← Zurück zu Film & Mediendesign
Auguste und Louis Lumière sind französische Industrielle und Erfinder, die am 28. Dezember 1895 in Paris die erste öffentliche, bezahlte Filmvorführung der Geschichte durchführten und damit das Kino als Massenmedium begründeten.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Filmgeschichte · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: Gebrüder Lumière, Frères Lumière, Erfinder des Kinos, Pioniere des Films


Was sind die Lumière-Brüder?

Auguste Marie Louis Nicolas Lumière (1862–1954) und Louis Jean Lumière (1864–1948) sind die Söhne des Lyoner Fotografen und Unternehmers Antoine Lumière. Die beiden Brüder leiteten die väterliche Fabrik für fotografisches Material in Lyon und entwickelten dort den Cinématographe – ein Gerät, das gleichzeitig Kamera, Kopiergerät und Projektor war. Am 28. Dezember 1895 führten sie im Salon indien des Grand Café in Paris erstmals gegen Eintritt Kurzfilme vor etwa 35 zahlenden Gästen vor. Dieses Datum gilt heute weltweit als Geburtsstunde des Kinos.


Erklärung

Der Cinématographe arbeitete mit 35-mm-Filmstreifen und einer Bildrate von 16 Bildern pro Sekunde. Er verwendete einen Klauenmechanismus, der den Film ruckartig vorwärtsbewegt und so die notwendige Pause für die Belichtung erzeugt – das sogenannte intermittierende Filmtransportsystem. Das Gerät wog nur rund fünf Kilogramm und war damit erheblich tragbarer als Thomas Edisons Kinetoskop, das nur Einzelbetrachtung ermöglichte, keine Projektion auf eine Leinwand.

Die Brüder hatten ihre Idee nicht allein. Etliche Vorläufer existierten: William Kennedy Laurie Dicksons Kinetoskop (Edison, 1891), Étienne-Jules Mareys Chronofotografie, Eadweard Muybridges Pferdeaufnahmen (1878). Entscheidend war jedoch, dass die Lumières das Prinzip zur Projektion für ein Massenpublikum weiterentwickelten. Das Geschäftsmodell des kollektiven Kinosaals war ihre eigentliche Erfindung.

Das Programm der Uraufführung umfasste zehn kurze Aufnahmen von je etwa 50 Sekunden. Dabei filmten die Lumières zunächst ausschließlich Realität: Arbeiter, Züge, Marktszenen. Ihr bekanntester Film, La Sortie de l'usine Lumière à Lyon (Arbeiter verlassen die Lumière-Fabrik, 1895), zeigt schlicht Angestellte, die eine Fabrik verlassen – und gilt damit als der erste Film der Kinogeschichte, der öffentlich vorgeführt wurde. Louis Lumière soll das Kino selbst als „eine Erfindung ohne Zukunft" bezeichnet haben, was den Brüdern frühzeitig zeigte, dass das Geschäft eher im Verkauf der Apparatur als in der laufenden Filmproduktion liegen würde (Monaco 2009, S. 222).

Dennoch schickten die Lumières in den folgenden Jahren Kameraleute in die ganze Welt, um Kurzfilme zu drehen. Diese Aufnahmen aus Indien, Japan, Russland und den USA gelten als erste globale dokumentarische Bilder überhaupt.


Beispiele (5 konkrete Filme oder Ereignisse mit Jahr)

  1. La Sortie de l'usine Lumière à Lyon (1895, Louis Lumière) – erster öffentlich vorgeführter Film; schlichte Dokumentation des Werksausgangs in Lyon.
  2. L'Arrivée d'un train en gare de La Ciotat (1896, Louis Lumière) – der einfahrende Zug soll laut Legende Zuschauer in Panik versetzt haben; ikonisches Symbol des frühen Kinos.
  3. L'Arroseur arrosé (1895, Louis Lumière) – erster fiktionaler Gag-Film: ein Gärtner wird mit seinem eigenen Schlauch nass; gilt als Vorläufer der Filmkomödie.
  4. Erste Filmvorführung in Deutschland (November 1895, Berlin, Wintergarten-Varieté) – Max Skladanowskys Bioskop lief wenige Wochen vor der Pariser Premiere, ohne jedoch den globalen Einfluss der Lumières zu erreichen.
  5. Weltweite Kameraexpedition 1896–1905 – Lumière-Kameramänner reisten nach St. Petersburg, Bombay, Mexiko-Stadt und Shanghai; ihr Material bildet das erste multinationale Filmarchiv der Geschichte.

In der Praxis

Das Erbe der Lumières ist für heutige Filmemacher in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens steht ihr dokumentarisches Grundprinzip – die Kamera richtet sich auf die Wirklichkeit – am Anfang jeder dokumentarischen Praxis. Die heutige Tradition des Direct Cinema und des Cinéma Vérité lässt sich direkt auf diese Haltung zurückführen (Kracauer 1960, S. 31).

Zweitens prägte der Cinématographe das bis heute gültige 35-mm-Format als technischen Standard, der erst durch die digitale Revolution der 2000er Jahre abgelöst wurde. Drittens zeigt das Geschäftsmodell der Lumières – Projektion für kollektives Publikum, Eintrittspreise, fester Saal – das Grundprinzip des Kinos als Institution, das Netflix und Streaming-Dienste erst im 21. Jahrhundert ernsthaft herausfordern.


Vergleich & Abgrenzung

Die Lumières werden häufig Thomas Edison gegenübergestellt, dem amerikanischen Erfinder des Kinetoskops. Edisons System (1891) war ein Einzelbetrachtungsgerät ohne Projektion; es war kommerziell erfolgreich, aber konzeptuell eine Sackgasse. Die Lumières schufen das Kino als soziales Erlebnis, Edison das Kino als individuelles Spielzeug. Ebenso ist Max Skladanowskys Bioskop (Berlin, November 1895) zu erwähnen: technisch primitiver, ohne nachhaltige Wirkung, aber zeitlich knapp vor den Lumières – die Frage der Priorität ist historisch umstritten.

Im Gegensatz zu Georges Méliès, der wenige Jahre später das Kino als Mittel der Fiktion und Zauberei entdeckte, blieben die Lumières konservativ: Sie filmten die Realität, nicht die Fantasie. Méliès begründete das Spielfilmkino, die Lumières das Dokumentarkino.


Häufige Fragen (FAQ)

Haben die Lumières das Kino wirklich erfunden? Die Frage ist umstritten. Technische Vorläufer wie Muybridges Pferdeaufnahmen (1878), Mareys Chronofotografie und Edisons Kinetoskop existierten bereits. Was die Lumières erfanden, war das Kino als öffentliches Projektionsmedium mit Publikum und Eintrittsgeld – das soziale und kommerzielle Modell des Kinos, wie wir es kennen.

Warum hielten die Lumières das Kino für „eine Erfindung ohne Zukunft"? Louis Lumière erkannte das Kino zunächst als Neugier, nicht als dauerhaftes Medium. Er schätzte die Nachfrage nach immer neuen Inhalten falsch ein und sah das Gerät vor allem als technische Kuriosität. Diese Fehleinschätzung machte Raum für Filmemacher wie Méliès und Griffith, die das Potenzial des Kinos als Erzählmedium erkannten.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Monaco, James (2009): Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.
  • Kracauer, Siegfried (1960): Theory of Film. The Redemption of Physical Reality. Oxford University Press, New York.
  • Elsaesser, Thomas / Barker, Adam (Hg., 1990): Early Cinema: Space, Frame, Narrative. BFI Publishing, London.
  • Abel, Richard (Hg., 2005): Encyclopedia of Early Cinema. Routledge, New York.
← Zurück zu Film & Mediendesign
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Lumière-Brüder und die Erfindung des Kinos (1895) — Wiki | Lazi Akademie | Lazi Akademie Esslingen