Der Location Scout sucht und dokumentiert geeignete Drehorte, während der Location Manager die praktische Koordination und Verwaltung dieser Locations während der gesamten Produktionsphase übernimmt.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Filmproduktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Motivsucher, Location-Fahrtenleiter, Location Coordinator
Was sind Location Scout und Location Manager?
Hinter jedem Filmset, das nicht im Studio gebaut wurde, steckt die Arbeit von Location-Fachleuten. Der Location Scout ist der kreative Rechercheur, der Orte findet, die zur Vision des Regisseurs passen. Der Location Manager ist der organisatorische Manager, der die Genehmigungen beschafft, die Logistik koordiniert und die Interessen der Produktion gegenüber Eigentümern und Behörden vertritt.
Auf kleineren Produktionen übernimmt eine Person beide Rollen; bei großen Produktionen sind sie getrennte Positionen.
Erklärung
Die Arbeit des Location Scouts
Analyse des Drehbuchs: Der Location Scout liest das Drehbuch und identifiziert alle Locations. Für jede Location entwickelt er eine Vorstellung: Welches Ambiente, welche Lichtverhältnisse, welche Zugänglichkeit wird benötigt?
Recherche und Besichtigung: Der Scout recherchiert Locations durch:
- Eigene Erkundungsfahrten und Ortskenntnis
- Kontakte zu Location-Agenturen und Immobilienvermittlern
- Archivmaterial und Filmdatenbanken
- Empfehlungen von anderen Filmteams
- Online-Datenbanken (z. B. Location-Agenturen, Google Maps Street View für Vorrecherche)
Dokumentation: Jede Location wird fotografisch dokumentiert: Außen- und Innenaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven, Notizen zu Lichtverhältnissen zu verschiedenen Tageszeiten, Größe des Raums, Anfahrtsmöglichkeiten, Parkplätze.
Präsentation an den Regisseur: Der Scout stellt seine Kandidaten dem Regisseur, DoP und Production Designer vor. Gemeinsam wird die beste Option ausgewählt.
Die Arbeit des Location Managers
Genehmigungen: In Deutschland müssen für viele Außenaufnahmen Genehmigungen bei Städten, Bezirken oder Bundesbehörden eingeholt werden. Öffentliche Plätze, Parks, Straßen und historische Gebäude erfordern spezifische Erlaubnisse.
Verträge mit Eigentümern: Private Eigentümer, die ihre Immobilie für Dreharbeiten zur Verfügung stellen, erhalten eine Vergütung (Location Fee). Der Location Manager verhandelt und schließt diese Verträge ab.
Nachbarschaftskoordination: Bei städtischen Dreharbeiten koordiniert der Location Manager mit Anwohnern, Geschäften und Behörden, um Störungen zu minimieren und Konflikte zu lösen.
Logistics am Set: Während der Dreharbeiten ist der Location Manager am Set präsent und stellt sicher, dass Vereinbarungen mit Eigentümern eingehalten werden, dass der Ort nach dem Dreh in seinem ursprünglichen Zustand hinterlassen wird und dass alle Genehmigungen sichtbar vorhanden sind.
Besondere Herausforderungen
Wetterabhängigkeit: Bei Außenaufnahmen ist das Wetter ein kritischer Faktor. Der Location Manager hält alternative Locations bereit und kommuniziert bei Wetterveränderungen sofort mit dem 1st AD.
Historische Stätten: Dreharbeiten in Kulturdenkmälern oder historischen Gebäuden erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen und oft Versicherungen für mögliche Schäden.
Internationale Drehs: Bei Auslandsdreharbeiten kennt der Location Manager die lokalen Gesetze, Behörden und Gepflogenheiten oder arbeitet mit lokalen Location-Profis zusammen.
Beispiele
Berlin als Filmkulisse: Für ein Politdrama werden Berliner Regierungsgebäude als Location benötigt. Der Location Manager verhandelt mit dem Bundespresseamt, dem Bundestag oder dem Land Berlin und organisiert die notwendigen Sicherheitskonzepte.
Auslands-Koproduktion: Ein Historienfilm benötigt mittelalterliche Burgen. Der Location Scout recherchiert Burgen in Deutschland, Tschechien und Rumänien und vergleicht Kosten, Zugänglichkeit und visuelle Eignung.
In der Praxis
In Deutschland gibt es keinen formalen Ausbildungsweg als Location Manager. Viele kommen aus der Produktionsassistenz, der Aufnahmeleitung oder haben Geografie/Raumplanung studiert. Lokale Filmkommissionen – wie die Film Commission Germany oder regionale Filmkommissionen der Bundesländer – sind wichtige Anlaufstellen.
Vergleich & Abgrenzung
| Aspekt | Location Scout | Location Manager |
|---|---|---|
| Phase | Vorproduktion | Vorproduktion + Produktion |
| Hauptaufgabe | Recherche und Vorschlag | Koordination und Genehmigung |
| Drehpräsenz | Selten | Regelmäßig bis täglich |
| Vertragsabschluss | Nein | Ja |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange vor dem Dreh wird mit dem Location-Scouting begonnen? Bei großen Produktionen beginnt das Scouting sechs bis zwölf Monate vor dem Drehstart. Bei kleinen Produktionen oft wenige Wochen vorher. Früh beginnen ist immer besser, da gute Locations schnell vergeben sind.
Was kostet eine Location? Location-Fees variieren extrem: von kostenlos (Freundschaftsbasis, kleine Independent-Filme) bis zu mehreren Tausend Euro pro Drehtag für exklusive Privatimmobilien oder öffentliche Gebäude.
Brauche ich eine Genehmigung für Außenaufnahmen in der Stadt? Grundsätzlich ja, wenn öffentlicher Raum genutzt wird, Personal eingesetzt wird oder der öffentliche Verkehr beeinträchtigt wird. Die Regeln variieren je nach Bundesland und Gemeinde.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Straw, Will (2012): Location Management in Film. Focal Press.
- Film Commission Germany: www.filmcommission-germany.de
- European Film Commissions Network (EUFCN): www.eufcn.com
