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Martin Charles Scorsese (* 17. November 1942 in Queens, New York City) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Produzent, Drehbuchautor und Filmhistoriker, der als einer der bedeutendsten Vertreter des New-Hollywood-Kinos gilt und mit seinem Werk die Geschichte des amerikanischen Gangster-, Krimi- und Dramenfilms geprägt hat.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Geboren: 17. November 1942, Queens, New York City, USA · Nationalität: Amerikanisch


Biografie

Martin Scorsese wuchs als Kind sizilianischer Einwanderer im New Yorker Stadtteil Little Italy auf, in einer Welt aus Kirche, Familie, Straßengangs und italoamerikanischer Kultur. Asthma verhinderte körperliche Aktivitäten; er verbrachte seine Zeit im Kino. Er studierte Film an der NYU Film School und wurde Assistent von Filmemachern wie Roger Corman.

Seinen Durchbruch feierte er mit Mean Streets (1973), einem halbautobiografischen Portrait des Milieus, in dem er aufgewachsen war. Alice Doesn't Live Here Anymore (1974), Taxi Driver (1976, Goldene Palme Cannes), New York, New York (1977), Raging Bull (1980) und The Last Temptation of Christ (1988) folgten – letzterer Anlass für massive Proteste religiöser Gruppen. Goodfellas (1990) gilt als Hochpunkt seines Gangsterfilm-Schaffens. Nach mehreren kommerziell erfolgreichen Spätwerken gewann Scorsese 2007 mit The Departed (2006) erstmals den Oscar als Regie. Zu seinen jüngsten Werken zählen The Irishman (2019) und Killers of the Flower Moon (2023). Scorsese ist auch als Filmbewahrer aktiv und setzt sich für die Restaurierung klassischer Filme ein.

Stil & Themen

Scorseses Kino ist in Bewegung: schnelle Schnitte, Steadicam-Fahrten, Freeze Frames, Slow Motion in Gewaltszenen und ein exzessiver Einsatz von Popmusik als emotionaler Kommentar zur Handlung. Seine Zusammenarbeit mit Cutter Thelma Schoonmaker – eine der längsten Regisseur-Cutter-Kollaborationen Hollywoods – erzeugt einen pulsierenden, energetischen Rhythmus, der Genre und Stil gleichermaßen definiert.

Thematisch ist sein Werk von Schuld, Erlösung und Maskulinität durchzogen – Themen, die er offen mit seiner italoamerikanischen, katholischen Sozialisierung verbindet. Männer bei Scorsese sind oft gefangen in Rollenerwartungen, die sie gleichzeitig stärken und zerstören. Raging Bull ist Scorseses tiefgründigste Auseinandersetzung mit self-destruction; Taxi Driver mit gesellschaftlicher Entfremdung und gewaltsamer Selbstermächtigung.

Wichtige Filme

  1. Taxi Driver (1976) – Robert De Niro als Travis Bickle, ein Vietnam-Veteran am Rande des Wahnsinns in New York; Goldene Palme Cannes; kulturikonisch und kontrovers.
  2. Raging Bull (1980) – Biopic des Boxers Jake LaMotta; schwarzweiß gedreht; brutale Selbstzerstörung; von vielen Kritikern als bester Film der 1980er Jahre geführt.
  3. Goodfellas (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia, 1990) – Ray Liotta, Robert De Niro, Joe Pesci; Geschichte eines Mafia-Aufsteigers; redefinierte den Gangsterfilm; technisch virtuos.
  4. Gangs of New York (2002) – Daniel Day-Lewis; historisches New York der 1860er Jahre; Studie über Gewalt als Gründungsmythos Amerikas.
  5. The Departed (Departed – Unter Feinden, 2006) – Krimidrama mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon; Remake des Hongkong-Films Infernal Affairs; Oscar für Regie und besten Film.
  6. Killers of the Flower Moon (2023) – Osage-Nation-Massaker der 1920er Jahre; drei Stunden; systematische Untersuchung struktureller Gewalt gegen indigene Bevölkerungen.

Einfluss & Bedeutung

Scorseses Einfluss auf das amerikanische Kino ist umfassend. Er formte die visuelle Sprache des Gangsterfilms, integrierte Popmusik strukturell in den Film (nicht als Hintergrundkulisse, sondern als dramaturgisches Mittel), revolutionierte Steadicam-Einsatz und beeinflusste Schnitttechniken. Regisseure von Quentin Tarantino über Paul Thomas Anderson bis David O. Russell nennen ihn als entscheidenden Einfluss. Als Filmhistoriker und -bewahrer engagiert er sich für die Erhaltung des Filmerbes.

Vergleich & Abgrenzung

Scorseses engster Gesprächspartner ist Francis Ford Coppola: Beide formten New Hollywood, beide prägten den Gangsterfilm, beide arbeiteten mit Robert De Niro. Wo Coppola epische Familiendramen schuf, ist Scorsese expressiver und nervöser. Im Vergleich zu Stanley Kubrick, mit dem er den Perfektionismus teilt, ist Scorsese emotionaler und weniger kalt; Kubrick kontrolliert Distanz, Scorsese lässt Nähe zu. Abel Ferrara, sein New Yorker Zeitgenosse, teilt die Milieus und die Schuld-Obsession, ist aber radikaler und weniger zugänglich.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum setzt Scorsese so häufig Popmusik in dramatisch unpassenden Momenten ein? Scorsese nutzt anachronistische oder emotionswidersprechende Musikwahl als Distanzierungsmittel und Intensivierer zugleich. In Goodfellas begleitet „Layla" von Derek and the Dominos in einer langen, langsamen Einstellung Leichen in Kofferräumen – die Schönheit des Stücks verstärkt die Absurdität des Todes. Diese Technik – emotionaler Kontrast zwischen Bild und Ton – wurde zum Markenzeichen und vielfach imitiert.

Wie geht Scorsese mit der Kritik um, sein Werk glorifiziere Gewalt und Machismo? Scorsese hat in zahlreichen Interviews betont, dass seine Filme Gewalt nicht glorifizieren, sondern ihre Konsequenzen zeigen: Raging Bull und Taxi Driver sind psychologische Porträts von Männern, die sich selbst zerstören. Die Faszination, die diese Figuren ausstrahlen, ist absichtlich ambivalent – wir bewundern ihre Energie und erschrecken über ihre Zerstörungskraft. Die gesellschaftliche Debatte über die Darstellungsverantwortung des Kinos bleibt jedoch berechtigt.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Monaco, James (2009): Film verstehen. Rowohlt, Reinbek. S. 490–515.
  • Katz, Ephraim (2012): The Film Encyclopedia. Harper Collins, New York. Eintrag: Scorsese.
  • Thompson, David / Christie, Ian (Hg., 1996): Scorsese on Scorsese. Faber & Faber, London.
  • Biskind, Peter (1998): Easy Riders, Raging Bulls: How the Sex-Drugs-and-Rock'n'Roll Generation Saved Hollywood. Simon & Schuster, New York.
  • LoBrutto, Vincent (2007): Martin Scorsese: A Biography. Praeger, Westport.
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