Federico Fellini (* 20. Januar 1920 in Rimini; † 31. Oktober 1993 in Rom) war ein italienischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der für seine traumhaft-surrealen, autobiografisch gefärbten Filme, seinen einzigartigen Sinn für visuelle Spektakel und seinen Einfluss auf das Weltkino mit vier Oscars für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Geboren: 20. Januar 1920, Rimini, Italien · Gestorben: 31. Oktober 1993, Rom, Italien · Nationalität: Italienisch
Biografie
Federico Fellini wuchs in der Adriaküstenstadt Rimini auf, einem Ort, der ihn zeitlebens prägte und in mehreren Filmen wiederkehrt. Als junger Mann zeichnete er Karikaturen, schrieb Humoresken und arbeitete für das Radio, bevor er in die Filmbranche wechselte und als Drehbuchautor für Roberto Rossellini (Rom, offene Stadt, 1945) tätig wurde. Seine eigene Regiekarriere begann mit neorealistischen Werken – Lo sceicco bianco (1952), I Vitelloni (1953) – bevor er mit La Strada (1954) und Die Nächte der Cabiria (1957) zu seinen charakteristischen melancholisch-poetischen Tönen fand und beide Male den Oscar gewann.
Mit La dolce vita (1960) und 8½ (1963) erreichte er den Gipfel seines Schaffens und begründete den Begriff „Fellini'esque" für einen bestimmten Stil surrealer, üppiger, selbstreflexiver Filmerzählung. Sein Spätwerk – Amarcord (1973), Casanova (1976), E la nave va (1983) – wurde stilistisch noch freier und onirischer. 1993 erhielt er den Ehren-Oscar; wenige Monate später starb er an einem Schlaganfall.
Stil & Themen
Fellinis Bildwelt ist ein Zirkus: opulent, grotesk und zutiefst nostalgisch. Er liebte exzentrische Gesichter, überlebensgroße Körper und das Spektakel des Theaters. Sein Kameramann Nino Rota – tatsächlich sein Komponist, nicht sein Kameramann; Kamera meistens bei Giuseppe Rotunno – schrieb für ihn eine zirkushafte, sentimentale Musik, die untrennbar mit seinen Bildern verbunden ist. Architekt Dante Ferretti und später andere Produktionsdesigner bauten für ihn eigene Welten in Cinecittà, weil Fellini echte Orte als zu restriktiv empfand.
Thematisch kreist Fellinis Werk um die Erinnerung als Konstruktion, die Kindheit als verlorenes Paradies, die ambivalente Faszination für Frauen und das Fleisch, sowie die Unfähigkeit des modernen Menschen zur Tiefe. In 8½ schuf er den ersten wirklich selbstreflexiven Großfilm über einen Regisseur in der Schaffenskrise – eine Blaupause für alle späteren Metafilme.
Wichtige Filme
- La Strada (1954) – Anthony Quinn, Giulietta Masina; eine Zirkusartistin und ihr brutaler Begleiter; melancholisches Poem über Einsamkeit und Mitgefühl; Oscar bester fremdsprachiger Film.
- La dolce vita (1960) – Marcello Mastroianni als Journalist im Rom der 1960er; ikonisch die Fontana-di-Trevi-Szene mit Anita Ekberg; Panorama der postmodernen Leere.
- 8½ (1963) – Marcello Mastroianni als Regisseur in der Krise; Mischung aus Erinnerung, Traum und Gegenwart; Urvater aller selbstreflexiven Kinofilme; Oscar bester fremdsprachiger Film.
- Amarcord (1973) – Episodisches Portrait einer Adriaküstenstadt in den 1930er Jahren; autobiografische Kindheitserinnerungen; Oscar bester fremdsprachiger Film; Vorlage für Luigi Comencinis Episodenfilm-Genre.
- Satyricon (Fellini Satyricon, 1969) – Lose Adaption des Petronius; halluzinatorisches, dekadentes Bild der Antike; radikalstes und umstrittenster Werk Fellinis.
Einfluss & Bedeutung
Das Adjektiv „Felliniesque" ist in den internationalen Sprachgebrauch übergegangen und bezeichnet ein spezifisches Amalgam aus Traumlogik, Spektakel, sexueller Ambivalenz und nostalgischer Melancholie. Bob Fosse, Woody Allen (Stardust Memories, 1980; direktes Homage an 8½), Pedro Almodóvar und Tim Burton nennen Fellini als zentrale Inspiration. Die Idee, dass ein Regisseur sein eigenes Leben und seine Fantasien zum Filmstoff machen kann – das autobiografische Autorenkino –, wurde durch 8½ zum anerkannten Kunstkino-Paradigma.
Vergleich & Abgrenzung
Während Fellinis Zeitgenosse Michelangelo Antonioni die moderne Entfremdung in kühler, architektonischer Distanz zeigte, bricht Fellini mit körperlicher Wärme, emotionaler Überfülle und Humor hervor. Ingmar Bergman, mit dem Fellini oft verglichen wird, behandelt ähnliche Themen – Einsamkeit, Vergänglichkeit, Gottsuche –, aber in protestantisch-asketischer Strenge; Fellini dagegen ist katholisch-barock. Mit Roberto Rossellini teilt Fellini den neorealistischen Ausgangspunkt, von dem beide sich aber in entgegengesetzte Richtungen entfernten.
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet der Titel „8½" und warum diese ungewöhnliche Benennung? Fellini zählte seine Regiearbeiten und errechnete, dass dieser Film sein achter voller Spielfilm war, wenn man zwei gemeinsam mit anderen Regisseuren verantwortete Segmentfilme als jeweils „ein halbes" zählte. Der Titel ist damit eine bewusst kryptische Selbstreferenz: ein Film, der sich selbst im Titel als Fragment und Zustandsbeschreibung seines Schöpfers bezeichnet.
Warum drehte Fellini fast ausschließlich in den Cinecittà-Studios statt an Originalschauplätzen? Fellini betrachtete die Wirklichkeit als unzureichendes Material für seinen Filmtraum. Im Studio konnte er Licht, Raum und Details vollständig kontrollieren. Er ließ für Amarcord seine Heimatstadt Rimini komplett nachbauen und ließ für E la nave va das Meer im Studio konstruieren. Das Studio war für ihn nicht Ersatz für die Realität, sondern die einzig legitime filmische Wirklichkeit.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Monaco, James (2009): Film verstehen. Rowohlt, Reinbek. S. 265–285.
- Katz, Ephraim (2012): The Film Encyclopedia. Harper Collins, New York. Eintrag: Fellini.
- Bondanella, Peter (2002): The Films of Federico Fellini. Cambridge University Press.
- Kezich, Tullio (2006): Federico Fellini: His Life and Work. Faber & Faber, London.
- Burke, Frank (1996): Fellini's Films: From Postwar to Postmodern. Twayne, New York.

