blake (2005): Save the Cat! The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need. Michael Wiese Productions, Studio City.
  • Field, Syd (2007): Das Handbuch zum Drehbuch. Zweitausendeins, Frankfurt am Main.
  • Howard, David / Mabley, Edward (1993): Drehbuch-Handwerk. Techniken und Grundlagen. Paul List Verlag, München.
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