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Lichtplan (englisch: Lighting Plot oder Lighting Design) ist die maßstabsgetreue, zeichnerische oder digitale Darstellung aller Lichtquellen eines Filmdrehs – mit Position, Typ, Richtung, Intensität und technischen Daten – als verbindliches Planungs- und Kommunikationsdokument.

Was ist ein Lichtplan?

Der Lichtplan ist das wichtigste Planungsdokument des Gaffers (Chefelectrician) und des Directors of Photography (DP). Er dokumentiert, wo welche Scheinwerfer stehen, wie sie ausgerichtet sind, welche Dimmer-Einstellungen gelten und welche Modifier verwendet werden. In professionellen Produktionen wird der Lichtplan bereits in der Pre-Production erstellt und während des Drehs kontinuierlich aktualisiert.

Ohne Lichtplan ist Lichtkontinuität im Dreh bei komplexen Produktionen kaum sicherstellbar – besonders bei Dreharbeiten über mehrere Tage oder an verschiedenen Locations.

Erklärung

Was gehört in einen Lichtplan?

Ein vollständiger professioneller Lichtplan enthält:

Grundriss / Floor Plan:

  • Maßstabsgetreue Draufsicht des Raumes oder Sets.
  • Position aller Wände, Türen, Fenster, Möbel.
  • Position jedes Scheinwerfers (als standardisiertes Symbol).
  • Richtungspfeil, der den Einfall des Lichts anzeigt.

Geräteliste (Equipment List):

  • Typ des Scheinwerfers (z. B. Fresnel 2K, ARRI SkyPanel S60-C, Aputure LS 300d II).
  • Verwendetes Zubehör (Softbox-Typ, Gel-Farbe und -Stärke, Diffusion).
  • Dimmer-Einstellung (z. B. 75 % Leistung).
  • Stativo-Typ und Höhe.

Elektrische Verteilung:

  • Welche Scheinwerfer hängen an welchem Stromkreis?
  • Gesamtleistung pro Kreis und Location.
  • Speisequellen (Verteilerdosen, Generatoren).

Ergänzende Informationen:

  • Szene/Scene-Nummer.
  • Kameraposition(en).
  • Drehtag und Location.
  • DP und Gaffer.

Symbole im Lichtplan

Für Lichtpläne existieren standardisierte Symbole, die aus der Bühnentechnik übernommen wurden (USITT-Standard). Die wichtigsten:

SymbolBedeutung
Kreis mit XFresnel-Scheinwerfer
EllipsePAR-Can
RechteckLED-Panel / Softbox
HalbkreisOpen-Face-Scheinwerfer
PfeilLichtrichtung
DreieckSpotlight / Ellipsoidal
R = ReflektorReflektor/Spiegel

In der Praxis variieren Symbole je nach Gaffer und DP-Stil, aber Konsistenz innerhalb eines Projekts ist entscheidend.

Software für Lichtpläne

Professionelle Theater/Film-Software:

  • Vectorworks Spotlight: Industrie-Standard für komplexe Bühnenpläne und Filmpläne. Enthält umfangreiche Bibliotheken von Scheinwerfer-Symbolen und 3D-Visualisierung. Teuer, aber der Standard auf großen Produktionen.
  • AutoCAD / AutoCAD LT: Allgemeines CAD-Programm, das für Lichtpläne adaptiert werden kann. Weit verbreitet in der Architektur, auf Filmsets als Planungsgrundlage.
  • SketchUp: 3D-Modellierungsprogramm, das von DPs für Raumsimulationen und Lichtplanung verwendet wird – nicht für offizielle Lichtpläne, aber für visuelle Vorabplanung.
  • Shot Designer: App für iOS/Android, primär für Shotlisten, aber mit einfachen Lichtplan-Funktionen.
  • Photoshop / Illustrator: Für einfache Produktionen werden Lichtpläne auch in Grafikprogrammen gezeichnet.

Für kleine Produktionen:

  • Auf Papier skizziert mit Rastervorlage.
  • Google Slides / PowerPoint für schnelle Basispläne.
  • Lightwright: Daten-Management-Software speziell für Theaterbeleuchtung (Schnittstelle zu Vectorworks).

Schritt-für-Schritt: Lichtplan erstellen

Schritt 1: Grundriss beschaffen oder erstellen Architekturpläne der Location anfragen, oder den Raum selbst ausmessen und einen einfachen Grundriss zeichnen. Türen, Fenster und feste Möbel einzeichnen.

Schritt 2: Kameraposition(en) einzeichnen Wo steht die Kamera? In welche Richtung filmt sie? Diese Achse bestimmt, wo Scheinwerfer sichtbar oder unsichtbar sind.

Schritt 3: Spielfläche definieren In welchem Bereich des Raumes spielen die Figuren? Dieser Bereich muss beleuchtet werden.

Schritt 4: Key Light platzieren Ausgangspunkt jedes Licht-Setups. Position, Richtung und Typ des Key Lights einzeichnen. Für Interview-Beleuchtung (Corporate, Doku) z. B.: Softbox 45° links von der Kameraachse, 1,5 m Abstand.

Schritt 5: Fill, Back Light und weitere Quellen ergänzen Systematisch alle Lichtquellen ergänzen. Auf Überschneidungen und Konflikte achten (z. B. zwei Scheinwerfer werfen sich gegenseitig Schatten).

Schritt 6: Elektrik planen Welche Scheinwerfer hängen an welchem Kreis? Gesamtleistung pro Kreis berechnen und mit der verfügbaren Sicherungskapazität abgleichen.

Schritt 7: Equipment-Liste erstellen Alle Geräte, Modifier und Kabel vollständig auflisten. Grundlage für Miet- und Kaufplanung.

Schritt 8: Review mit DP und Gaffer Lichtplan mit dem Team besprechen. Oft entstehen Änderungen, wenn das Team den Plan gemeinsam analysiert.

Dynamischer Lichtplan vs. Statischer Lichtplan

  • Statischer Lichtplan: Gilt für eine einzelne Einstellung oder Szene. Einfach, präzise, aber aufwändig bei vielen Szenen.
  • Dynamischer Lichtplan: Dokumentiert alle Lichtsetups einer Location mit Szenenverweisen – kommt auf größeren Sets zum Einsatz.

Beispiele

  • Kleines Corporate-Interview: Einfacher Skizzenplan auf Papier reicht – Position des Motivs, Key Light (Softbox links, 1,5 m), Fill (Reflektor rechts), Haarlicht (LED hinten oben).
  • Mehrtägiger Spielfilm-Dreh: Vectorworks-Lichtplan mit exakten Schienensystem-Positionen, Dimmer-Patch-Liste und Generatorplanung für Außendreh.

In der Praxis

Checkliste vor dem Dreh:

  • [ ] Grundriss vorhanden und aktuell?
  • [ ] Alle Scheinwerferpositionen im Plan?
  • [ ] Equipment-Liste vollständig?
  • [ ] Elektrische Leistung pro Kreis geprüft?
  • [ ] Gels und Modifier im Plan vermerkt?
  • [ ] Plan mit Gaffer besprochen?
  • [ ] Kopie für Set-Elektriker, DP und Script Supervisor?

Häufige Fehler:

  • Plan nicht aktualisiert nach Set-Änderungen → Verwirrung bei Wiederaufbau.
  • Dimmer-Einstellungen nicht notiert → Lichtkontinuität im Dreh unmöglich.
  • Elektrische Kapazität nicht berechnet → Sicherungsauslöser am Set.

Vergleich & Abgrenzung

DokumentZweckErstellt von
LichtplanTechnische PositionierungGaffer / DP
ShotlisteKamera-EinstellungenDP / Regie
ProduktionsplanZeitlicher DrehablaufProduktionsleitung
Lichtkontinuität im Dreh-ProtokollWiederherstellung des SetupsGaffer / Script Supervisor

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich wirklich einen Lichtplan für kleine Produktionen? Für einen einzigen Drehtag an einem Ort: oft nicht. Sobald mehrere Drehtage, mehrere Szenen oder mehrere Drehorte involviert sind: unbedingt ja.

Wie präzise muss der Plan sein? Das hängt von der Produktionsgröße ab. Für ein YouTube-Video reicht eine handgezeichnete Skizze. Für einen Kinofilm sind maßstabsgetreue CAD-Pläne Standard.

Kann ich einen Lichtplan nachträglich erstellen? Ja, durch Fotodokumentation während des Drehs. Aber präventive Planung ist effizienter.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Box, Harry C. (2013): Set Lighting Technician's Handbook. 4. Aufl. Focal Press.
  • Bergman, Dave (2012): Lighting Technology: A Guide for the Entertainment Professional. Focal Press.
  • Elkins, David E. (2013): The Camera Assistant's Manual. 6. Aufl. Focal Press.
  • Gillette, J. Michael (2012): Designing with Light: An Introduction to Stage Lighting. 6. Aufl. McGraw-Hill.
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