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Ernst Ingmar Bergman (* 14. Juli 1918 in Uppsala; † 30. Juli 2007 auf der Insel Fårö, Schweden) war ein schwedischer Film- und Theaterregisseur, der für seine tiefgründigen, oft quälend offenen Auseinandersetzungen mit Tod, Gottessuche, psychologischen Abgründen und menschlichen Beziehungen als einer der größten Filmemacher aller Zeiten gilt.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Geboren: 14. Juli 1918, Uppsala, Schweden · Gestorben: 30. Juli 2007, Fårö, Schweden · Nationalität: Schwedisch


Biografie

Ingmar Bergman wuchs als Sohn eines lutherischen Pfarrers in strenger religiöser Atmosphäre auf, geprägt von Schuld, Gehorsam und der physischen Präsenz des Todes in der religiösen Ikonographie. Diese Kindheit nährte ein Leben lang seine Obsession mit Gott, Zweifel und der Fragilität menschlicher Würde. Er begann seine künstlerische Karriere im Theater und arbeitete über Jahrzehnte parallel als Theaterdirektor, zuerst in Helsingborg, später in Göteborg, Stockholm und zuletzt in München.

Im Film debütierte er 1946; der erste internationale Durchbruch gelang mit Lächeln einer Sommernacht (1955), einer eleganten Komödie, die Eingang in den Wettbewerb von Cannes fand. Danach folgte eine Hochphase: Das siebente Siegel (1957), Wilde Erdbeeren (1957), Das Schweigen (1963), Persona (1966), Schreie und Flüstern (1972), Szenen einer Ehe (1973) – eine Konzentration von Meisterwerken, die ihresgleichen sucht. 1976 verließ Bergman Schweden nach einem Steuerstreit und lebte kurz in Deutschland, bevor er heimkehrte und sich auf die Insel Fårö zurückzog, wo er bis zu seinem Tod lebte. Fanny und Alexander (1982) bezeichnete er selbst als sein letztes Kinowerk; er blieb aber weiterhin fürs Fernsehen aktiv.

Stil & Themen

Bergmans Bildsprache ist die der Gesichtsnahaufnahme. Sein langjähriger Kameramann Sven Nykvist (gemeinsam mit Gunnar Fischer in der frühen Phase) perfektionierte mit ihm eine Technik, das menschliche Gesicht unter natürlichem Licht so zu filmen, dass jede Regung, jede Unsicherheit, jede Lüge sichtbar wird. Bergman glaubte, das Gesicht sei das ehrlichste Kino – unübertrefflich in seiner Offenbarungskraft.

Thematisch kehrt er zu einem festen Kosmos zurück: Gottessuche und Gottesverlust, das Schweigen als kommunikatives Scheitern, die destruktiven Dynamiken in Paarbeziehungen, die Frage nach Schuld und Vergebung, der Tod als Gesprächspartner. In Persona (1966) dekonstruiert er die Grenze zwischen zwei Frauenidentitäten bis zur Auflösung – ein filmisches Experiment, das die Möglichkeit von Repräsentation selbst in Frage stellt.

Wichtige Filme

  1. Das siebente Siegel (Det sjunde inseglet, 1957) – Mittelalterlicher Ritter spielt Schach mit dem Tod; existenzialistische Allegorie; das Schachspiel wurde zur bekanntesten Einzelszene der Filmgeschichte.
  2. Wilde Erdbeeren (Smultronstället, 1957) – Alter Professor reist zur Ehrenverleihung und blickt auf sein Leben zurück; Erkundung von Reue, Einsamkeit und Versöhnung; Victor Sjöström in der Hauptrolle.
  3. Persona (1966) – Eine Schauspielerin verstummt; ihre Pflegerin beginnt, ihre Identität zu übernehmen; formal radikalstes Werk Bergmans; beeinflusste David Lynch, Michael Haneke und viele andere.
  4. Schreie und Flüstern (Viskningar och rop, 1972) – Vier Frauen in einem roten Haus; Tod und Schmerz; Sven Nykvists Fotografie in Rot und Weiß ist Filmgeschichte.
  5. Fanny und Alexander (1982) – Semi-autobiografisches Familienepos; Bergmans „Abschluss"; gewann vier Oscars; existiert in einer 188-minütigen Kinoversion und einer 312-minütigen Fernsehadaption.

Einfluss & Bedeutung

Bergmans Einfluss auf das Autorenkino ist fundamental. Woody Allen, der ihn regelmäßig als seinen wichtigsten Einfluss nennt, adaptierte seine Themen für New York (Interiors, 1978). Andrei Tarkowski verehrte Bergman; beide tauschten sich im Exil aus. Michael Haneke, Lars von Trier und Terrence Malick sind ohne Bergman nicht denkbar. Als Theaterregisseur beeinflusste er Generationen europäischer Bühnenkünstler. Sein Fernsehwerk – insbesondere Szenen einer Ehe (1973) – hatte messbaren Einfluss auf Scheidungsraten und öffentliche Diskurse über Ehe in Schweden.

Vergleich & Abgrenzung

Während Federico Fellini mit opulenter Bildpracht und Selbstironie arbeitet, ist Bergmans Kino asketisch, karg und ohne Humor (mit wenigen frühen Ausnahmen). Beide teilen die autobiografische Dimension, doch wo Fellini die Erinnerung feiert, befragt Bergman sie schmerzhaft. Andrei Tarkowski und Bergman teilten spirituelle Tiefe und langsames Erzählen; Tarkowski ist jedoch bildlyrischer und weniger dialogabhängig. Lars von Trier, Bergmans bewusster Schüler und Konkurrent, radikalisiert dessen Dunkelheit bis zur Provokation.

Häufige Fragen (FAQ)

*Warum ist Bergmans Fernsehserie Szenen einer Ehe so bedeutsam?* Die sechsteilige Serie (1973, 281 Minuten), die anschließend zur Kinoversion verdichtet wurde, zeigte das Scheitern einer Ehe in einer bis dahin ungekannten emotionalen Direktheit. In Schweden sollen die Einschaltquoten in der Ausstrahlung massiv gewesen sein; Scheidungsanwälte berichteten von einem Anstieg der Beratungsanfragen. Die Serie gilt als eines der einflussreichsten Fernsehwerke aller Zeiten und war Vorbild für viele spätere Beziehungsdramen.

Warum lebte Bergman auf der Insel Fårö? Bergman entdeckte Fårö 1960 bei Außenaufnahmen für Durch ein dunkles Glas (1961) und war sofort von der kargen, windgepeitschten Landschaft fasziniert. Er kaufte ein Haus dort und verbrachte die zweite Hälfte seines Lebens auf der Insel, die ihm Rückzug, Konzentration und Abstand von der Medienwelt bot. Die Insel wurde Teil seines Mythos und ist heute Pilgerstätte für Cinephile.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Monaco, James (2009): Film verstehen. Rowohlt, Reinbek. S. 325–350.
  • Katz, Ephraim (2012): The Film Encyclopedia. Harper Collins, New York. Eintrag: Bergman.
  • Bergman, Ingmar (1987): Laterna Magica. Fischer, Frankfurt. (Autobiografie)
  • Törnqvist, Egil (1995): Between Stage and Screen: Ingmar Bergman Directs. Amsterdam University Press.
  • Michaels, Lloyd (2000): Ingmar Bergman's Persona. Cambridge University Press.
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